
Angesichts angekündigter zweistelliger Minustemperaturen in den kommenden Nächten erweitert die Stadt Dortmund ihr Hilfsangebot für obdachlose Menschen. Um sie vor lebensgefährlichen Übernachtungen im Freien zu schützen öffnet kurzfristig einen Akut-Notschlafstelle in der Leuthardstraße. Zusätzlich gelten in der Einrichtung an der Mergelteichstraße leichtere und verbesserte Zugänge.
Zusätzliche Notschlafstelle für extreme Kältephasen
Die zusätzliche Übernachtungsmöglichkeit für obdachlose Menschen in der Leuthardstraße 7 ist zeitlich auf Phasen extremer Kälte begrenzt und richtet sich insbesondere an Menschen, die bislang im Winter im öffentlichen Raum übernachteten und bestehende Hilfsangebote aus unterschiedlichen Gründen nicht genutzt haben.
Die beheizbaren Räumlichkeiten verfügen über sanitäre Anlagen. Ein Sicherheitsdienst ist durchgehend vor Ort. Die Einrichtung ist ab Heute (9. Januar), 19 Uhr, täglich von 19 bis 8 Uhr geöffnet. Frauen- und Männerbereiche sind getrennt. Tagsüber stehen der Zielgruppe die regulären Tagesangebote in Dortmund zur Verfügung.
Straßensozialarbeit, Mitarbeitende des Kommunalen Ordnungsdienstes sowie die Partner:innen im Wohnungslosen-Netzwerk informieren Betroffene gezielt über das zusätzliche Angebot. Die Notschlafstelle ist ein niedrigschwelliges, freiwilliges Zusatzangebot der Stadt und geht zurück auf einen Ratsbeschluss im Dezember. Sie ist ausdrücklich keine ordnungsbehördliche Unterbringung, sondern dient dem Schutz der Gesundheit.
Niemand muss in Dortmund im Freien übernachten
In Dortmund wird niemand, der um einen Schlafplatz bittet, ohne Hilfsangebot abgewiesen. Das gilt unabhängig von der Jahreszeit oder den Wetterbedingungen.

Seit Jahren erweitern die Stadt und ihre Netzwerk-Partner:innen ihre Angebote, um die Lebensverhältnisse der Betroffenen zu verbessern. Dafür gibt es ein strukturiertes System von aufeinander aufbauenden Unterbringungsformen und Hilfsangeboten.
Die Stadt möchte damit wohnungs- und obdachlose Menschen in die Lage versetzen, wieder eine eigene Wohnung beziehen und auch finanzieren zu können. Alle Instrumente dieses ausdifferenzierten Systems in Dortmund sind darauf ausgerichtet, die Menschen von der Straße zu holen.
Bestehende Übernachtungsangebote in Dortmund
In Dortmund stehen verschiedene Übernachtungsstellen für unterschiedliche Zielgruppen zur Verfügung:
- Männerübernachtungsstelle mit 70 Schlafplätzen, davon acht im Angebot „Grip Spot“ für junge Volljährige (Trägerin: European Homecare GmbH)
- Frauenübernachtungsstelle mit 50 Schlafplätzen in Zweibettzimmern, durchgehend 24 Stunden geöffnet (Träger: Diakonisches Werk
- „Gap Jump“ für junge Erwachsene ab 18 Jahren mit 20 Schlafplätzen (Trägerin: European Homecare GmbH)
- Notschlafstelle „SW 42“ für wohnungslose drogenabhängige Menschen mit 20 Schlafplätzen (Träger: Soziales Zentrum e.V.)
- „Sleep-In Stellwerk“ für Jugendliche mit zehn Schlafplätzen (Träger: Verbund Sozialtherapeutischer Einrichtungen NRW e.V.)
Sind die Männer- oder Frauenübernachtungsstelle ausgelastet, organisiert das Sozialamt in Abstimmung mit den Teams der Häuser die Fahrt in die Einrichtung an der Mergelteichstraße. Zusätzlich stehen bei Bedarf Wohnungen aus dem Wohnraumvorhalteprogramm der Stadt Dortmund zur Verfügung. Alle Übernachtungseinrichtungen bleiben – auch tagsüber – geöffnet, sodass sich die Menschen dort im Warmen aufhalten können.
Verbesserte Zugänge an der Mergelteichstraße
Seit Mitte Dezember ist die Einrichtung an der Mergelteichstraße für Betroffene leichter erreichbar. Dazu zählen kostenlose ÖPNV-Tickets für Menschen, die das Übernachtungs- und Aufenthaltsangebot nutzen möchten. Diese Fahrkarten geben Streetworker:innen des Sozialamtes sowohl für die Hin- als auch für die Rückfahrt, etwa in die Innenstadt, aus.
Zudem wurde die Bettenzahl pro Zimmer in der Einrichtung in der Mergelteichstraße reduziert. In der Regel gibt es dort jetzt zwei Plätze pro Zimmer.
In Gesprächen weisen Streetworker:innen und Mitglieder des Wohnungslosen-Netzwerkes eindringlich darauf hin, dass Übernachtungen im Freien bei den aktuellen Temperaturen lebensgefährlich sein können. Dennoch entscheiden sich leider Einzelne gegen die Übernachtungs- und Hilfsangebote.
Hoher finanzieller Aufwand für Hilfen bei Obdachlosigkeit
Die Stadt Dortmund stellte im vergangenen Jahr rund 23 Millionen Euro für Unterstützungsangebote für obdachlose Menschen bereit. Das Klinikum Dortmund gab im selben Zeitraum etwa 1,1 Millionen Euro für die stationäre Behandlung obdachloser, nicht krankenversicherter Menschen aus. Das sind nach Aussage des Klinikums 15 Prozent mehr Fälle als im Jahr 2024. Eine Kostenerstattung erhält das Klinikum dafür nicht.

