
Was haben Straßenbau, Kultur und Einzelhandel gemeinsam? Ab sofort eine bessere Ökobilanz. Zwölf Betriebe haben erfolgreich ihre Zertifizierung mit „Ökoprofit“ vorgenommen und 85 Verbesserungen erarbeitet. Zusammen tun sie nun nicht nur etwas für den Klimaschutz, sie sparen jährlich auch rund 250.000 Euro.
Doppeltes Jubiläum: 25 Jahre Ökoprofit und 25 Jahre depot
Ökoprofit – das Projekt ist so alt wie der Kulturort Depot in der Dortmunder Nordstadt. Seit 25 Jahren werden damit im Rahmen der Wirtschaftsförderung Unternehmen auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz unterstützt – im depot erhielten Mitte Oktober nun 12 Betriebe ihr Zertifikat über eine erfolgreiche Teilnahme. Und das depot war nicht nur Gastgeberin, sondern auch Teilnehmerin des Projekts.

„Wir haben aber nicht erst in diesem Jahr angefangen, uns Gedanken über Nachhaltigkeit zu machen“, so Claudia Schenk in ihrer Begrüßung, – „aber es ist wichtig, Routinen immer wieder zu hinterfragen und die Prozesse einmal systematisch zu prüfen.“
Maßnahmen, wie das Dimmen der Ausstellungsbeleuchtung und der Verzicht auf Einweggeschirr bei Events, sind nun gelebte Praxis und um positiv auf das Mobilitätsverhalten der Besuchenden einzuwirken, wurde in 28 neue Fahrradstellplätze investiert.
Kooperation rund ums Dortmunder U wäre eine Idee
„Auch kleinere Institutionen können einen Beitrag leisten“, findet Linda Schröer vom Dortmunder Kunstverein. Sie war während des Zertifizierungsprozesses als One-Woman-Show im Einsatz, zusätzlich zum Tagesgeschäft, aber auch ihre Bilanz ist positiv: Umstellung auf Ökostrom, Abfalltrennung und erste Schritte beim Arbeitsschutz konnten realisiert werden.

„Perspektivisch wäre es wünschenswert, wenn wir uns zusammenschließen“, denkt Schröer. Gemeinsam könne man „rund ums U“ sicher mehr bewegen.
Kathleen Ansorg sieht das ähnlich. Mit ihren Kolleg:innen vom Hartware MedienKunstverein e.V. kann sie zwar nur in den Büros und auf einer der vielen Etagen im Dortmunder U Veränderungen bewirken, „aber etwas kann man immer tun“, so Ansorg.
Sie will Dinge anstoßen, andere mitnehmen, das Bewusstsein schärfen und – ganz konkret – „haben wir die Temperatur im Serverraum um zwei Grad gesenkt.“
Investitionen würden sich lohnen – aber woher kommt das Geld?
Nur Mieterin im Gebäude zu sein, macht Veränderungen nicht leichter – das wissen auch Nicola van der Wal und Katharina Potulski vom Kulturzentrum balou. Der Verein teilt sich das alte Schulgebäude in Brackel mit verschiedenen Gruppen, aber wenn es gelingt, gemeinsam zu agieren, kann man größere Wirkung erzielen: „Aktuell planen wir Photovoltaik für das Dach“, so van der Wal und das würde 10,5t CO₂ sparen.

Einsparungen die gut für die Umwelt sind, aber auch Investitionen erfordern. 50.000 Euro hat das domicil zum Beispiel in die Optimierung der Beleuchtungssysteme gesteckt – dem stehen jährliche Einsparungen von 3.550 Euro gegenüber. Es wird sich also rentieren – aber woher nimmt man als Kulturbetrieb dafür das Geld?
„Um überhaupt an Ökoprofit teilnehmen zu können, haben alle fünf Kulturbetriebe eine Förderung durch die E.ON Stiftung erhalten“, erzählt Waldo Riedel. Für die Maßnahmen müssen nun neue Förderer gefunden werden, denn bei aller Motivation in Sachen Klimaschutz: „Das darf nicht zu Lasten unseres Programms gehen.“
Warum nicht mal Spritspartraining für Maschinisten?
Fünf Dortmunder Kulturbetriebe – dazu mit flexpos ein Spezialist für IT-Produkte im Einzelhandel –, fünf Bauunternehmen und die Martin-Opitz-Bibliothek im Herne: ein spannender Mix, fand auch Achim Holtrup, der Ökoprofit bei der Wirtschaftsförderung betreut.

Die gegenseitigen Besuche brachten neue Einblicke für alle Beteiligten und „trotz aller Unterschiede gab es immer ähnliche Fragen“, so Holtrup.
Strom, Wasser, Abfall, Mobilität – das beschäftigte alle Teilnehmenden in den acht Workshops.
Auch beim Straßenbauer Höhler wurde auf Ökostrom umgestellt und in den Austausch von Leuchtmitteln in den Werkstätten investiert.
Die „großen Brocken“ aber sind für die Bauunternehmen vor allem der Maschinenbetrieb, Kosten für Strom und Dieselkraftstoff.
Stricker Infrastrukturbau setzt auf eine Umstellung des Fuhrparks auf E-Mobilität – abhängig vom Ausbau der Ladeinfrastruktur. Sukzessive soll investiert werden, aber bis dahin gibt es schon mal ein Spritspartraining für Maschinisten.
750.000 Euro Investitionen – jährliche Einsparungen von rund 250.000 Euro
Friedrich-Wilhelm Corzilius, stellvertretender Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund, dankte allen teilnehmenden Betrieben für ihr Engagement. Seit Start des Programms sei die Bedeutung von Klimaschutz und Nachhaltigkeit weiter gewachsen und wenn auch die Motivation vielleicht unterschiedlich war, „es ist auch die Emotion, die uns verbindet.“

Bauunternehmen, die sonst im Wettbewerb miteinander stehen, hätten hier im Sinne der Sache zusammengearbeitet, so Corzilius. Bei Vergaben der Stadt Dortmund werden sie künftig von einem Nachhaltigkeitsfaktor profitieren, den sie durch ihre Teilnahme an Ökoprofit nachweisen können
Seine Bilanz über alle 12 Betriebe gerechnet: 750.000 Euro Investitionen stehen jährliche Einsparungen von rund 250.000 Euro gegenüber.
Und nicht jede Verbesserung kostet Geld: Für 35 Prozent der erarbeiteten Maßnahmen waren gar keine Investitionen nötig. Für Corzilius der Beleg, dass sich Umweltschutz und wirtschaftliches Handeln verbinden lassen.
Übrigens: Dortmund war im Jahr 2000 die erste Stadt in Nordrhein-Westfalen, die Ökoprofit anbot. Seitdem gab es 14 Projektrunden mit insgesamt 152 teilnehmenden Betrieben. Runde 15 soll folgen. Anmeldungen sind über die Website der Wirtschaftsförderung möglich.

