
Vom mittelalterlichen Tonkrug bis zum Gameboy. Mit der neuen Ausstellung „KONSUM. Alltagsdinge zwischen Nutzen, Sehnsucht und Überfluss“ erzählt das Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) die umfassende Geschichte des Konsums. Rund 500 Exponate aus acht Jahrhunderten zeigen ab dem 5. Juli Juli 2026 wie Konsum unseren Alltag, unsere Identität und unsere Gesellschaft geprägt hat und stellen zugleich die Frage, wie unser Konsum in Zukunft aussehen kann.
Der Schrank als roter Faden der Konsumgeschichte
Um passende Exponate auszuwählen, sichtete das Team tausende Objekte aus den Depots des Museums. Viele Stücke seien weder digital erfasst noch fotografiert gewesen. „Wir sind wirklich durch die Depots gekrabbelt“, erzählt Kuratorin und Projektleiterin Nassrin Sadeghi.

Rund 5.000 Fotos habe sie dabei selbst aufgenommen, historische Daten recherchiert und Sammlungsbestände immer wieder miteinander abgeglichen. „Es war ein Annäherungsprozess“, sagt sie über die Auswahl, die sich über mehr als zwei Jahre erstreckte.
Ein roter Faden zieht sich durch sämtliche Epochen: der Schrank. Was zunächst ungewöhnlich erscheint, entwickelte sich während der zweijährigen Vorbereitungszeit zum zentralen Leitobjekt der Ausstellung. „Wir brauchten irgendetwas, das sich durchzieht, damit man eine Orientierung hat“, erklärt Sadeghi.
Der Schrank wird ebenso zum Symbol gesellschaftlicher Entwicklungen. Seine Form, Größe und Funktion erzählen von wechselnden Vorstellungen von Besitz und Status. „Ob er verbergen soll, was da drin ist oder es zeigen soll, das sagt viel darüber aus, wie Besitz zu einer gewissen Zeit verstanden wurde“, erklärt Sadeghi.
28 Kapitel einer Konsumgeschichte
Ausgehend vom Schrank als Leitobjekt strukturiert die Ausstellung die Entwicklung des Konsums in vier große Stufen, aus denen schließlich 28 Kapitel entstanden. „Wir erzählen die Geschichte des Konsums grob in vier Stufen. Das entspricht auch den Entwicklungsschritten“, erklärt Sadeghi.

Die Ausstellung führt chronologisch vom notwendigen Besitz über Luxus und Industrialisierung bis hin zur heutigen Konsumgesellschaft. Neben Designikonen wie Bakelit-Telefon, Kugelfernseher oder Gameboy stehen auch unscheinbare Alltagsgegenstände, die überraschende Geschichten erzählen.
Besonders eindrücklich zeigt das eine historische Kaffeekanne. Auf den ersten Blick ein einfacher Gebrauchsgegenstand, verbirgt sie eine lange Entwicklungsgeschichte.
„Allein über diese Kaffeekanne könnte man einen ganzen Kosmos aufmachen“, sagt Sadeghi. Für die Kuratorin zeigt dieses Objekt exemplarisch, „wie viel Vorüberlegung in so einer Kaffeekanne steckt“ und wie selbstverständlich viele technische Lösungen heute geworden sind.
Konsum in unserer Gesellschaft
Die Ausstellung zeigt, wie sich Konsum vom reinen Bedürfnisbefriedigungsmittel zu einem Ausdruck von Wohlstand und Identität entwickelt hat. Zugleich thematisiert sie globale Warenströme, Kolonialismus, Industrialisierung und die ökologischen Folgen eines stetig wachsenden Konsums.

Kuratorin Nassrin Sadeghi betont den damit verbundenen Widerspruch: „Unsere ganze Wirtschaft basiert darauf, dass Konsum immer weiter und immer gigantischer wird“, gleichzeitig stoße dieses Modell an klare Grenzen.
„Einerseits können wir so nicht weitermachen, immer mehr produzieren. Andererseits funktioniert unser Wirtschaftssystem genau so.“ Daraus ergebe sich ein gesellschaftliches Dilemma ohne einfache Lösung.
Reflektion statt Verzicht: ein offenes Gespräch
Dennoch wolle die Ausstellung nicht zum pauschalen Konsumverzicht aufrufen. Schließlich bedeute der Zugang zu Konsumgütern auch gesellschaftlichen Fortschritt. Konsum bedeute auch Zugang zu Wohlstand und Lebensqualität, betont Sadeghi. Es gehe nicht darum, diese infrage zu stellen, sondern bewusster über den Umgang mit begrenzten Ressourcen nachzudenken.

Neben historischen Exponaten laden interaktive Stationen und eine gemeinsam mit der FH Dortmund entwickelte App dazu ein, das eigene Konsumverhalten zu reflektieren und die lokale Einkaufsgeschichte spielerisch zu entdecken. Ergänzt wird das Angebot durch Führungen, Workshops und Mitmachformate.
Für Sadeghi steht am Ende vor allem eines im Mittelpunkt: der Austausch. „Ich würde mir wünschen, dass es Familien zu einem Dialog führt, darüber, was es früher gab, zu Gesprächen führt.“
Die Ausstellung eröffnet offiziell am Samstag (5.Juli) im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK). Der Eintritt ist frei.
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