
Die Bezirksvertretung Innenstadt-Nord hat sich in ihrer Sitzung mit gleich zwei Problemen beschäftigt, die viele Menschen im Stadtbezirk seit Jahren beschäftigen: Ratten und Müll. Während die SPD-Fraktion finanzielle Anreize für die Schädlingsbekämpfung schaffen möchte, beklagten Eltern des Helmholtz-Gymnasiums in der Fragestunde für Einwohner*innen vermüllte Schulwege. Dabei wurde deutlich, dass beide Probleme eng miteinander zusammenhängen. Sowohl das Dortmunder Ordnungsamt als auch die EDG sehen vor allem die Ursachenbekämpfung als entscheidenden Ansatz.
Die SPD-Fraktion fordert einen Zuschuss für Rattenbekämpfung
Angestoßen wurde die Diskussion durch eine Forderung der SPD-Fraktion. Hauseigentümer sollen künftig einen Zuschuss von 200 Euro erhalten können, wenn sie nachweisen, dass sie eine professionelle Rattenbekämpfung auf ihrem Grundstück durchgeführt haben. Insgesamt soll die Bezirksvertretung dafür zunächst 10.000 Euro für 2026 bereitstellen.

Ralph Kittel vom Dortmunder Ordnungsamt begrüßte die Initiative grundsätzlich. Die Bekämpfung von Ratten sei ein komplexes Thema, das nicht nur einzelne Straßenzüge oder Quartiere betreffe. So gebe es Bereiche, in denen Beschwerden gehäuft auftreten. Dort könne ein gezielter Einsatz von Mitteln sinnvoll sein.
So würden die Kosten einer professionellen Bekämpfung häufig bei rund zu 300 Euro pro Fall liegen. Gleichzeitig ließen sich die Maßnahmen mit weiteren Akteuren verzahnen. So sollten auch Grünflächen und die Kanalisation in den Blick genommen werden. Als Beispiel nannte Kittel den Schleswiger Platz, wo die Zahl der Beschwerden nach gemeinsamen Bekämpfungsmaßnahmen zurückgegangen sei.
Quartiersmanagement nicht zuständig: Umsetzung des Fördermodells weiter offen
Schnell wurde in der Diskussion jedoch klar, dass die eigentliche Herausforderung nicht die Idee selbst ist. Offen bleibt bislang vor allem die Frage, wie sich ein entsprechendes Förderprogramm organisatorisch umsetzen lasse.

Bereits im Vorfeld hatte die Verwaltung mitgeteilt, dass das Quartiersmanagement die Bearbeitung entsprechender Anträge nicht leisten könne. Die Prüfung von Rechnungen, die Beratung von Eigentümer und die Auszahlung möglicher Zuschüsse seien dort personell nicht zu leisten.
SPD-Fraktionssprecher Thomas Oppermann zeigte sich darüber unzufrieden. „Was ärgerlich ist, ist, dass wir nach wie vor keine Idee haben, wie wir es umsetzen“, erklärte er mit Blick auf den geplanten Zuschuss. Die Rattenbekämpfung sei notwendig, derzeit fehle aber eine Struktur, um die Mittel wirksam zuzuweisen.
Symptombekämpfung: Ratten oft Folge anderer Probleme
Einig war man sich, dass die Bekämpfung von Ratten eher eine Bekämpfung von Symptomen darstelle. So regte Julia Zara Eraslan von den Linken an, die soziale Schieflage in der Nordstadt stärker in den Blick zu nehmen. Zudem wäre die Überprüfung tierfreundlicher Methoden zur Schädlingsbekämpfung wünschenswert, etwa durch chemische Sterilisation.

Auch aus anderen Fraktionen kamen Hinweise auf die Bedeutung von Sauberkeit und Abfallentsorgung. So fragte Susanne Schulte vom Seniorenbeirat, ob ausreichend Mülltonnen und öffentliche Abfallbehälter vorhanden seien. Zudem müsse geprüft werden, wo sich illegale Müllablagerungen besonders häufen.
Kittel unterstützte diesen Ansatz ausdrücklich. „Ursachenbekämpfung ist die beste Bekämpfungsmethode“, betonte er. Müllablagerungen spielten bei der Ausbreitung von Ratten eine zentrale Rolle.
Eltern beklagen illegale Vermüllung auf dem Schulweg
Daneben beschäftigte sich die Bezirksvertretung mit einem Bürgerantrag von Eltern des Helmholtz-Gymnasiums. Diese schilderten eine zunehmende Vermüllung im Bereich der Haydnstraße und Scheffelstraße. Besonders auf den Schulwegen würden immer wieder größere Mengen Müll, Sperrmüll und teilweise gefährliche Gegenstände abgeladen.

Die Eltern berichteten von Glasscherben, Nägeln und weiteren Abfällen, die eine Gefahr für Kinder darstellen könnten. Zudem dauere es häufig lange, bis die Ablagerungen entfernt würden. Deshalb fordern sie schnellere Reinigungsmaßnahmen sowie verstärkte Kontrollen im Umfeld der Schule.
Darüber hinaus regten die Antragsteller zusätzliche Maßnahmen wie bessere Beleuchtung oder den Einsatz von Kameras an. Ziel sei es, die Sicherheit auf den Schulwegen dauerhaft zu verbessern.
EDG verweist auf hohe Belastung in der Nordstadt
Markus Demtröder von der EDG widersprach dem Eindruck, die Entsorgungsgesellschaft reagiere nicht ausreichend auf die Probleme. Die EDG sei „wesentlicher Teil der Lösung und nicht des Problems“ stellte er klar.

Nach seinen Angaben arbeiten allein in der Nordstadt 28 Beschäftigte in der regulären Straßenreinigung. Hinzu kommen weitere Teams, die illegale Müllablagerungen beseitigen. Die betroffenen Straßen würden drei- bis sechsmal pro Woche gereinigt, ein Höchstwert mit Blick auf das restliche Stadtgebiet.
Dennoch seien die Dimensionen erheblich. Stadtweit müsse die EDG jährlich mehr als 43.000 illegale Müllablagerungen beseitigen. Fast 26.000 Fälle entfallen dabei auf das Einsatzgebiet 1, zu dem auch die Nordstadt gehört. „Diese Dimensionen bringen unsere Ressourcen an die Kapazitätsgrenzen“, erklärte Demtröder.
Sauberkeit bleibt ein wichtiges Thema in der Nordstadt
In der anschließenden Diskussion wurde auf unterschiedliche Lösungsansätze verwiesen. Bert Rozowski von den Linken brachte weitere Probleme entlang der Schulwege zur Sprache. So erschwerten falsch geparkte Fahrzeuge die Situation zusätzlich. Daher sollten auch Gehwegbügel und Halteverbote geprüft werden.

Oppermann sprach sich für wirksamere Sanktionen gegen Verursacher aus. Zudem regte er an zu prüfen, ob zusätzliche Angebote zur legalen Entsorgung von Problemstoffen geschaffen werden könnten. Dr. Annette Littmann von der CDU-Ratsfraktion brachte eine mehrsprachige Informationskampagne ins Gespräch.
Demtröder verwies darauf, dass die Stadt bereits Observationen durchführe. Allein zwischen Januar und Anfang Juni habe es mehrere Einsätze im Bereich Scheffelstraße, Heidestraße und Münsterstraße gegeben.
Dabei seien auch Verursacher ermittelt worden. Als direkte Reaktion auf die Beschwerden der Eltern wolle die EDG den Bereich künftig verstärkt in den Morgenstunden kontrollieren.
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