
Die geplante Umgestaltung der südlichen Münsterstraße in der Dortmunder Nordstadt hat im Rat eine intensive und teils kontroverse Debatte ausgelöst. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie viel Veränderung der zentrale Straßenzug verträgt – und ob die gewählte Verkehrsvariante tatsächlich den Bedürfnissen von Anwohnern, Gewerbe und Stadtentwicklung gerecht wird. Der Rat beschloss schließlich die sogenannte Variante 4, die eine „Quartiersmitte Münsterstraße“ vorsieht. Damit folgt die Politik der Empfehlung der Verwaltung – trotz deutlicher Kritik aus Teilen der Opposition und einzelner Fraktionen.
Verwaltung setzt auf Quartiersmitte – weniger Verkehr, mehr Aufenthaltsqualität
Die beschlossene Variante 4 ist Teil eines umfassenden integrierten Handlungskonzepts für die Nordstadt. Ziel ist es, die Münsterstraße als Geschäftsstraße zu stärken und gleichzeitig den öffentlichen Raum neu zu ordnen. Laut Beschlussvorlage soll die Aufenthaltsqualität gesteigert und ein „multifunktionaler, klimaresilienter Stadtraum“ geschaffen werden.

Konkret bedeutet das: Eine Ausweitung von Fußgängerbereichen, mehr Platz für Grünstrukturen und eine Reduzierung des motorisierten Verkehrs. Gleichzeitig bleibt die Erschließung für Autos abschnittsweise erhalten, etwa in verkehrsberuhigten Bereichen mit Tempo 20. Auch Lieferverkehr sowie Kurzzeit- und Behindertenparkplätze sollen weiterhin möglich sein.
Die Verwaltung bewertet die Variante als Kompromiss, der unterschiedliche Interessen zusammenführt. Sie sei zudem förderfähig – rund 7,5 Millionen Euro Fördermittel stehen für das Projekt in Aussicht.
CDU kritisiert Plan als unausgereift und warnt vor Folgen für Gewerbe
Für die CDU-Fraktion ist dieser Kompromiss jedoch nicht tragfähig. Christian Barrenbrügge machte deutlich, dass seine Fraktion grundlegende Zweifel an der Planung hat. „Wir reden heute nicht über die ganze Münsterstraße, sondern nur über den südlichen Teil“, stellte er zunächst klar und kritisierte dann den Ablauf des Verfahrens.

Es sei „sehr befremdlich“, dass eine Informationsveranstaltung für die Politik erst nach ersten Entscheidungen stattgefunden habe. Das sei „überhaupt nicht zielführend“. Insgesamt wirke das Verfahren überhastet: „Wir überplanen ja ein Stadtquartier für sicher mindestens die nächsten 50 Jahre. Da muss Sorgfalt tonangebend sein und nicht das Tempo.“
Besonders kritisch sieht die CDU die geplante Ausweitung der Fußgängerzone. Barrenbrügge warnte vor negativen Folgen für den Einzelhandel: „Die CDU ist um die Existenz einzelner Einzelhändler und Gewerbetreibender hochgradig besorgt.“ Viele Betriebe seien auf Durchgangsverkehr angewiesen.

Auch konkrete Beispiele führte er an. So könne ein Orthopäde künftig schwer erreichbar sein: „Wenn er zukünftig in der Fußgängerzone liegt, können die ganzen gehbehinderten und eingeschränkten Menschen diesen gar nicht mehr erreichen.“
Uwe Waßmann ergänzte, der Beteiligungsprozess habe „einige Mängel“. Viele Betroffene hätten sich nicht ausreichend einbezogen gefühlt. Zudem stehe aus seiner Sicht vor allem der Zeitdruck durch Fördermittel im Vordergrund. Dieser führe zu „einer nicht optimalen Überarbeitung“.
Befürworter sehen Chance für mehr Lebensqualität und Klimaschutz
Demgegenüber betonten andere Fraktionen die Chancen der Umgestaltung. Thomas Zweier hob die besondere Bedeutung der Straße hervor: „Die südliche Münsterstraße ist quasi das Herz der Nordstadt.“ Sie sei ein zentraler Begegnungsort für viele Menschen und Kulturen.

Gerade deshalb brauche es Veränderungen, die Aufenthaltsqualität, Verkehrssicherheit und Klimaschutz stärken. Allerdings kritisierte auch er Details der vorliegenden Variante. Die Bewertung der Verkehrsuntersuchung sei teilweise „ziemlich unschlüssig“.
Zweier bemängelte zudem, dass die Perspektiven von Anwohnern und Teilen der Gewerbetreibenden nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Die gewählte Variante biete „erheblich weniger Gestaltungsfreiraum“, als möglich wäre.
Seine Fraktion plädierte daher für eine noch stärker fußgängerorientierte Lösung. Gleichzeitig brachte er konkrete Anpassungsvorschläge ein, etwa zusätzliche Behindertenparkplätze direkt an der Münsterstraße, um Arztbesuche barrierefrei zu ermöglichen.
SPD und Grüne setzen auf Kompromiss und weiteren Beteiligungsprozess

SPD und Grüne stellten sich hinter die Verwaltungsvorlage. Christina Alexandrowiz erklärte, ihre Fraktion habe nach intensiven Beratungen entschieden, den eigenen Antrag zurückzuziehen. Die vorliegende Variante sei ausreichend.
Sie betonte die Notwendigkeit von Veränderungen: „Gerade weil sich etwas ändern muss, glauben wir, dass es hier an der Zeit ist, auf den Weg zu gehen.“ Ziel sei es, den Gewerbetreibenden neue Chancen zu eröffnen. Gleichzeitig müsse der Prozess eng mit den Anwohnenden abgestimmt bleiben.

Auch Leander Schreyer sprach von einem „großartigen Projekt“, das zeige, wie Beteiligung funktionieren könne. Allerdings brauche es am Ende Kompromisse. Die gewählte Variante bringe „massive Änderungen und Verbesserungen für den Fußgängerverkehr“.
Zugleich verwies er auf unterschiedliche Interessen vor Ort. Die Verwaltung habe intensive Gespräche geführt und einen Vorschlag erarbeitet, der eine „sehr, sehr umfangreiche Veränderung“ darstelle. Wichtig sei nun, die bereitstehenden Fördermittel nicht zu gefährden. Schreyer kritisierte die ablehnende Haltung der CDU scharf. Diese nehme in Kauf, dass Gelder zurückgegeben werden müssten. Das halte er für „grundsätzlich falsch“.
AfD lehnt Vorhaben grundsätzlich ab und sieht keinen Handlungsbedarf

Deutliche Ablehnung kam auch von der AfD. Bernd Hempfling verwies auf kontroverse Diskussionen in der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord. Viele Gewerbetreibende hätten die vorgestellten Varianten kritisch gesehen.
Er stellte das gesamte Projekt infrage: „Man will hier dieses Projekt, was schon seit einigen Jahren in der Vorbereitung ist, mit aller Macht durchsetzen.“ Aus seiner Sicht gelte der Grundsatz: „Repariere nichts, was nicht kaputt ist.“ Seine Fraktion kündigte an, alle Varianten abzulehnen.
Mehrheit beschließt Variante 4 – Diskussion dürfte weitergehen
Am Ende setzte sich die Mehrheit im Rat für die Variante 4 durch. Ein weitergehender Antrag für eine umfassendere Fußgängerzone fand keine Mehrheit. Anschließend wurde die geänderte Vorlage beschlossen.
Damit ist die grundsätzliche Richtung festgelegt: Die südliche Münsterstraße soll zur Quartiersmitte mit mehr Raum für Fußgänger, weniger Verkehr und neuen Aufenthaltsqualitäten werden.
Die Debatte zeigt jedoch, dass viele Fragen offen bleiben – von der konkreten Ausgestaltung über die Erreichbarkeit bis hin zur Akzeptanz bei Gewerbe und Anwohnerschaft. Diese sollen in den kommenden Planungsphasen weiter diskutiert werden.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!
Mehr dazu auf Nordstadtblogger:
Kontroverse Diskussion in der BV über den Umbau zur „Quartiersmitte Münsterstraße“
Mehr Stadtraum, weniger Verkehrsraum: Stadt plant Umbau der südlichen Münsterstraße
Frust in der Nordstadt: Die Neugestaltung der Münsterstraße wird zu einem Dekadenprojekt
Veloroute 1: Radverkehr bekommt Vorfahrt im Nebennetz, Parkdruck bleibt zentrales Thema
Stadt prüft Gestaltungssatzungen für Häuser im südlichen Nordmarktquartier bis Herbst 2025

