
Mit breiter Mehrheit hat der Rat der Stadt Dortmund Christian Uhr für weitere acht Jahre zum Beigeordneten gewählt und ihn zugleich zum neuen Stadtdirektor bestellt. In dieser Funktion wird er Oberbürgermeister Alexander Kalouti künftig in allen Verwaltungsangelegenheiten vertreten. Die Entscheidung fiel in der Ratssitzung am 12. Februar 2026.
Mehr Verantwortung als allgemeiner Vertreter des Oberbürgermeisters
Mit dem Eintritt von Stadtdirektor Jörg Stüdemann in den Ruhestand zum 1. April 2026 stand die Neubesetzung des allgemeinen Vertreters des Oberbürgermeisters an. Der Rat folgte dem Vorschlag, Uhr diese Aufgabe zu übertragen. Ab dem 1. April 2026 wird sein Ressort zudem unter dem neuen Namen „Dezernat für Personal, Digitales und Verwaltungsmodernisierung“ geführt.

„Die Benennung zum Stadtdirektor heißt, dass ich der allgemeine Vertreter des Oberbürgermeisters in die Verwaltung hinein bin“, sagt er. „Nach außen vertreten ihn die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, intern übernehme er die Koordination.“
Er sehe es als seine Aufgabe an, „die Verwaltung für den Oberbürgermeister zu organisieren“ und strategisch weiterzuentwickeln. Die Umbenennung des Dezernats solle dabei helfen, Zukunftsthemen stärker zu bündeln, erläuterte Uhr Im Gespräch mit Nordstadtblogger. „Wir wollen diese Themen noch stärker in die Verwaltung bringen und nicht nur die Digitalisierung weiter vorantreiben, sondern auch die Verwaltungsmodernisierung insgesamt“, so Christian Uhr.
Digitalisierung und Reform als Daueraufgabe
Digitalisierung sei dabei nur ein Baustein. Modernisierung könne ebenso die Neuordnung, Zusammenlegung oder auch den Wegfall von Leistungen bedeuten, erklärt Uhr. Entwicklungen auf Bundes- und Landesebene müssten aufgegriffen und für Dortmund umgesetzt werden.

Als Beispiele nennt er Reformvorhaben, die Auswirkungen auf kommunale Leistungen wie das Wohngeld haben könnten, sowie die geplante Einführung der europäischen digitalen Brieftasche, der sogenannten EU-DI-Wallet. „Da werden wir uns auch in Dortmund aufstellen“, kündigt er an.
Seit dem 1. April 2018 ist Uhr Beigeordneter für Personal und Organisation. Zu seinem Verantwortungsbereich gehören das Dortmunder Systemhaus, das Personal- und Organisationsamt sowie das Betriebliche Arbeits- und Gesundheitsmanagement.
In seine erste Amtszeit fielen unter anderem die Einführung der E-Akte und die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes. Inzwischen werden mehr als 220 Leistungen digital angeboten, darunter auch das vollständig digitalisierte Baugenehmigungsverfahren.
Acht Jahre im Amt: „Ganz viel Kommunikation und Austausch“
Mit Blick auf seine bisherigen acht Jahre spricht Uhr von einer Zeit intensiver Begegnungen. „Es war ganz viel Kommunikation, ganz viel Austausch“, sagt er im Gespräch mit Nordstadtblogger.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit habe er eine Rundtour durch die gesamte Stadtverwaltung gemacht. Obwohl er die Verwaltung bereits gut gekannt habe, sei es ihm wichtig gewesen, „wirklich noch einmal alle Ecken kennenzulernen“.
Bis heute besucht er regelmäßig Ämter und sucht das Gespräch mit Beschäftigten. „Ich habe viele vertrauensvolle Gespräche geführt und viel Input für meine Arbeit bekommen. So wusste ich auch, wo der Schuh drückt.“
Vom Auszubildenden bis an die Verwaltungsspitze
Der 1973 in Dortmund geborene Diplom-Verwaltungswirt (FH) ist seit mehr als 30 Jahren in der Stadtverwaltung tätig. Seine Laufbahn begann er als Auszubildender. „Wenn man überlegt, dass ich hier vom Azubi bis zum Stadtdirektor komme, ist das schon etwas Besonderes“, sagt er.

In diesen drei Jahrzehnten habe sich die Verwaltung grundlegend verändert. Themen wie mobile Arbeit, flexible Arbeitszeiten oder moderne Führungsmodelle seien früher kaum vorstellbar gewesen. Heute gehe es darum, die Stadtverwaltung als attraktive Arbeitgeberin im Wettbewerb zu positionieren und auf die dynamische Arbeitswelt zu reagieren.
Klare Botschaft: Teamarbeit statt Alleingang
Als künftiger Stadtdirektor versteht Uhr sich als Koordinator im Verwaltungsvorstand. „Ich möchte da nicht wie ein Vorgesetzter agieren. Es wird ein Teamplay sein“, betont er. Seine Aufgabe sehe er darin, dem Oberbürgermeister „den Rücken freizuhalten“ und die Verwaltung nach innen zu organisieren.

Dazu gehöre es auch, bei Bedarf dezernatsübergreifend Entscheidungen zu treffen. „Klar muss man als Stadtdirektor auch mal über das eine oder andere Dezernat hinweg Entscheidungen treffen“, sagt Uhr. Zugleich wolle er diese Rolle gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Verwaltungsvorstands ausfüllen.
Parteipolitische Fragen spielten für ihn in dieser Funktion keine Rolle. Die Zusammenarbeit mit dem Oberbürgermeister sei professionell angelegt. „Das werden wir im Team im Verwaltungsvorstand tun – über Parteigrenzen hinweg“, so Uhr.
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