
Von Susanne Schulte
Wenn Georg Deventer eine Idee hat, ist davon auszugehen, dass diese irgendwann umgesetzt wird. Die Wintergalerie im ehemaligen Kaufhof-Gebäude mitten auf dem Westenhellweg ist ein Beispiel dafür. Als organisatorische Mitstreiterin hat er die Künstlerin Helga Hoicke an seiner Seite. „Eine Pop Up-Galerie hatten wir schon länger geplant.“ Zusammen mit vielen weiteren Aktiven füllten die beiden im vergangenen Dezember das Erdgeschoss des Hauses binnen zehn Tagen mit Kunst unterschiedlicher Art.
Auch die WERKstattARBEIT der AWO ist vertreten

Der Erfolg all dieser Bemühungen aller Akteur*innen ist werktäglich zu sehen – und zu lesen: Ins lange leerstehenden Gebäude kommen seit dem 15. Dezember des vergangenen Jahres viele Passant*innen rein.
Sie sehen sich die Arbeiten der mehr als 20 Künstler*innen an, kaufen das ein oder andere Werk und äußern sich lobend über diese Idee der Wintergalerie im Gästebuch, das ausliegt und angesichts der vielen Kommentare schon bald durch ein zweites ersetzt werden muss.

Deventer, der viele Jahre für die Arbeiterwohlfahrt die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit erledigt hat und auch als Rentner dem Wohlfahrtsverband eng verbunden ist, überzeugte dessen Geschäftsführung und den Vorstand davon, die Trägerschaft für das Projekt zu übernehmen.
Und da die AWO in ihrer Werkstatt in Lindenhorst auch ein Atelier betreibt, war es naheliegend, auch diese Mitarbeitende zu fragen, ob sie dabei sein wollten. Und sie wollten.
Alle Künstler*innen müssen wöchentlich drei bis vier Mal die Aufsicht übernehmen
So kamen zu den 17 Einzelkünstler*innen – neben Helga Hoicke weitere 16 Frauen und Männer, die sie angesprochen hat – auch die Schaffenden aus dem Atelier WERKstattArbeit dazu.

Voraussetzung für das Ausstellen in der Wintergalerie war die Bereitschaft, drei bis vier Schichten in der Woche die Aufsicht zu übernehmen. Und das ist für die Arbeitenden in der AWO-Werkstatt nicht immer einfach. Aber vier von ihnen sind immer dabei.
„Das war anfangs ein bisschen anstrengend, aber man gewöhnt sich daran“, sagt Robert Remmers. „Vor allem der Austausch mit den anderen Künstlern hat mir richtig gut gefallen.“ Seinem Kollegen Alexander Krause gefällt es, „wenn die Leute nachfragen und was zu unserer Arbeit wissen möchten“.
Die Postkarten der Lindenhorster Gruppe verkaufen sich besonders gut
Die Malerin Marion Weirauch hofft, dass die Wintergalerie-Gäste auch mal zur Lindenhorster Straße kommen und sich dort das Atelier und die Arbeiten ansehen. Denn das sei montags bis freitags immer möglich.

Jenny Girod-Rimkus, die vierte aus der Truppe, hat an diesem Tag keine Schicht, sei aber, so sagt die Gruppenleiterin Frauke Frohnert, genau so „stolz darauf, hier mitmachen zu können, mitten in der Innenstadt“.
Verkauft haben sie auch ganz gut. Einige Tonfiguren und das Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel in „Gothic-Ästhetik“, wie Krause es nennt, haben neue Besitzer*innen. Besonders gut gehen die Postkarten, von denen eine große Auswahl für viele Anlässe den Ständer füllt.
Weil es mit der Teilnahme der AWO-Gruppe so gut klappt, ist geplant, deren Werke auch im Oktober während der Kunstmesse ARTE in der Westfalenhalle zu präsentieren.
Um die Galerie im ehemaligen Kaufhof zu eröffnen, arbeiteten viele zusammen

Dass alles so gut lief und läuft, liegt an vielen Menschen. Deventer und Hoicke nutzten beide ihre Kontakte.
Hoicke bekam über den ihr bekannten Gebäudemanager und Freizeitkünstler Suat Karaca Zugang zum neuen Hauseigentümer Esat Turan, Deventer von der AWO-Geschäftsführung und dem Vorstand grünes Licht.
Der Wohlfahrtsverband übernahm die Trägerschaft der Wintergalerie. Nun waren Versicherungs- und Reinigungsfragen geklärt. Das Geld für die Nutzung – gerade verlängert bis Ende April, das Begleitprogramm aus Konzerten und Lesungen sowie die Honorare spendierten die Wirtschaftsförderung Dortmund, die Sparkasse, die Vereine Cityring und Qualitätsroute Dortmund. Die beiden Letztgenannten sind Zusammenschlüsse von Kaufleuten und Einzelhändler*innen der Stadt.
Werktägliche Öffnungszeiten sind von 10 bis 20 Uhr
Und alle habe ja auch nur Gutes von der Wintergalerie zu erwarten: die Künstler*innen ein großes Publikum und einige Verkäufe mehr als üblich, der Eigentümer und die Stadt ein gutes Image für die frühere Schangelecke, die Innenstadt-Kaufleute ein gutes Gesamtbild des Westenhellwegs und die AWO eine Bekanntheit abseits von Begegnungsstätten und Ortsvereinen.

Die Wintergalerie ist noch bis zum 30. April montags bis samstags von 10 bis 20 Uhr geöffnet – außer an Feiertagen. Der Eintritt ist kostenlos. Die Kunstwerke sind vor Ort zu kaufen.
Wer über Preise verhandeln möchte, muss das mit den jeweiligen Künstler*innen tun. Aber da ja alle Aufsichtsschichten übernehmen müssen, sind auch alle mehrmals in der Woche anzutreffen.
Klavierkonzert mit Versteigerung eines Bildes am Samstag

Wer am Samstag, 14. Februar, über Mittag noch nichts vorhat, kann sich um 13 Uhr ein Klavierkonzert in der Wintergalerie anhören. Dafür wird extra ein Tasteninstrument aus dem Konzerthaus geliefert, auf dem die beiden Pianisten spielen.
Während dieser Veranstaltung versteigern die Galerie-Organisator*innen ein Bild, das Felix Martin vor einigen Woche nach Vorgaben von Kindern gemalt hat. Der Erlös wird dem Netzwerk Roter Keil überwiesen, dessen Mitgliedsvereine sich für Kinderrechte und Kindeswohl einsetzen.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!


Reaktionen
Das Nordstadt-Erzählcafé trifft sich in der AWO-Wintergalerie im ehemaligen Kaufhof (PM)
Das von den Seniorenbeirät*innen der Nordstadt organisierte Erzählcafé im Keuninghaus trifft sich am Donnerstag, 19. März, in der Innenstadt vor dem ehemaligen Kaufhof, um sich dort durch die Wintergalerie führen zu lassen. Georg Deventer, einer der Organisatoren der Ausstellung, erzählt den Gästen alles über das Projekt. Treffpunkt ist um 14 Uhr vor dem Haupteingang Ecke Westenhellweg mit der Kolpingstraße. Die Teilnahme ist kostenlos. Wie immer gilt: Eine Anmeldung ist nicht nötig und alle, die mitkommen möchten, sind dazu herzlich eingeladen. Es ist geplant, zum Kaffeetrinken anschließend einzukehren. Wer vorher mehr wissen möchte, ruft Johannes Kirsch an, Telefon 0160-8545966.
Internationaler Tag gegen Rassismus: AWO lädt in die Wintergalerie ein (PM)
Die Dortmunder AWO setzt Zeichen zum Internationalen Tag gegen Rassismus: Am Samstag, 21. März 2026, beteiligt sich die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Dortmund mit einer Aktion in der Wintergalerie am Westenhellweg. Anlass ist der Internationale Tag gegen Rassismus, der in diesem Jahr unter dem Motto „100 % Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus“ steht.
Aktion in der Wintergalerie erinnert an Bedeutung der Menschenwürde
Mit der Veranstaltung ab 13.30 Uhr im ehemaligen Kaufhof-Gebäude will die AWO ein Zeichen für Menschenwürde und gegen Ausgrenzung setzen. Hintergrund ist die Botschaft, dass Menschenwürde überall dort gefährdet ist, wo Menschen abgewertet oder ungleich behandelt werden.
„Menschenwürde ist nicht einfach da, ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt die AWO-Vorsitzende Anja Butschkau. Sie entstehe durch tägliche Entscheidungen: „hinschauen, widersprechen und handeln“. Es brauche eine klare Haltung gegenüber Menschen, die andere ausgrenzen, verletzen oder benachteiligen. Diese Haltung gehöre seit den Anfängen zum Selbstverständnis der AWO.
Gedenktag erinnert an Ereignisse in Südafrika
Der Internationale Tag gegen Rassismus geht auf ein historisches Ereignis zurück. Am 21. März 1960 wurde im südafrikanischen Sharpeville eine friedliche Demonstration gegen die Apartheid gewaltsam niedergeschlagen.
Der Gedenktag erinnert seither an Diskriminierung und Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe oder ihres Glaubens und ruft dazu auf, sich aktiv dagegen einzusetzen.
100 % Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus (PM)
Mit einer ungewöhnlichen Kunst-Aktion machte die AWO zum Internationalen Tag gegen Rassismus am 21. März 2026 an der Wintergalerie mitten in der Dortmunder Innenstadt aufmerksam. Denn: „100 % Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus” – so das diesjährige Motto.
„Menschenwürde steht überall dort auf dem Spiel, wo ein Mensch abgewertet, ausgegrenzt oder ungleich behandelt wird. „Menschenwürde ist nicht einfach da, ist keine Selbstverständlichkeit“, so die AWO-Vorsitzende Anja Butschkau. Sie entsteht durch tägliche Entscheidungen von uns allen, von jedem und jeder von uns: hinschauen, widersprechen und handeln. Eine klare Haltung gegenüber denen, die andere ausgrenzen, verletzen und ungleich behandeln. Eine Haltung, der sich die AWO seit ihren Anfängen verschrieben hat.“
In ihrer Ansprache an die Anwesenden bei der Kunstaktion fand die AWO-Vorsitzende klare Worte. Schon seit den frühen Morgenstunden prangte in großen roten Lettern auf den vier riesigen Schaufenster-Scheiben am Westhellweg das „100 % Menschenwürde“.
In einer Umgebung in der üblicherweise 30 %, 50 % oder sogar 70 % Preisnachlässe angekündigt werden, verblüfften die 100 % so manchen Passanten – bis dann aber klar wurde, dass es die Forderung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) nach 100 % Menschenwürde ist. In der POP-UP-Galerie der AWO Dortmund standen mitten zwischen den Kunstwerken rund 80 rote Papiertaschen verteilt auf dem Boden und waren befüllt mit Informationsmaterial zum Thema Rassismus und zur AWO.
Der 21. März wird als Internationaler Tag gegen Rassismus begangen – als Erinnerung an ein Massaker in Sharpeville (Südafrika). 1960 wurde an diesem Tag eine friedliche Demonstration gegen das Gesetz der Apartheid in Südafrika blutig niedergeschlagen. Heute verweist der Tag jedes Jahr auf Diskriminierung wegen unterschiedlicher Hautfarbe oder Herkunft wie auch auf die Verfolgung und Benachteiligung von Menschen durch kulturelle Unterschiede oder verschiedene Glaubensrichtungen.
AWO-Wintergalerie geht in die Verlängerung (PM)
Eigentlich war die Laufzeit der AWO-Wintergalerie im ehemaligen Kaufhof auf dem Westenhellweg auf Ende März begrenzt. Für die vielen Besuchenden und auch für die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler gibt es nun eine gute Nachricht: Die Ausstellung geht in die Verlängerung – und zwar bis Ende Mai.
Selbst wenn dann lange kein Winter mehr sein wird, wird sich am Namen nichts ändern. Auch inhaltlich bleibt das Projektteam um Helga Hoicke und Georg Deventer dem bisherigen Erfolgskonzept treu: Dortmunder Kunstschaffende präsentieren ihre Werke im Wechsel und bieten diese an.
Viel wichtiger ist aber, dass mit der Wintergalerie ein Ort geschaffen wurde, an dem Menschen aufeinandertreffen und kulturelle Angebote wahrnehmen können – kostenlos, barrierefrei und damit zugänglich für alle. Seit Beginn wird die Ausstellung von begleitenden Veranstaltungen wie Lesungen oder Konzerten bereichert. Ein lebendiger Ort mit offenen Türen nach jahrelangem Leerstand und Verfall.
Die AWO freut es als Projektträgerin sehr, noch ein wenig länger auf Dortmunds prominentester Einkaufsmeile sichtbar und wirksam zu sein. Sie sieht sich seit jeher als Verband, der Menschen zusammenbringt und lebensbereichernde Angebote schafft. Die Pop-Up-Ausstellung ist ein gutes Beispiel dafür, dass dies auch außerhalb ihrer Begegnungsstätten gelingt. Geöffnet ist die Wintergalerie weiterhin montags bis Samstag zwischen 10:00 und 20:00 Uhr.