„Geteilte Welten – Dinge der Verbundenheit“: Wie in einem Paket Liebe transportiert werden kann

Jessica Rehrmann zeigt in ihrer Ausstellung Alltagsgegenstände

Initiator:innen im Austellungsraum
Die Kuratorin der Ausstellung Jessica Rehrmann (Volontärin im MKK) mit Dr. Christian Walda, kommissarischer Leiter des MKK. Foto: Kulturbetriebe Dortmund / Sabrina Richmann

Ein großer, heller Raum mit bunten, gemütlichen Sitzmöbeln, auf Podesten zur rechts und links sind die Ausstellungsstücke drappiert: Geöffnete, prall gefüllte Koffer und Pakete bieten Einblicke in ganz persönliche Geschichten. Diese Einblicke gibt Kuratorin Jessica Rehrmann in ihrer Ausstellung: „Geteilte Welten – Dinge der Verbundeheit“, die ab sofort in „Hans B“ in der Hansastraße 6 bis 12 zu sehen ist. Eine Ausstellung, in der es darum geht, wie Fürsorge über Ländergrenzen im Alltag gelebt wird – insbesondere in Familien mit Migationserfahrung.

Nutella,Vitamintabletten, Kinderschuhe – Leckeres und Nützliches für Empfänger:innen

Bunt gemischt ist der Inhalt dieser Pakete: So gemischt, wie die Vorlieben und Bedürfnisse der Menschen, die sie empfangen: Liegt in dem einen Paket das Nutella-Glas neben der Seife, oder eine Packung Brotaufstrich neben einem Röhrchen Multivitamin-Tabletten. so sind es im nächsten die  Schaumküsse und Kinderschuhe mit Spiderman-Aufdruck, die neben einer einer Hose und einem verpackten Fliegenfänger dem Betrachter ins Auge fallen. Eine  Auswahl von Dingen, die den Empfänger:innen der Pakete oder Kofferinhalte nicht nur nützlich sind, sondern auch die Verbundenheit der Familienmitglieder untereinander zeigen.

Die Gegenstände sind offensichtlich mit Liebe und Bedacht zusammengestellt und auch hier in der Ausstellung scheinen sie ein Gefühl von Wärme zu vermitteln, Wärme die mit diesen Paketinhalten an die geht, die viele Kilometer entfernt leben. Diese Verbundenheit innerhalb der Familien wird  beim Betrachter spürbar, wenn er versteht, wie diese Alltagsgegenstände für jeden einzelnen Empfänger einen individuellen, großen Wert haben.

Geöffneter Koffer im Austellungsraum
Phuong und Richard leben nach vielen Jahren in Deutschland wieder in Vietnam, bei ihren Besuchen reisen viele Dinge der Erinnerung in Koffern mit. Foto: Kulturbetriebe Dortmund / Sabrina Richmann

Über den Exponaten hängen jeweils Texte mit den Interviews, die Jessica Rehrmann mit den Migrant:innen geführt hat, die diese Koffer und Pakete mit Dingen, die „die materiellen Spuren von Nähe, Erinnerung und Fürsorge zeigen“, regelmäßig packen.

Die Interviewpartner:innen waren Richard und Phuong, Gilda, ihre Mutter Necy und ihre Schwester Ina sowie Hassan, die alle mit großer Offenheit einen Einblick in ihre persönliche Geschichte geben. Vermittelt wurden ihr die Interviewten über den „Heimathafen“ in Dortmund, als Rehrmann dort von Ihrem Vorhaben erzählte. ___STEADY_PAYWALL___

Die Idee zu dieser Ausstellung im Rahmen ihres Volontariats im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte war schnell gefunden, sagt Jessica Rehrmann lächelnd: „Ich wollte etwas Schönes zum Thema Migration machen, etwas, was auch mit meiner eigenen Geschichte zu tun hat.“ Denn ihre Mutter Necy stammt von den Philippinen, kam 1993 nach Warburg.

Jessica Rehrmann, die 1994 dort geboren wurde, erzählt: „Meine Mutter schickt jedes Jahr ein riesiges Paket zur Familie in die Heimat. Diese Pakete begeistern mich schon seit meiner Kindheit.“ Und nicht nur sie, auch ihre zwei Schwestern sind begeistert.  Letztes Jahr hat ihre 28-jährige Schwester Ina mitgemacht, sie hat ebenfalls ein Paket gepackt und auf die Reise  zu den Philippinen geschickt.

„Balikbayan-Boxen“ haben für philippinische Familien Tradition

Eine Tradition, die für viele philippinische Familien selbstverständlich ist: Große Pakete, „Balikbayan Box“ genannt, werden mit Lebensmitteln und anderen Alltagsgegenständen gefüllt an die Familienmitglieder geschickt wird.

Ein solches Paket, ähnlich dem, wie es ihre Mutter Necy jährlich packt, ist auch in der Ausstellung zu sehen. Er ist größer als ein Umzugskarton und gefüllt mit Kleidung, Lebensmitteln Süßigkeiten und Kosmetik. „Wenn es Angebote dieser Dinge gibt, kauft meine Mutter sie und sie landen dann in dem Paket“, so Rehrmann So kommt im Laufe eines Jahres einiges zusammen.

„Ein tolles Thema, dass gut zu unserer Ausstellung ,Konsum‘ im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte passt, die Ende Juni 2026 eröffnet wird“, findet auch Dr. Christian Walda,  kommissarischer Leiter des MKK.

Collagen zum Thema „Transnationale Fürsorge aus materieller Sicht“

In einem weiteren Ausstellungsraum sind Collagen aus unterschiedlichen Materialien zu sehen. Hier hängen auch Collagen von Jessicas Schwestern. Die Bilder sind in einem Workshop zur Ausstellung „Geteilte Welten“ mit der Künstlerin Marina Markgraf im Dezember 2025 als erste Annäherung an die Frage: „Wie kann „transnationale Fürsorge aus materieller Sicht aussehen“,entstanden sind.

Kuratorin packt ein Paket
Jessica Rehrmann packt selbst persönliche Dinge in die Boxen. Foto: Kulturbetriebe Dortmund / Sabrina Richmann

Die Besucher:innen erwartet hier eine außergewöhnliche Ausstellung, die möglicherweise in jedem Betrachter ganz eigene Erinnerung weckt. Eine Ausstellung, die Wärme, Überraschung, Freude aber auch eine gewisse Sehnsucht verströmt.

Sehnsucht nach der Familie und der Heimat, aber auch die Verbundenheit, die durch einen vermeintlichen Alltagsgegenstand übermittelt werden kann. Der Geruch einer Seife etwa, oder der Geschmack einer bestimmten Süßigkeit, die mit Sorgfalt und Liebe ausgewählt wurde.

Die Ausstellung „Geteilte Welten: Dinge der Verbundenheit“ findet vom 16. Januar bis 22. Februar 2026 in Hans B, (Hansastraße 6- 12) in Dortmund statt.

Gefördert wird die Ausstellung von Interkultur Ruhr und vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, ein Projekt im Rahmen von „KOMMEN BLEIBEN GEHEN – Kreative Projekte an temporären Orten“.

Mehr Informationen:

  • Öffnungszeiten: Mi und Do: 11 bis 20 Uhr, Fr, Sa und So: 11 bis 18 Uhr, Eintritt frei
  • Führungen: 25. Januar: 14 bis 15 Uhr; 4. Februar: 18 bis 19 Uhr; 18. Februar: 18 bis 19 Uhr (Anmeldung unter: jrehrmann@stadtdo.de)
  • Begleitprogramm: 17. Januar, 14 bis 17 Uhr: Storytelling-Workshop „Hast du schon gegessen?“ mit Kim Hà Tran & Michelle Phạm (MKK)
  • 7. Februar, 14 – 18 Uhr: Linol-Postkartenworkshop mit Lisa Fischer und Luis Felipe Düllberg (MKK)
  • 30. Januar, 18 – 20 Uhr: Kurzfilmscreening und Gespräch mit Lizza May David (MKK)

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

Unterstütze uns auf Steady

Reaktion schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert