Ratsbürgerentscheid: Wie alle Wahlberechtigten in kurzer Zeit ihre Abstimmungszettel bekamen

Olympia-Träume und Logistik-Krimis: Der Blick hinter die Kulissen

Mitarbeitende von der Deutschen Post und der Stadt Dortmund posieren mit Stimmzetteln.
Die Stadt Dortmund und die Deutsche Post haben sich eng abgestimmt, um in der kurzen Zeit alle Briefe zu verteilen. Von links nach rechts: Dirk Leibner (Deutsche Post), Norbert Dahmen (Stadt Dortmund), Sebastian Heinz (Deutsche Post), Daniel Djerdj (Deutsche Post), Benjamin Kramins (Stadt Dortmund). Foto: Fenja Horstmann für Nordstadtblogger.de

Im Dortmunder Kommunal Wahlbüro stapeln sich die gelben Postkisten bis unter die Decke. 440.000 Dortmunder:innen haben in den letzten Wochen wichtige Post erhalten. Gemeinsam mit den weiteren Bürger:innen der Region Köln und Ruhrgebiet stimmen sie bis zum 19. April 2026 darüber ab, ob sich die Region um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 bewerben soll. Dezernent Norbert Dahmen ist Abstimmungsleiter und hat sich mit der Deutschen Post ausgetauscht, wie die Prozesse rund um den Ratsbürgerentscheid abgelaufen sind.

Vier Mal so viele Unterlagen in drei Mal so wenig Zeit

Die Herausforderung war groß: 440.000 Briefwahlunterlagen mussten produziert und zeitgerecht zugestellt werden. Und das in kürzester Zeit. Die Dortmunder Satzung gibt für Ratsbürgerentscheide vor, dass vier Wochen vor der finalen Abstimmung alle Wahlberechtigten ihre Unterlagen erhalten sollen.

Norbert Dahmen und Benjamin Kramins im Porträt
Norbert Dahmen als Abstimmungsleiter (li.) und Benjamin Kramins als Wahlbüroleiter (re.) haben eng zusammengearbeitet. Foto: Fenja Horstmann für Nordstadtblogger.de

Für das Kommunale Wahlbüro bedeutete das: vier Mal so viele Abstimmungsunterlagen in drei Mal so wenig Zeit abzuschicken, wie sonst bei einer Kommunalwahl. Bei einer herkömmlichen Wahl entscheiden sich sonst nur rund ein Viertel der 440.000 Dortmunder Wahlberechtigten zur Briefwahl. Das Wahlbüro hat dann rund 25 Tage Zeit die Unterlagen zu versenden. Diesmal mussten jedoch an alle 440.000 Dortmunder:innen in acht bis neun Tagen die Zettel gedruckt, verpackt und zugestellt werden.

Eine Aufgabe, die mit sehr viel Druck verbunden ist, betont Benjamin Kramins, der Leiter des Kommunalen Wahlbüros. „Das war eine große Herausforderung alle beteiligten Firmen zu koordinieren, damit alles rechtzeitig raus kommt“, berichtet Kramins.

Blick auf die Trolleys im Lagerraum.
147 Trolleys stehen für die 147 Stadtbezirke Dortmunds. Die Auszählung wird von den Bezirken ausgehen. Foto: Fenja Horstmann für Nordstadtblogger.de

Täglich war er persönlich in der Druckerei „Datenpartner“ in Erkrath vor Ort. Anfänglich hatten sie technische Schwierigkeiten, wodurch sich der Druck gestaut habe. Durch den engen Austausch mit der Deutschen Post wurden an den letzten Tagen der Produktion und Auslieferung 70 bis 80 zusätzliche Postmitarbeiter:innen eingesetzt. „Wir kennen die Druckerei recht gut und es war auch nicht der erste Vorgang dieser Art. Auch die Deutsche Post hat uns gut unter die Arme gegriffen“, sagt der Leiter des Wahlbüros.

Dahmen ist glücklich über gute Zusammenarbeit

Letztendlich habe es sehr gut geklappt. Dahmen lobte die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und der Deutschen Post. „Was sie da wieder hingekriegt haben, das war eine absolute Punktlandung“, sagte Dahmen. „Gerade bei demokratischen Prozessen muss alles funktionieren.“

Der Niederlassungsleiter der Deutschen Post in Dortmund, Daniel Djerdj, verweist auf die Herausforderungen in der Zustellung. „Um alle Briefe rechtzeitig auszuliefern, mussten wir einige Prozesse im Briefzentrum anpassen und haben nochmal 70 Leute rangeholt, um alles ausliefern zu können“, erklärte Djerdj.

Dortmund als „Heimspiel“-Experte für Olympia

Kritische Stimmen, wie die Initiative „NOlympia“ – die sich gegen eine Austragung der Spiele stellen –, begleiten die Abstimmung über die Olympia-Bewerbung. Dahmen zeigt sich jedoch zuversichtlich und verweist auf die bewährte Infrastruktur. Dortmund ist in der Region als Austragungsstätte der olympischen Handball- und Fußballspiele vorgesehen.

Norbert Dahmen hält einen Stimmzettel hoch.
Am Sonntag, 19. April, werden die Stimmzettel in den Westfalenhallen ausgezählt. Foto: Fenja Horstmann für Nordstadtblogger.de

Der Dezernent sieht Dortmund bestens gerüstet, da die Stadt Großereignisse gut kennt: „Wir sind es jeden zweiten Samstag gewohnt 80.000 oder 100.000 Menschen in der Stadt zu bewegen“, so Dahmen mit Blick auf die Heimspiele des BVB im Signal Iduna Park. Auch die Westfalenhalle mit ihren 15.000 Plätzen sei für Wettbewerbe, wie Handball, bereits Routine. Für Dahmen ist die Bewerbung eine Vision, die das Image des gesamten Ruhrgebiets aufwerten könnte. Die Fußball-Europameisterschaft habe 2024 bewiesen, was für einen Effekt ein Großturnier für die Menschen in Dortmund haben könnte.

Bisher sind 115.000 Stimmen zurück ins Wahlbüro gekommen. Die vorläufige Abstimmungsbeteiligung liegt derzeit bei etwa 26 Prozent. Damit der Entscheid Erfolg hat, müssen nicht nur die Mehrheit, sondern mindestens 10 Prozent aller Wahlberechtigten mit „Ja“ stimmen. In Dortmund wären das 44.000 Menschen.

Damit alle Stimmen berücksichtigt werden können, müssen diese spätestens drei Werktage vor dem Abstimmungssonntag, als bis zum 16. April, postalisch auf den Weg gebracht werden.


Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

Unterstütze uns auf Steady

 Mehr dazu auf Nordstadtblogger:

Dortmund als Austragungsort für Olympia?

NOlympia: Die Kehrseite der Medaille oder: Argumente gegen eine Olympia-Teilnahme

Reaktion schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert