„Öffentlichkeit entsteht aus der Beziehungen zwischen Orten, Menschen und Bewegungen.“

Künstler Mischa Kuball stellt im Stadtraum und Baukunstarchiv aus

Zunächst mitten in der Stadt – dann im Baukunstarchiv am Ostwall: Mischa Kuball präsentiert seine Arbeiten unter dem Titel „public preposition/under construction“ vom 15. Januar bis 22. März 2026. Daniela Berglehn | Nordstadtblogger

Bauzäune in der Innenstadt versperren den Weg und den Blick, stehen mal länger und mal kürzer rum, sind eher Ärgernis als willkommen – oder etwa nicht? Ab dem 7. Januar 2026 können Dortmunder:innen dazu neue Perspektiven gewinnen. Der Künstler Mischa Kuball realisiert in der City drei Arbeiten mit und an Bauzäunen und überführt sie anschließend in eine Ausstellung ins Baukunstarchiv.

„Es ist ein Versuch in den öffentlichen Raum hineinzuwirken.“

Unter dem Titel „public preposition“ arbeitet der Düsseldorfer Künstler Mischa Kuball bereits seit über fünfzehn Jahren zum Thema „öffentlicher Raum“. Kuball (geb. 1959) ist Konzeptkünstler, Medienkünstler, erhielt 2016 den Deutschen Lichtkunstpreis und lehrt seit 2007 an der Kunsthochschule für Medien in Köln.

Mischa Kuball, Medienkünstler Daniela Berglehn | Nordstadtblogger

Egal ob Intervention, Projekt oder Lichtkunstwerk – sozio-kulturelle und politische Aspekte sind genauso Bestandteil seiner Arbeit wie die Auseinandersetzung mit Stadtplanung und Architektur.

Für Kuball bedeutet der Titel „public preposition“ so viel wie „etwas anlehnen“, „etwas zur Seite stellen“. Wenn er seine Arbeiten in den Stadtraum bringt, sieht er dies „als Versuch in den öffentlichen Raum hineinzuwirken.“ ___STEADY_PAYWALL___

Hier kommen in Dortmund nun auch die Bauzäune ins Spiel. Für Kuball sind diese Gitter mit vielfältigen Assoziationen verbunden: „Sie drücken in sich schon eine besondere Ambivalenz aus. Zum Beispiel: Hier entsteht etwas Neues, oder hier ist etwas reparaturbedürftig, oder hier ist etwas schon sehr lange in Arbeit, aber es kommt nicht voran.“

Von Dortmund bis Christchurch – wem gehört der öffentliche Raum?

Für seine Präsentation hat sich Kuball zunächst drei markante Standorte in der City ausgesucht. Einer davon ist oberhalb der Katharinen-Treppen, wo später auch einmal das Denkmal für die Gastarbeiter entstehen soll. Der Ort ist bewußt gewählt, denn Fragen wie „Wem gehört der öffentliche Raum? Wer nutzt ihn und wer ist dort repräsentiert?“ beschäftigen auch Kuball.

Simulation „public preposition“ oberhalb der Katharinen-Treppen Daniela Berglehn | Nordstadtblogger

Die Bauzaun-Objekte werden jeweils mit Bannern verkleidet sein und unterschiedliche Themen ansprechen. Nach einer Woche wandern sie dann ins Baukunstarchiv NRW am Ostwall. Hier werden sie um weitere Banner und Videoprojektionen ergänzt, die internationale Projekte aus der Serie zeigen.

QR-Codes verweisen dann auch auf Bild- und Textinhalte aus anderen Städten – beispielsweise Marl, Graz und Christchurch in Neuseeland.

Wechsel in den Innenraum bringt neue Perspektiven mit sich

Simulation „public preposition“ am Stadthaus Daniela Berglehn | Nordstadtblogger

Der Wechsel vom Stadtraum in den eher musealen Raum des Baukunstarchivs ist für Kuball ein wichtiger, konzeptioneller Schritt im Projekt. Draußen wird anders über die Objekte nachgedacht, das Erleben ist ein anderes als im Innenraum des Archivs.

Was ist Privat? Was ist öffentlich? Wo ist die Grenze? Für Kuball sind es verschiedene Formen der Bewegung, die hier zum Ausdruck kommen: „Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Öffentlichkeit kein statischer Zustand ist, sondern sich aus Beziehungen zwischen Orten, Menschen und Bewegungen formt“, so der Künstler im Dezember in einem Interview bei kulturkenner.de

Eröffnung im Baukunstarchiv ist auch performativer Akt

Und auch die Ausstellung selbst ist nicht statisch, sondern als fortlaufender Prozess angelegt. Während die oberen Zaunelemente aufgrund technischer Anforderungen bereits vor der Eröffnung am 15. Januar 2026 gestaltet sind, bleiben die unteren Teile zunächst leer.

Simulation „public preposition“ auf dem Westenhellweg Daniela Berglehn | Nordstadtblogger

Sie werden dann Stück für Stück über die gesamte Laufzeit bearbeitet und sollen den fortwährenden Charakter des Projekts sichtbar machen. Studierenden der Fachhochschule Dortmund – unter der Leitung von FH-Professor Achim Mohné – unterstützen diesen performativen Prozess.

Ein Symposium zur Rolle der Kunst im öffentlichen Raum wird die Fragestellungen Kuballs und weiterer Künstler:innen, Architekt:innen und Stadtplaner:innen dann vertiefen. Es findet am 6. März 2026 in Zusammenarbeit mit dem Ressort Kunst im öffentlichen Raum, Kulturbetriebe Dortmund statt.

  • Mischa Kuball, under construction/public preposition
  • 7. bis 14. Januar 2026 an drei Orten in der Dortmunder City
  • 15. Januar bis 22. März 2026 im Baukunstarchiv NRW(Eröffnung: 15. Januar 2026, 19 Uhr)

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