Minigolf im Museum: Auf Trümmerbahnen zwischen Familienspaß und Stadtplanung

„Zurück zum Beton“ im Dortmunder U - Eröffnung am 19. April

MO-Direktorin Regina Selter, Kuratorin Stefanie Weißhorn-Ponert und Künstlerin Ina Weber (v.l.) an der eigens für Dortmund gestalteten Bahn mit dem Gesundheitshaus. Die Ausstellung „Zurück zum Beton – Ina Webers Trümmerbahnen-Minigolf“ läuft bis zum 7.Juni im Museum Ostwall im Dortmunder U. Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Spielen im Museum? Im Dortmunder U geht auch das. Das Museum Ostwall (MO) setzt auf Bürgernähe, Aktionen und Vermittlung und lädt ab sofort zum Minigolf ein. Die Kunst kommt dabei nicht zu kurz: Künstlerin Ina Weber hat einen ganz besonderen Parcours gestaltet, der sich spielerisch erobern lässt und neue Blickwinkel auf Stadtplanung und Architekturgeschichte eröffnet.

„Ein Parcours, um über urbane Architekturen nachzudenken.“

Ein kleiner Kiosk empfängt die Besucher:innen auf der 4. Etage des Dortmunder U, gestaltet in einer Art Bauhaus-Design: geschwungenes Dach, kreisrunde Fenster, die Farben Blau, Rot und Gelb setzen Akzente. Ina Weber hat ihn für die Ausstellung entworfen, das Museumsteam hat ihn gebaut. „Es hat viel Spaß gemacht, alle hatten Lust auf das Projekt“, erzählt die Künstlerin und das man merkt man der Ausstellung auch an. Alles ist liebevoll bis ins Detail gestaltet: Am Kiosk gibt es Minigolf-Schläger in verschiedenen Größen, Bälle und Spielkarten, die Kinder können Schnuckertüten basteln.

Künstlerin Ina Weber im kleinen „Bauhaus“-Kiosk: Hier gibt es Schläger und Spielkarten. Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Seit 2004 ist Weber mit dem „Trümmerbahnen Minigolf“ unterwegs, es ist ihre am häufigsten gezeigte Arbeit. Was bringt eine Professorin für Bildhauerei an der Berliner Universität der Künste zum Minigolf? Weber lacht: „Ich mag Minigolf. Es ist die demokratische Variante des Golf. Und es birgt Erinnerungen. Viele Menschen können daran anknüpfen und ich nutze den Parcours, um über urbane Architekturen nachzudenken.“___STEADY_PAYWALL___

Insgesamt gibt es zwölf Bahnen, deren Hindernisse aus fiktiven Gebäuden bestehen. Es sind Versatzstücke verschiedener Architekturen – man erkennt Elemente einer Kirche, einer Fabrik oder auch einer Tankstelle. Und während man also versucht, das Runde ins Runde zu bekommen, fragt man sich auch unweigerlich, um welche Gebäude es sich hier wohl handelt und woran sie erinnern.

Das Dortmunder Gesundheitshaus als Beispiel für Transformation

Ein Gebäude dürften Dortmunder:innen schnell erkennen: Eigens für die Ausstellung entstand eine neue Bahn, auf der (Spoiler!) das Gesundheitshaus umspielt werden muss. Gebaut von 1956-1961 von Architekt Willi Schwarz gilt es als Ikone der Moderne. Die farbenfrohe Gestaltung, die kreisrunden Ausschnitte im Dach – sie haben auch die Künstlerin zu einer eigenen, neuen Bahn für die Dortmunder Ausstellung inspiriert.

Das Dortmunder Gesundheitshaus: eine Bau-Ikone als Minigolf-Hindernis. Stadt Dortmund / Roland Gorecki

„Das Haus hat viele Transformationen hinter sich“, weiß Weber und das sei häufig so, gerade bei der Nachkriegsarchitektur. „Etwas verliert seine Funktion, der Nutzen ändert sich oder auch das ästhetische Empfinden“, so Weber.

Was einmal schön war, finden andere Generation häßlich, aber es besteht immer auch die Chance auf Wiederentdeckung. Dieser „Wandel der Lesarten“ interessiert die Künstlerin und auch darüber lohnt es sich beim Golfen in der Ausstellung nachzudenken.

Der Begriff der Trümmerbahnen verweist auf die Geschichte des Zweiten Weltkriegs, als es darum ging den Schutt aus den Städten zu schaffen und den Wiederaufbau zu ermöglichen. Etwas ist zerstört, vieles unwiederbringlich Vergangenheit – sind Trümmer nicht traurig? „Alles darf hier seinen Platz haben“, sagt Weber. „Ruinen stimmen melancholisch, aber es muss ja auch Raum für Neues geben.“

Einladung zum Spielen und zum Nachdenken

Zwei Sommer lang war der eigenwillige Parcours auf dem Dach der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen und es ist überhaupt erst das zweite Mal, dass er im Innenraum zu erleben ist. Das Wetter und die großen und kleinen Golfer:innen haben ihre Spuren am Beton und an den kleinen Architekturjuwelen hinterlassen. Es wird das letzte Mal sein, dass sie gezeigt und umspielt werden können: „Sie hier jetzt noch einmal Indoor präsentieren zu können, hat eine ganz eigene Qualität“, freut sich Weber.

Installationsansicht MO im Dortmunder U Foto: Sarah Ruholl

Mittels Videoprojektionen wird eine Parkumgebung zitiert, Sitzgelegenheiten laden zur Pause ein. Wer nicht selber spielen will, kann zwischen den 12 Bahnen flanieren und sie insgesamt als Skulptur begreifen.

Es ist eine Ausstellung für alle Generationen, für Familien mit Lust auf eine ungewöhnliche Runde Minigolf, aber auch für Architekturfans, die sich mit Fragen des städtischen Wandels auseinandersetzen wollen.

„Wir knüpfen damit an eine Reihe familienfreundlicher, interaktiver Ausstellungen an und laden zum Erleben und Entdecken ein“, so MO-Direktorin Regina Selter. Dem steht nichts im Wege: Der Eintritt ist frei.

Auf einen Blick

  • Zurück zum Beton: Ina Webers Trümmerbahnen-Minigolf
  • Museum Ostwall im Dortmunder U, Ebene 4
  • Eröffnung Sonntag, 19. April, 11:30 Uhr
  • 19. April bis 7. Juni 2026
  • Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So und an Feiertagen 11 bis 18 Uhr, Do und Fr 11 bis 20 Uhr
  • Eintritt frei
  • Weitere Infos zum Programm auf der Website des Dortmunder U

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

Unterstütze uns auf Steady

Reaktion schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert