
Die Stadt will die südliche Münsterstraße grundlegend umgestalten. Radfahrer:innen und Fußgänger:innen sollen dabei mehr Raum bekommen. Rund um die St. Joseph Kirche soll die bestehende Fußgängerzone deutlich vergrößert werden. Auch neue Verkehrsregeln sind geplant. Der Rat der Stadt soll im März über die Grundrichtung entscheiden. Oberbürgermeister Alexander Kalouti verspricht ein zügiges Tempo.
Fußgängerzone rund um St. Joseph Kirche soll ausgebaut werden
Grundlage ist eine Verkehrsuntersuchung die für den Straßenabschnitt zwischen Burgtor und Mehmet-Kubaşık-Platz durchgeführt wurde. Fachleute des Planungsbüros Planersocietät haben dafür den Verkehr gezählt, beobachtet und Menschen vor Ort befragt. Ziel war es, eine neue Verkehrsführung für die Straße zu entwickeln.

Im Mittelpunkt der Vorschläge steht eine erweiterte Fußgängerzone rund um die Kirche St. Joseph. Der Bereich soll künftig bis zur Kielstraße im Süden und bis zur Lambachstraße im Norden reichen. Auch die Priorstraße bis zur Zimmerstraße und ein Teil der Heroldstraße sollen Teil der Fußgängerzone werden.
Weiter nördlich soll zwischen Westhoffstraße und Mallinckrodtstraße eine zusätzliche kleine Fußgängerzone entstehen. Die Bereiche sollen für Lieferverkehr und Anlieger weiterhin nutzbar bleiben. Allerdings sollen Lieferungen nun feste Zeitfenster gelten. Radfahrer:innen dürfen die Fußgängerbereiche ebenfalls nutzen, müssen aber entsprechend Rücksicht nehmen.
Autos sollen eine neue Verkehrsführung bekommen – Parkplätze fallen weg
Auch der Autoverkehr soll neu organisiert werden. So ist geplant, dass einige Abschnitte der Münsterstraße zu Einbahnstraßen werden. Zwischen Heiligegartenstraße und Kielstraße sollen Autos künftig nur noch in Richtung Süden fahren. Zwischen Lambachstraße und Heckenstraße wird die Fahrtrichtung umgekehrt.

Auch in den Nebenstraßen ändern sich die Regeln. Die Kielstraße und die Lambachstraße sollen zwischen Münsterstraße und Nordstraße nur noch von Osten nach Westen befahrbar sein. Radfahrer:innen dürfen alle Einbahnstraßen aber weiterhin in beide Richtungen nutzen.
Mit der neuen Aufteilung des Straßenraums fallen Parkplätze weg. Auf der Münsterstraße sollen 38 der bisher 58 Stellplätze entfallen. In der Priorstraße und der Heroldstraße entfallen weitere 30 Stellplätze. Als Alternative nennt die Stadt die Tiefgarage am Dietrich-Keuning-Haus. Diese sei bislang nicht ausgelastet.
Stadt will Nutzungskonflikte entschärfen – Mehr Fläche für Menschen
Die Untersuchung zeigt aus Sicht der Stadt mehrere Probleme im heutigen Straßenraum: Autos nehmen derzeit den größten Teil der Fläche ein. Gleichzeitig sind viele Menschen zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Hinzu kommt häufiges Falschparken und zugeparkte Gehwege.

Mit dem neuen Konzept will die Stadt dem entgegenwirken. „Wir wollen mehr Stadtraum und weniger Verkehrsraum“, erklärt Planungsdezernent Stefan Szuggat. Das solle die Aufenthaltsqualität verbessern und auch die Geschäfte stärken.
Heute sei der Raum stark versiegelt und wirke „sehr steinern“. Aus diesem Grund sind mehr Grünflächen und zusätzliche Bäume eingeplant. Auch Außengastronomie und Sitzgelegenheiten sollen mehr Platz bekommen.
Unterschiedliche Wünsche aus dem Quartier: Mittlere Variante angepeilt
Bei Befragungen zeigten sich unterschiedliche Erwartungen. Viele Gewerbetreibende wünschten sich nur wenige Änderungen. Anwohner:innen und Besucher:innen sprachen sich dagegen häufiger für mehr Aufenthaltsqualität und größere Veränderungen aus.
Die Gutachter:innen entwickelten deshalb vier Varianten für die Zukunft der Straße. Sie reichen von kleineren Anpassungen bis zu einer durchgehenden Fußgängerzone.
Die Fachleute und die Stadt empfehlen eine mittlere Lösung. Sie trägt den Namen „Quartiersmitte Münsterstraße“. Diese Variante verbindet größere Fußgängerbereiche mit weiterhin möglichen Verkehrsverbindungen.
Planungen laufen an – Bau frühestens ab 2029
Der Ratsbeschluss im März soll zunächst nur die Richtung festlegen. Danach beginnen detaillierte Planungen. Die gestalterischen Planungen sind bereits Anfang 2026 gestartet. Dafür sollen im Laufe des Jahres verschiedene Beteiligungsformate stattfinden.

Die Planung stützt sich neben der Verkehrsuntersuchung auch auf Ergebnisse eines Werkstattverfahrens aus dem Jahr 2021 und auf neue Klima- und Freiraumkonzepte für die Nordstadt. Dieses steht unter dem Motto „Nordstadt planen – grüner, kühler, schöner“.
Die Planungskosten für die Umgestaltung der Münsterstraße liegen nach Angaben der Stadt bei rund 1,2 Millionen Euro. Rund 70 Prozent davon kommen aus der Städtebauförderung von Bund und Land. Mit Bauarbeiten rechnet die Stadt frühestens ab 2029.
Auch private Gelder sollen fließen – Oberbürgermeister verspricht zügiges Tempo
Die Stadt setzt darauf, dass auch private Eigentümer in das Viertel investieren. Seit Januar 2025 gilt deshalb das städtebauliche Sanierungsgebiet „Südliches Nordmarktquartier“. Außerdem prüft die Stadt Gestaltungs- und Erhaltungssatzungen für das Gebiet.

Neue Impulse erwartet die Stadt auch durch ein großes Bauprojekt am Burgtor. Dort soll ein neues Gebäude mit Polizeiwache, Discounter, Gewerbeeinheiten, Büros und Wohnungen entstehen. Als wichtiger Partner im Quartier gilt außerdem die IG Münsterstraße. In der Interessengemeinschaft haben sich Gewerbetreibende und Eigentümer zusammengeschlossen.
Oberbürgermeister Alexander Kalouti sieht in dem Projekt auch ein Signal für schnellere Planungsprozesse. „Wir müssen schneller werden, wir wollen schneller werden“, bekräftigt er. „Und was die Münsterstraße angeht, werden wir zeigen, dass wir das hinkriegen.“
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Reaktionen
Udo Stailer
Die Politik führt einen Krieg gegen das Auto.
68 Parkplätze sollen ersatzlos wegfallen.
Straßen werden zu Einbahnstraßen.
Bestehende Probleme („Hinzu kommt häufiges Falschparken und zugeparkte Gehwege.“) werden sich so garantiert nicht reduzieren.