Engagement für Demokratie: Die Omas gegen Rechts sind nicht viele, aber nie zu übersehen

Die Dortmunder Gruppe hat sich im August als Verein gegründet

Eine Gruppe von Frauen steht in zwei Reihen vor dem Rathaus und hält Schilder und Transparente in den Händen.
Haben immer gute Ideen: die Omas gegen Rechts. Dieses Mal stabilisieren Teppichklopfer ihre Plakate, die zum demokratischen Handeln mahnen. Foto: Susanne Schulte

Für einen kleinen Verein haben viele Dortmunder:innen große Sympathie: Wo immer die Omas gegen Rechts ihren Stand aufbauen und ihre Buttons verteilen, ihre Plakate hochhalten und ihre selbst getexteten Lieder nach bekannten Melodien anstimmen, erhalten sie Zuspruch, Lob und Geld. Während der Mahnwache vor dem Rathaus, bevor die konstituierende Ratssitzung begann, machten Mitglieder der demokratischen Fraktionen des neu gewählten Gremiums Selfies von sich und den Frauen. Auch Matthias Helferich von der AfD sieht sich gerne auf Fotos mit den engagierten Dortmunderinnen, die ihm aber, so sie es mitbekommen, den Rücken zudrehen. Denn, so die Omas gegen Rechts in einem Appel an die Demokrat:innen im Rat: „Diese Partei ist zwar demokratisch gewählt, doch sie will die Demokratie und das friedliche Zusammenleben zerstören.“

Bei vielen Festen im Einsatz – mit Stand und Chor

Weil das selbst Wähler:innen dieser Partei und Anhänger:innen anderer populistischer und nationalistischer Vereinigungen nicht immer klar scheint, klären die Frauen auf, nachdem sie sich selbst schlau gemacht haben.

Gruppe von Frauen vor Mikrofonen
Die Frauen des Vereins Omas gegen Rechts stehen auch mit ihrem Chor für Demokratie auf der Bühne. Sie singen umgedichtete Protestsongs wie „Bella Ciao“ und „Keiner schiebt uns weg“. Foto: Susanne Schulte

Sie lesen Parteiprogramme und Flugblätter, recherchieren in sozialen Medien und auf Internetseiten, und reden dann mit den Besucher:innen von Demokratie- und Stadtteilfesten, informierten Gesprächspartner:innen vor der Bundestags- und vor der Kommunalwahl über die Ziele der rechtsextremen Parteien und Gruppierungen.

Das ist viel Arbeit. „Alt sein heißt nicht stumm sein! Wir setzen uns für eine freie, demokratische, rechtsstaatliche Gesellschaft ein“, steht dazu auf der Seite der Omas gegen Rechts. Denn ihre Generation sei die letzte, deren Eltern und Großeltern, Onkel und Tanten die Zeit des Nationalsozialismus selbst erlebt hätten und davon berichten konnten. Somit seien sie die letzten Ohrenzeug:innen, wie es eine Frau auf der vergangenen Plenumssitzung im Dezember sagte.

Nach der Bundestagswahl verdoppelte sich die Zahl der Aktiven

Seit sich die Dortmunder Gruppe im April 2024 zusammenfand, hat sich viel getan. Nach der Bundestagswahl im Februar 2025 verdoppelte sich die Zahl der Aktiven auf gut 80. Und im August gründete man den Verein. ___STEADY_PAYWALL___

Zwei Frauen stehen auf der Rathaustreppe
Brigitte Christiansen (l.), Vorsitzende des Vereins Omas gegen Rechts, und Fatma Karacakurtoglu von den Linken, lassen sich gerne gemeinsam ablichten. Foto: Susanne Schulte

Vorsitzende sind Brigitte Christiansen und Karin Kesten. Nicht alle Frauen gingen den Weg in den Verein mit. Diese sind jetzt aktiv in der Dorstfelder Gruppe der Omas gegen Rechts.

Bei vielen Veranstaltungen sehen sie sich jedoch alle wieder. Wie bei den Mahnwachen vor dem Rathaus im November. Ein wichtiger Grund für die Vereinsgründung, so Brigitte Christiansen, war das Geld. „Man kann keiner Frau zumuten, die Beiträge und die Spenden auf ihrem privatem Konto zu verwalten.“

Monatliche Plenumssitzungen und Vernetzungsarbeit

In der Dezember-Sitzung legten die 25 Anwesenden ihren Monatsobulus zum letzten Mal bar in die Brotdose, die als Kasse diente. Nach Neujahr wird sich das ändern. Dann wird aufs Vereinskonto überwiesen. Die Tagesordnung der Plenumszusammenkünfte ist nicht lang, aber es gibt viel zu bereden.

Vier Frauen stehen vor einem Stand der Omas gegen Rechts
Mit Flyern und Buttons werben die Frauen für die Demokratie oder besser: für deren Erhalt. Foto: Susanne Schulte

Rückblick auf die vergangenen vier Wochen, Organisatorisches, Teilnahme an den vielen Arbeitsgruppen von Öffentlichkeitsarbeit über Singen gegen Rechts bis zu Finanzen, Bildung und Frauenpower und Feminismus. Jede Frau hat etwas zu sagen, jede ist aktiv.

Die einen organisieren die Stände samt Besetzung, die anderen kümmern sich um einen Theaterbesuch, weitere gehen in Grundschulen, um dort mit den Mädchen und Jungen über Demokratie zu reden. Und die Vernetzungsarbeit ist auch nicht zu vernachlässigen. „Die Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Frauenverbände hat uns gefragt, ob wir beitreten möchten“, informieren die Frauen vom Vorstandstisch.

Opas können am Stand stehen, aber keine Mitglieder werden

In 2026 wollen die Omas gegen Rechts ihren stets gut besuchten Stand möglichst häufig in ganz Dortmund aufbauen. Jetzt legen sie eine Liste an mit Veranstaltungen in den Stadtteilen an, die sie nicht verpassen wollen. Und die kann lang werden. Unterstützung nehmen sie gerne an – von Frauen und von Männern. Letztere können jedoch keine Mitglieder werden. Der Tipp der Omas: eine Opa-Gruppe zu gründen.

Lesenswerter Text zu Parallelen des NSDAP-Aufstiegs:

  • Wenn die Frauen in Sachen Demokratie unterwegs sind, haben sie stets ihre Buttons mit Sprüchen wie „Mit grauen Haaren gegen braune Gedanken“ oder „Der Mensch ist ein Naturprodukt – farbliche Unterschiede sind erwünscht“ zum Verteilen dabei sowie seit Kurzem eine Visitenkarte mit einem QR-Code, der auf eine Textseite führt, die die Parallelen des Aufstiegs der NSDAP und der AfD sichtbar macht – die realen bisher, die möglichen ab 2027. Auch ohne QR-Code zu lesen – hier ist der Link zu dieser Seite: datajournal.org/schon-wieder.
  • Frauen, Omas oder nicht, die auch ihre Stimme „zu den Problemen und Fragestellungen der heutigen Zeit“ erheben wollen, wie es in einem Flyer heißt, schreiben an omas.gegen.rechts-dortmund@gmx.de und erhalten dann mehr Information zu Treffen und Vorhaben des Vereins.

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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