
Dass sich die Dortmunder Grünen für das Jahr 2026 kämpferisch aufstellen und ihr selbsternanntes Image der „netten Grünen” ablegen wollen, war schon auf der Jahreshauptversammlung im Januar zu vernehmen. Den Grünen-Neujahrsempfang am vergangenen Sonntag könnte man nun als Ausdruck dieser neuen Ausrichtung verstehen. Opulenter und ein Stück weit „magischer” als in den vergangenen Jahren wurden Gäste aus Partei, Politik, Initiativen und Vereinen zum feierlichen Auftakt in das „Magic Loft“ in Oespel eingeladen.
Neujahrsempfang steht unter dem Motto Ehrenamt und Engagement
Unter dem Motto „Ehrenamt und Engagement“ führten die Kreisvorsitzenden von „Bündnis 90/ Die Grünen“ Marek Paul Kirschniok und Hannah Rosenbaum durch das Programm. Für die Grünen soll es mitunter das Thema für 2026 werden.

Im Zuge des wichtigen Wahljahres 2025 mit Bundestag- und Kommunalwahl konnten die Dortmunder Grünen einen starken Mitgliederanstieg verzeichnen. Heute zählt der Kreisverband rund 1140 Mitglieder:innen, zuvor waren es noch 600 bis 700. Nun heißt es, so die Parteispitzen, für die Partei die Neuankömmlinge mitzunehmen und einzubinden.
Aber auch jenseits der Partei möchten die Grünen Wertschätzung auszudrücken. Gegenüber denjenigen Menschen aus Vereinen und Initiativen, die die Stadt Dortmund zusammenhalten, so Rosenbaum. Das Engagement der Gesellschaft sei die „Grundlage für gelebte Demokratie”, wie sie es ausdrückt.
Ehrenamtliche aus Vereinen und Initiativen kommen zu Wort
Eben jene Engagierte aus der Gesellschaft bekommen beim Neujahrsempfang eine Bühne. Britta Gövert (Bündnis 90/ Die Grünen), Kathi Bach und Rafael Reis sprechen über ihre Erfahrungen im Engagement. Für Gövert, die dritte Bürgermeisterin Dortmunds, sind es die Besuche bei und Gespräche mit den Menschen, die das Ehrenamt in der Lokalpolitik ausmachen.

Kathi Bach erzählt von ihrem Engagement im Verein „Grenzenlose Wärme”, die Waren weltweit in Krisengebiete verschicken. Sie möchte zudem an die Politik appellieren, ehrenamtliche Hilfe nicht zu hemmen und Möglichkeiten zur Finanzierung nicht im Weg zu stehen.
Für Rafael Reis von „Fridays For Future“ Dortmund ist es keine Option aufzugeben, auch wenn seine Initiative seit ihrem Hoch 2019 nicht mehr so stark im Mittelpunkt steht. Im Gegenteil. „Die politischen Bewegungen weltweit motiviert uns erst recht, auf die Straße zu gehen”, sagt Reis. Zudem erfahren sie Wirksamkeit, beispielsweise in Bewegungen in der Verkehrsinfrastruktur.
Redner:innen nehmen Bezug auf aktuelle politische Thematiken
Der Grünen-Landtagsabgeordnete Michael Röls fährt in seiner Rede den politischen Ellenbogen aus. Auch gegen die CDU, mit denen die Grünen auf Landesebene eine Koalition bilden.

Er hält fest, dass Engagement besonders in den Zeiten gewürdigt werden müsse, in denen die Debatte über Produktivität von Arbeitnehmer:innen von Seiten der CDU entfacht wird. Röls appelliert an die CDU bezüglich Produktivität sich erstmal an die eigene Nase zu fassen.
Außerdem möchte Röls den öffentlichen Druck auf infrastrukturelle Investitionen erhöhen und bringt hierfür eine Bewerbung auf die Ausrichtung von Olympischen Spielen im Ruhrgebiet an. Er hofft, so würden Investitionen, die es ohnehin braucht, ernsthafter angegangen werden.
Neumann und Lögering mit Resümee nach 100 Tagen neuer OB
Die beiden Rats-Fraktionsvorsitzenden Katrin Lögering und Christoph Neumann (beide „Grüne & Volt“) greifen ebenfalls das Thema Ehrenamt auf. So sei jedes Ratsmitglied am Ende ein Ehrenamtlicher. „Niemand macht das für Geld oder sein Ego, sondern aus vollem Einsatz für die Stadt Dortmund”, sagt Lögering.

Die ersten 100 Tage Amtszeit des neuen Oberbürgermeisters Alexander Kalouti (CDU) haben jetzt schon ihre Spuren hinterlassen, erzählen die Beiden. Sie beobachten einen Umschwung des politischen Klimas in Dortmund, der sich mitunter in der Obdachlosenpolitik oder im Umgang mit der Linken im Rat niederschlägt.
Vor allem die Gleichsetzung von der Fraktion “Die Linke & Tierschutz“ mit der AfD durch den neuen OB missfällt den Grünen-Fraktionsvorsitzenden. In vorherigen Jahren sei es besonders die Linke gewesen, die die Brandmauer hochgehalten habe und die für Mehrheitsbeschlüsse ohne die AfD ins Boot geholt worden sei.
Zum Abschluss des Rahmenprogramms gelang es noch Mentalist und Zauberer Farid die Grünen und ihre Gäste in den Bann zu ziehen und zu verzaubern. Ob er mit seinen mentalen Kräften die politische Zukunft der Grünen vorhersagen könnte, bleibt allerdings ungewiss.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!
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