
Für die Spezialausgabe unseres Videopodcasts „Systemfehler“ haben die Nordstadtblogger Elija Winkler und Alex Völkel zum Schlagabtausch „Beef im Bunker“ (Streit im Bunker) eingeladen. Auf dem Podium saßen Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD), Katrin Lögering (Bündnis 90/Die Grünen) und Fatma Karacakurtoglu (Die Linke). (Hinweis: Der CDU-Kandidat Alexander Kalouti war ebenfalls eingeladen, dann aber leider am Drehtag erkrankt. Diese Nachricht hatte die Redaktion erst mitten im Dreh erhalten.) Die drei anwesenden Kandidierenden diskutierten konzentriert über Sicherheit und Ordnung, soziale Gerechtigkeit sowie Mobilität und Verkehr – und am Schluss über Eignung für den OB-Posten, Debattenkultur im Rat und den Umgang mit der AfD. Es kristallisierte sich heraus: Alle drei wollen ins Rathaus, haben viele gemeinsame Ziele, aber andere Wege dorthin.
Kriminalität in Dortmund weiter senken – aber wie?
Beim ersten Themenschwerpunkt „Sicherheit und Ordnung“ bemühte sich Westphal zu Beginn um einen nüchternen Blick auf die Lage: Langfristig zeigten Kriminalitätszahlen eher nach unten, zuletzt gebe es gleichwohl Anstiege in bestimmten Deliktfeldern. Entscheidend sei, den „gefühlten“ Unsicherheiten nicht mit Bauchgefühl, sondern mit Maßnahmen zu begegnen: Hotspots identifizieren, Beleuchtung verbessern, Wegeführung ändern, sichtbare Ansprechpartner:innen schaffen. ___STEADY_PAYWALL___

Karacakurtoglu widersprach dem Reflex „mehr Uniform, mehr Sicherheit“ bedeuteten auch tatsächlich mehr Sicherheit auf Dortmunds Straßen. Ihr Punkt: Präsenz helfe nur, wenn Personal wirklich vorbereitet sei – etwa im Umgang mit psychischen Krisen, Sucht, Sprachbarrieren und Diskriminierungserfahrungen. Sie plädiert eher für eine Aufwertung von Sozialarbeit und punktgenauer Entschärfung von Angsträumen.
Dagegen erklärte Lögering: Wer sichtbare Symptome bekämpfe, ohne die Ursachen – Armut, Sucht, Wohnungslosigkeit – anzugehen, produziere lediglich Wanderbewegungen in andere Städte. Sicherheit entstehe dort, wo Menschen sich aufhalten können, ohne andere zu bedrängen: in Tagesaufenthalten, mit Beratung, sauberer Infrastruktur und fairen Regeln. Dazu gehört für sie eine starke Suchthilfe – mit ausreichenden Kapazitäten.
Bezahlbare Wohnungen für alle erreichen
Beim Blick auf die Nordstadt betonten alle drei die Mischung aus Jugend, Dichte, Vielfalt. Einigkeit herrschte beim zweiten Themenschwerpunkt „Soziale Gerechtigkeit“ in Sachen Wohnungsbau: Bezahlbarer Wohnraum bleibt Dreh- und Angelpunkt.

Die Grünen-OB-Kandidatin Lögering zeichnete ein Maßnahmenbündel: Eine starke Stadtentwicklungsgesellschaft, die selbst baut. Gleichzeitig müsse Klimaschutz sozial gedacht werden – also sanieren, ohne Mieter:innen zu verdrängen. Zudemmüssten Energie- und Mobilitätskosten gesenkt werden.
Westphal verwies auf kommunale Initiativen vom sozialen Wohnungsbau bis zu strategischer Bodenpolitik. Ziel seien spürbar mehr Wohnungen und Bindungen über Jahrzehnte. Die Stadt müsse dort bauen, wo Bedarf entstehe, und Sozialbindungen sichern, damit Bestandsmieten nicht durch die Decke gehen.
Es brauche längere Bindungen, so Karacakurtoglu, höhere Quoten und „robusteres Eingreifen der Stadt bei Verwahrlosung“: Wenn Häuser verfallen, müsse die Kommune durchgreifen – bis hin zu Ankäufen. Zudem brauche es größere, familiengerechte Wohnungen und Schutz vor überzogenen Forderungen.
ÖPNV im Fokus, Verkehrswende aber für alle denken
Beim Thema „Mobilität und Verkehr“ wurde bei allen drei Kandidat:innen eines klar. Der ÖPNV muss weiter ausgebaut werden. Für Fatma Karacakurtoglu steht dabei die Alltagstauglichkeit des Verkehrs im Fokus. Sichere Radwege statt Flickwerk, geordnete E-Scooter-Zonen, verlässliche Busverbindungen auch in den Randzeiten. Zudem brauche es ein Augenmerk auf Menschen, die sich Mobilität kaum leisten können: Sozialtarife, kurze Wege zu Haltestellen, Barrierefreiheit.

Westphal setzt auf drei Gleise: ÖPNV ausbauen, Rad- und Fußverkehr weiterziehen, Straßen ertüchtigen. Eine Verkehrswende gegen das Auto lehnt er ab; entscheidend sei ein Gesamtpaket, das messbar wirkt.
Rad und Fuß zuerst, so Lögering, sei die Devise der Grünen. Doch auch die Ladeinfrastruktur für E-Mobilität muss schneller ausgebaut werden. Am Ende soll ein vernetztes System stehen, „das Pendelnde, Familien und Betriebe gleichermaßen erreicht“. Denn nur wenn das Angebot stimme, komme es zu einer Verkehrswende.
Keine Kooperation mit der AfD im zukünftigen Rat
Die Runde wurde mit drei kleineren Themenbereichen abgerundet, die auf die Eignung der Kandidat:innen eingingen, die Frage nach der zukünftigen Zusammenarbeit im Rat und der Umgang mit der AfD.

Zum Thema zukünftige Koalitionen schienen alle mit dem Status Quo von wechselnden Mehrheiten nicht unzufrieden. „Das ist ja das Schöne an wechselnden Mehrheiten, alle denken am Ende, sie hätten was durchgebracht“, erklärte Oberbürgermeister Thomas Westphal.
Beim Umgang mit der AfD machten alle drei Kandidat:innen klar, dass sie mit der Partei auch im kommenden Rat nicht zusammenarbeiten werden. Ferner verurteilten Lögering und Karacakurtoglu das Disziplinarverfahren des Regierungsbezirks Arnsberg gegen Thomas Westphal. Grund hierfür war der vor der Bundestagwahl im Rat beschlossene Resolution zur Brandmauer gegen die AfD.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!
„Beef im Bunker“ gibt es ab sofort auf YouTube, Appel Podcast, Spotify und Co.
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