
Gutes Zusammenleben gelingt umso besser, je mehr Menschen sich dafür engagieren. In der Nordstadt werden seit 20 Jahren alljährlich stellvertretend einige von ihnen besonders gewürdigt. Auch in diesem Jahr wurden beim Neujahrsempfang im Dietrich-Keuning-Haus als Auszeichnungen für vorbildliches ehrenamtliches Engagement wieder drei „Engel der Nordstadt“ verliehen.
Engagiert für das Zusammenleben in der Nordstadt
Es sind vielfältige Aufgaben und Betätigungsfelder, die von zahlreichen Dortmunder:innen in der Nordstadt ehrenamtlich versorgt werden. Beratungs- und Hilfsangebote, Sport, Hilfen für Zugewanderte, kreative Impulse und Arbeiten, Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort – die Liste würde lang und immer länger, wollte man alles erwähnen.

Das Leben in der Nordstadt erfährt sein besonderes Kolorit, weil Menschen sich liebevoll für ihren Kiez einsetzen. Das geschieht meistens ohne viel Aufheben – aber mit großer Wirkung.
Dem Quartiersmanagement Nordstadt und dem Stadtbezirksmarketing Innenstadt Nord ist bewusst, wie viel den stillen Helfer:innen im Hintergrund alltäglich zu verdanken ist. Und genau darum ist die alljährliche Auszeichnung der „Engel der Nordstadt“ – verbunden mit den Übergaben der von Thomas Holzmann entworfenen gleichnamigen Skulptur – so wichtig.

Levent Arslan, Direktor im Keuning-Haus, begrüßte zu Beginn der Veranstaltung die mehr als 400 Anwesenden, indem er hervorhob, wie sehr das Ehrenamt in den gegenwärtig unsicheren Zeiten zur Ermutigung und Hoffnung beiträgt. Damit klang ein Motiv an, das von der Bezirksbürgermeisterin Hanna Rosenbaum aufgegriffen wurde. Sie mahnte, dass rechte Kräfte Unzufriedenheit in konstruierte Feinbilder übersetzen. „Menschlichkeit“, so Rosenbaum, „ist aber niemals eine Verhandlungsmasse.“
Dominik De Marco, der für den Förderverein ein Grußwort sprach, deutete ebenfalls auf manche Herausforderungen der Zivilgesellschaft. „Wir spüren vor Ort, dass der gesellschaftliche Kitt bröckelt. Nur noch jeder Fünfte glaubt noch an einen wachsenden gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land. Besonders besorgniserregend ist das Erstarken rechtsextremer Kräfte“, sagte er und fügte besorgt hinzu, dass die Brandmauer Risse bekommt. Soziale Belange drohen infolge hinter Forderungen nach einer Lawe-and-Order-Politik zurückgedrängt zu werden.
Ein buntes Bühnenprogramm
In den herzlichen, aber dabei auch ernsten Grußworten, wurde immer wieder hervorgehoben, welch wichtige Beiträge durch bürgerschaftliches Engagement für die Nordstadt geleistet werden. Identität und gutes Zusammenleben im Stadtteil werden dadurch geprägt. In der Nordstadt ist das vielerorts gut erlebbar.
Einen erfrischenden Einblick in das kulturelle Leben bot dann ein buntes Bühnenprogramm. Eine Gruppe junger Erwachsener vom Unternehmen.Bilden.Vielfalt (UBV) e.V. brachte ein selbstgeschriebenes Theaterstück auf die Bühne, in dem der 1980 verstorbene Dietrich Keuning in der Jetztzeit jenes Haus besucht, das seinen Namen trägt. Darin eingeflochten drückte ein Zitat des antiken Griechen Perikles gut aus, um welche Qualität man im Keuning Haus stets bemüht ist: „Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, und das Geheimnis der Freiheit ist der Mut!“
Schwungvoll ging es daher, als eine Gruppe Kinder eine Capoira-Performance darbot. So beeindruckend, wie sich die Kinder die Elemente des brasilianischen Kampftanzes erarbeitet haben, waren auch die tänzerischen Darbietungen der „Sonnenblümchen“, einer Gruppe der ganz kleinen Kinder, die für ihren Bühnenbeitrag erste Figuren des Ballett erarbeitet hatten. Das Publikum dankte allen Akteur:innen mit langanhaltendem Applaus.
Die 20. Verleihung der „Engel der Nordstadt“
Eingebunden in den Neujahrsempfang und die damit einhergehende Vorstellung des Halbjahresprogramms bot das Keuning Haus einen festlichen Rahmen für die diesjährigen Laudationen. Als ermutigende und gleichwohl inspirierende Beispiele wurden auch in diesem Jahr ein paar der vielen Engagierten geehrt. Aus zwanzig Vorschlägen hatte eine Jury drei ausgewählt. Besonders schön war, dass Christian Schmitt zugegen war, denn er war vor zwanzig Jahren der Ideengeber für diese mittlerweile etablierte Auszeichnung.

Die Kana-Suppenküche, in der seit über dreißig Jahren an vier Tagen der Woche durch Ehrenamtliche warme Mahlzeiten an Bedürftige ausgegeben wird, wurde als erstes geehrt. In der Laudatio bezeichnete Hanna Rosenbaum die Suppenküche als „eine Initiative, die Mut und Hoffnung macht“.
Kerstin Furkert, stellvertretende Leiterin des Amts für Stadterneuerung, stellte als weiteren Preisträger den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Dortmund e.V. vor, der seit den 1950er Jahren ein Fahrradtraining für Kinder anbietet. „Es ist ein Umfeld, in dem Kinder Selbstvertrauen entwickeln“, sagte Furkert und hob hervor, dass allein im vergangenen Jahr etwa 6000 Kinder das Training absolvierten.

Maike Vollmer, Stiftungsmanagerin der BVB-Stiftung „Leuchte auf“, ehrte mit ihrer Laudatio die Nordstadt-Liga. Die durch Mirza Demirović und Henrike Deitert geleitete Straßenfußballliga für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Dortmunder Norden setzt ein starkes Zeichen gegen jede Form von Rassismus und Ausgrenzung.
„Getragen wird das Projekt von etwa siebzig Ehrenamtlichen, die Tag für Tag zeigen, wie Engagement und Begeisterung junge Menschen prägen können“, lobte Vollmer die Sportbegeisterten.
Verdient war der jeweils folgende, langanhaltende Applaus. Erfrischend die sichtbare Freude der Geehrten.
Levent Arslan hatte in seiner Begrüßung zum Beginn der Veranstaltung bereits erwähnt, dass auf dem Titel des neuen Programmhefts ein Foto von Barbara Heinz zu sehen ist. Damit wird eine Frau geehrt, die – 85 jährig – seit nunmehr vierzig Jahren ehrenamtlich in den verschiedensten Bereichen engagiert ist.
Der Neujahrsempfang im Keuning Haus hat auch damit wieder gezeigt, wie wirksam Nordstädter:innen auf ihre jeweils ganz eigene Art sind, und vor allem wie bunt und herzlich das Zusammenleben im Stadtteil ist.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!










