
Das Dortmunder Gast-Haus hat seine neu gestalteten Facharzträume an der Rheinischen Straße 18–20 eröffnet. Die ökumenische Wohnungslosen-Initiative hat die Bereiche für Zahnmedizin, Gynäkologie, Psychologie, Psychotherapie und Augenheilkunde umstrukturiert und modernisiert. Damit sollen sich die Behandlungsmöglichkeiten für Menschen verbessern, die keinen oder nur erschwerten Zugang zur regulären Gesundheitsversorgung haben.
Von der ersten Sprechstunde zum fachübergreifenden Angebot
Die Räume sind Bestandteil des Angebots des mobilen medizinischen Dienstes im Gast-Haus. Dort engagieren sich nach Angaben der Einrichtung inzwischen 21 ehrenamtliche Ärztinnen und Ärzte sowie 33 weitere medizinische Fachkräfte. Bei der Eröffnung blickten Vertreterinnen und Vertreter der Initiative, der Stadt und des medizinischen Teams auf die Entwicklung der Versorgung zurück.
Die medizinische Arbeit im Gast-Haus begann 2004 mit einer ärztlichen Sprechstunde. Dr. Klaus Harbig erinnerte bei der Eröffnung an den Ausgangspunkt: Viele wohnungslose Menschen benötigten dringend medizinische Hilfe, doch der Weg in eine reguläre Arztpraxis stelle für sie häufig eine zu hohe Hürde dar.

„Wir wollten dorthin gehen, wo die Menschen sind“, beschrieb Harbig den damaligen Ansatz. Statt darauf zu warten, dass Betroffene selbst den Zugang zum Gesundheitssystem finden, sollte die Hilfe an einem ihnen vertrauten Ort angeboten werden. Aus der ersten Sprechstunde entwickelte sich nach und nach ein umfassenderes medizinisches Angebot.
Die nun modernisierten Facharzträume setzen diese Entwicklung fort. Sie sollen Untersuchungen, Behandlungen und Beratung unter Bedingungen ermöglichen, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten gerecht werden.
54 Ehrenamtliche tragen die medizinische Arbeit
Dr. Horst Luckhaupt, Leiter des mobilen medizinischen Dienstes im Gast-Haus, erläuterte die heutige Arbeit des Teams. Die 21 Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen und die 33 weiteren medizinischen Fachkräfte bringen ihre berufliche Erfahrung und ihre Zeit ehrenamtlich ein.

Dabei arbeiten sie eng miteinander und mit den Beschäftigten des Gast-Hauses zusammen. Nach Luckhaupts Darstellung ist dieser fachübergreifende Austausch besonders wichtig, weil die gesundheitliche Situation vieler Patientinnen und Patienten durch lange unbehandelte Erkrankungen, chronische Beschwerden und schwierige Lebensumstände geprägt ist.
Die neuen Räume seien deshalb mehr als eine bauliche Verbesserung. Sie stärkten die Qualität der Versorgung und verbesserten zugleich die Arbeitsbedingungen für diejenigen, die das Angebot ehrenamtlich tragen.
Zusammenarbeit von Gesundheitswesen und Kommune
Dr. Thomas Lenders, Leiter des Fachdienstes Soziale Gesundheitsvorsorge der Stadt Dortmund, ordnete das Angebot in die Entwicklung des mobilen medizinischen Dienstes ein. Die heutige Struktur beruhe auf der Zusammenarbeit von Krankenkassen, Kassenärztlicher Vereinigung und Kommune.
Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, auch Menschen zu erreichen, für die die üblichen Wege der medizinischen Versorgung nur schwer zugänglich sind. Lenders stellte diese Kooperation als ein besonderes Modell in Nordrhein-Westfalen heraus.
Gesundheitshaus und medizinische Versorgung ergänzen sich
Bezirksbürgermeisterin Astrid Cramer erinnerte an die Eröffnung des Gesundheitshauses vor zwei Jahren. Mit Duschen, sauberer Kleidung, Möglichkeiten zur Körperpflege und gesundheitlicher Beratung sei dort ein Angebot entstanden, das Menschen unabhängig von ihrer Lebensgeschichte unterstütze. Dazu gehöre auch, ihnen zuzuhören.

„Heute gehen wir den nächsten Schritt: den Zugang zur medizinischen Versorgung“, sagte Cramer. Sie betonte zudem die Bedeutung des Gast-Hauses für das Quartier. Die Einrichtung gehöre inzwischen ebenso selbstverständlich zum Stadtteil wie das gegenüberliegende Dortmunder U.
Geschäftsführerin Katrin Lauterborn rückte den Umgang mit den Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt. „Wir wollen, dass Menschen bei uns nicht nur versorgt, sondern gesehen werden“, erklärte sie. „Gesundheit ist keine Frage des Wohnortes, des Kontostandes oder der persönlichen Lebensgeschichte.“
Das Gast-Haus unterstützt seit mehr als drei Jahrzehnten Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Mit den modernisierten Facharzträumen baut es einen Bereich aus, der neben alltäglicher Unterstützung auch den Zugang zu gesundheitlicher Beratung und Behandlung ermöglicht.

