
Die Ausstellung „Call Me We“ des Dortmunder Duos lom-of-LaMa zeigt skulpturale, fotografische und performative Arbeiten. Es geht um Gleichberechtigung und gemeinschaftliche Produktion, um das was uns trennt und das was gemeinsam möglich ist. Die Schau ist bis zum 26. März im SUPERRAUM in der Brückstraße 64 zu sehen.
„Das Wir ist für uns die kleinste gemeinsame Einheit.“
„Call Me We“ – deutsch: Nenn mich Wir – das klingt paradox. Das Dortmunder Duo lom-of-LaMa hat sich diesen eigenwilligen Titel für seine neue Ausstellung im SUPERRAUM ausgesucht, und tatsächlich stolpert man über ihn direkt ins Thema. Was heißt denn hier Wir in Bezug auf mich?

Seit 2016 arbeiten lom-of-LaMa ausschließlich als Duo und auch privat sind die beiden ein Paar. Spielt das eine Rolle? Ja und nein.
„Uns geht es um die Frage nach dem Miteinander. Wie kommunizieren wir? Wie gehen wir miteinander und mit Dingen um? Das Wir ist für uns die kleinste gemeinsame Einheit“, erklären die beiden am Rande der Eröffnung.
Zu Beginn der Ausstellung gibt es ein Foto einer doppelten Rosen – das ist aber auch der einzige Schuss Romantik in der Präsentation. Spätestens wenn man im ersten Stock vor den verschlungen Schläuchen eines Doppel-Staubsaugers steht, fragt man sich, warum eigentlich immer nur eine:r saugen kann?
Das Objekt gehört zur Werkreihe „tools-for-two“ (Werkzeuge für zwei) und fragt spielerisch, warum viele technische Geräte eigentlich so konzipiert sind, dass sie immer nur von einer Person genutzt werden können. Wäre es in vielen Paarbeziehungen wohl einfacher, wenn die Nutzung gemeinsam möglich wäre?
Entdeckung bei Emerging Artists Dortmund bereits 2019
Linda Schröer, Kuratorin am Dortmunder Kunstverein, sieht in den Arbeiten des Duos eine besondere Logik der Dinge verwirklicht, „nicht als Besitz, sondern als Austausch, nicht als Instrument individueller Nutzung, sondern als Medium gemeinsamer Subjektivität.“___STEADY_PAYWALL___

Schröer kennt die beiden gut, denn bereits 2019 wurden sie bei „Emerging Artists Dortmund“ ausgezeichnet. „Das war eine echte Entdeckung“, so Schröer, inzwischen folgten bundesweite und auch internationale Ausstellungen in Museen, Galerien und auf Festivals.
Aktuell läuft übrigens die neue Ausschreibung von Emerging Artists Dortmund – Bewerbungen von Bildenden Künstler:innen und Szenograf:innen die in Dortmund wohnen und/oder arbeiten sind bis 17. April möglich.
Doch zurück zu lom-of-LaMa: „Der künstlerische Ansatz macht uns bewusst, dass und wie durch Design und Objektwahl Menschen und ihre Sozialgefüge gestaltet werden“, denkt Schröer.
„In einer Welt die, Konkurrenz, Egoismus und Individualisierung als höchste Güter inszeniert, erscheint ihr Ansatz wie das Modell einer anderen Zukunft.“
Immer neue Formen: „Die Idee ist Einheit, die Umsetzung Vielfalt.“
Die Technik ist zumeist auf den Einzelnen programmiert. Wie kann man das ändern? Lom-of-LaMa haben dazu eigene Methoden entwickelt. Ihre Fotoserie „Sync“ zeigt die beiden mit je einem Selbstauslöser in der Hand – die Bilder konnten nur gelingen, wenn beide gleichzeitig drücken. „Es ist eine gemeinsame Geste“, findet Laura Born und „wir stellen hier auch die Frage nach der Autorschaft.“

Werke aus 10 Jahren sind in der Ausstellung versammelt und es ist erstaunlich, wie ihre gemeinsame Arbeit immer neue Formen hervorbringen, findet Reinhild Kuhn von Dortmund.Kreativ, Kuratorin des SUPERRAUM: „Die Idee ist Einheit, die Umsetzung Vielfalt“, so Kuhn.
Aktuellste Arbeit der Ausstellung ist „Hydra“, eine Skulptur, die auf dem Dialog der beiden Künstler:innen mit einer KI basiert. „Wir haben versucht mit der KI das Bild eines ungeschlechtlichen Wesens zu erzeugen. Das Ergebnis haben wir dann in ein Objekt übersetzt“, erklärt Mattias Schneck. Schnell wurden Mängel deutlich – Schneck: „Das Netz ist voller Stereotypen, was wir rein geben, bestimmt die Form.“
Auf den Spuren des antiken Mythos vom Kugelmenschen
Die finale Skulptur mit ihren vielen Händen erinnert ein wenig an die antike Geschichte der Kugelmenschen. Diese hatten vier Arme, vier Beine und zwei Gesichter und weil Gott Zeus ihre Stärke fürchtete, teilte er sie in zwei Teile. Seit dem – so der Mythos – sind wir Menschen auf der Suche nach unserer zweiten Hälfte.
Diese Sehnsucht nach Einheit, jenseits von Geschlecht und den Grenzen des eigenen Körpers, ist für viele Künstlerpaare Thema. Anders aber als bei berühmten Vorbilden wie Abramovic-Ulay, die sich auch mal mit Pfeil und Bogen bedrohten, zeigen lom-of LaMa nicht das Ringen um Einheit oder das Scheitern. Hier ist nicht mal die eine oder mal der andere dominant. Ihre Arbeiten zeugen von Balance und Kooperation, es ist ein positives Wir, solidarisch und ermutigend. Leicht ist das sicher nicht – aber einen Versuch wert.
Die Ausstellung ist donnerstags und freitags von 16 bis 19 Uhr sowie samstags von 12 bis 18 Uhr im SUPERRAUM, Brückstraße 64, zu sehen. Veranstalter ist DORTMUND KREATIV. Die Finissage findet am 27. März um 18 Uhr statt.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

