
Wer die Geschichte von Frauen im Ruhrgebiet mit dem Fahrrad erkunden möchte, kann das jetzt auf einer eigenen Route tun. Die RadRoute Ruhr verbindet nach Angaben des Vereins FrauenOrte NRW (Stand August 2026) 13 FrauenOrte in sechs Städten auf rund 100 Kilometern, von Oberhausen über Mülheim an der Ruhr, Essen, Gelsenkirchen, Recklinghausen und Bochum bis nach Dortmund.
Ein Netz von 60 Gedenkorten in NRW, seit 2024 auch mit Dortmund
Wegen ihrer Länge eignet sie sich als Zwei-Tage-Tour, sie lässt sich aber auch in einzelnen Etappen fahren. In Dortmund steht Marie Reinders im Mittelpunkt, die 1901 die erste Mädchen-Mittelschule Westfalens gründete.
FrauenOrte NRW ist nach Angaben der Organisation eine Initiative des FrauenRat NRW. Sie rückt seit 2023 mit Gedenktafeln historische Frauen in den Mittelpunkt, die für die Region bedeutend waren, aber in Geschichtsbüchern kaum auftauchen.
Inzwischen gibt es in Nordrhein-Westfalen 60 FrauenOrte, seit 2024 gehört auch Dortmund dazu. Neben der RadRoute Ruhr gibt es sechs weitere Routen: Bergisches Land, Münsterland, Ostwestfalen-Lippe-Nord, Ostwestfalen-Lippe-Süd, Rheinland und Sauerland. Alle lassen sich kostenlos auf Komoot herunterladen.
Von Fasia Jansen bis Dortmund, mit Anschluss ins Münsterland und ins Sauerland
Die Route beginnt in Oberhausen bei Fasia Jansen, die als Stimme der Friedensbewegung bekannt wurde. Sie war Antifaschistin, wurde vom Naziregime rassistisch verfolgt und zur Arbeit im KZ Neuengamme zwangsverpflichtet.

Von dort führt der Radweg zu weiteren Frauen in den Städten entlang der Strecke, am Ende nach Dortmund.
Von Dortmund aus lässt sich die Tour verlängern: Eine Verbindungsroute am Dortmund-Ems-Kanal schließt ans Münsterland an. Die RadRoute Sauerland-Hellweg führt zu weiteren FrauenOrten in Schwerte, Iserlohn, Arnsberg-Neheim und Werl.
Marie Reinders: Die Bildungspionierin, die gegen den Widerstand des Stadtparlaments eine Schule gründete
Marie Reinders lebte von 1867 bis 1911 und setzte sich als Bildungspionierin für die Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen ein. Sie rief eine Schulform ins Leben, die in Westfalen damals einzigartig war: die Mädchen-Mittelschule. Erst sie ermöglichte es jungen Frauen, berufstätig zu werden, was Anfang des 20. Jahrhunderts kaum möglich war.

Das Stadtparlament hatte das Vorhaben zuvor viele Jahre lang blockiert. Wie die Stimmung war, zeigt ein Zitat aus dem Dortmunder Anzeiger: „Eine Frau, welche die Küche gut versteht (…) ist tausendmal mehr wert, als diejenige, welche (…) den Shakespeare im Original liest und als Zugabe die Suppe versalzt und den Hausstand zurückbringt.“
Trotz aller Widerstände begann der Unterricht am 24. April 1901 in der damaligen Schwarze-Brüder-Straße 14, heute die Ecke Hansaplatz und Hansastraße.
Dort erinnert seit 2024 eine Gedenktafel an Reinders und die Schule. Auch die Marie-Reinders-Realschule in Hörde trägt ihren Namen, im Jahr 2024 widmete ihr zudem eine Ausstellung in der Berswordt-Halle einen Überblick über ihr Leben und Wirken.
Gleichstellungsbüro: „Ihren Beitrag zur Stadtgeschichte ins öffentliche Bewusstsein rücken“
Die Auszeichnung als FrauenOrt NRW erhielt Dortmund 2024. Das Gleichstellungsbüro der Stadt hatte sich dafür gemeinsam mit dem Verein Kunst und Kultur im Kaiserviertel e. V. und der Bürger:innen-Initiative Frauendenkmale erfolgreich beworben.
Zum Projektteam gehören Maresa Feldmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, sowie Susanne Meyer und Heike Wulf von der Bürger:inneninitiative Frauendenkmale und dem Verein Kunst und Kultur im Kaiserviertel.
„Mit Marie Reinders haben wir 2024 einen FrauenOrt in Dortmund geschaffen, der eine beeindruckende Frau und ihr Engagement für die Bildung von Mädchen sichtbar macht. Für uns als Gleichstellungsbüro war es ein wichtiges Anliegen, ihren Beitrag zur Dortmunder Stadtgeschichte ins öffentliche Bewusstsein zu rücken“, sagt Feldmann. Die Route verbinde die FrauenOrte in den Städten des Ruhrgebiets und mache erfahrbar, wie vielfältig und prägend Frauen die Geschichte der Region gestaltet hätten.
Weitere Informationen zu den einzelnen Stationen und allen Touren gibt es unter frauenorte-nrw.de/angebote/radrouten. Die Karte aller FrauenOrte steht unter frauenorte-nrw.de/karte.

