Stillen in Kirche, U-Bahn und Drogerie: Drei Frauen wollen stillende Mütter sichtbar machen

Fotokampagne im Dortmunder Stadtraum: „Ich still, wo ich will“

Fotoshootings im Kirchenschiff
Foto: Berenice Becerril Der ungewöhnlichste Ort der Fotoshootings war wohl die Reinoldkirche.

Stillende Frauen sollen in Dortmund sichtbarer werden. Unter dem Motto „Ich still, wo ich will“ hat eine Initiative eine Fotokampagne gestartet. Sie will erreichen, dass Stillen im öffentlichen Raum selbstverständlich wird, im Café, im Park, in Bus und Bahn oder mitten in der Stadt. Die Dortmunder Kampagne schließt sich der bundesweiten Aktion #ichstillwoichwill an, die im Februar 2026 in Berlin gestartet wurde.

Drei Frauen aus der Kulturarbeit stehen hinter der Kampagne

Initiiert haben die Dortmunder Kampagne Berenice Becerril und Theresa Mielich. Becerril ist Diplom-Sozialwissenschaftlerin und Gründerin des Eltern-Baby-Treffs Lumini im Welthaus Dortmund e.V., Mielich arbeitet als Bühnen- und Kostümbildnerin und Textilkünstlerin.

Beide sind in der Kulturarbeit tätig und selbst Mütter. Die Fotos stammen von Carmen Körner, Fotografin mit den Schwerpunkten Feminismus, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit. Die Kampagne ist im Umfeld von Lumini entstanden, einem internationalen Eltern-Baby-Treff in Dortmund.

Fotoserie in Reinoldikirche, U-Bahn und Drogeriemarkt

Die Fotoserie ist an mehreren Orten im Stadtraum zu sehen, unter anderem in der Reinoldikirche, am Dortmunder U, in der U-Bahn, im Welthaus Dortmund und in einer Denns-Filiale in der Kaiserstraße. Nach Angaben der Initiatorinnen soll sie zeigen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Frauen sollen ihrem Kind ohne Scham die Brust geben können und sich mit ihren Kindern im öffentlichen Raum willkommen fühlen.

Sie sollten nicht überlegen müssen, ob ihr Baby „stört“, ob Stillen an einem Ort angebracht ist oder ob sie sich dafür zurückziehen müssen. Ein Baby dürfe dort gestillt werden, wo es Hunger hat, so die Initiative.

Säuglinge könnten ihre Grundbedürfnisse nicht auf einen gesellschaftlich passenden Zeitpunkt verschieben. Wenn ein Baby hungrig sei, brauche es in diesem Moment Nahrung, Nähe und Regulation.

Gegen Sexualisierung und abwertende Blicke

Die Kampagne richtet sich nach Darstellung der Initiatorinnen ausdrücklich gegen die Sexualisierung des weiblichen Körpers im Zusammenhang mit dem Stillen. Eine stillende Brust ernähre ein Kind. Dieser intime und zugleich natürliche Vorgang verdiene keine abwertenden Blicke, keine Kommentare und keine Beschämung, sondern Schutz, Respekt und gesellschaftliche Unterstützung.

Zugleich betont die Initiative, dass sie keine Bewertung unterschiedlicher Formen der Säuglingsernährung vornehmen will. Im Mittelpunkt stehe das Anliegen, dass Frauen, die stillen möchten, dies überall dort können sollen, wo Mutter und Kind es brauchen, geschützt und respektiert. Ein weiteres Ziel sei das Empowerment von Müttern, die gerade nach der Geburt häufig mit widersprüchlichen gesellschaftlichen Erwartungen konfrontiert seien. Dem wollen die Initiatorinnen Vertrauen, Solidarität und Selbstbestimmung entgegensetzen.

Stillkampagne als Appell für eine familienfreundlichere Stadt

Die Initiatorinnen verstehen die Kampagne nach eigenen Angaben nicht nur als Aktion für das Stillen, sondern als Plädoyer für eine familienfreundlichere Gesellschaft. Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und die erste Zeit mit einem Kind gehörten zu den sensibelsten Phasen im Leben einer Familie.

Foto: Berenice Becerril

Mütter und Familien leisteten in dieser Zeit enorme körperliche, emotionale und soziale Arbeit und seien auf ein Umfeld angewiesen, das ihre Bedürfnisse wahrnimmt. Diese oft unsichtbare Arbeit wolle die Kampagne sichtbar machen.

Die Initiative argumentiert, Familien zu stärken sei keine reine Privatangelegenheit, sondern eine soziale, gesundheitliche, demografische, wirtschaftliche und politische Aufgabe. Eine Gesellschaft könne nicht einerseits über niedrige Geburtenzahlen diskutieren und andererseits die Bedingungen, unter denen Kinder geboren werden und aufwachsen, als individuelles Problem der Eltern behandeln.

Eine kinderfreundliche Gesellschaft beginne nicht erst in Kita und Schule, sondern dort, wo neues Leben auf die Welt kommt. Um diese Botschaft zu verbreiten, hat Becerril Aufkleber gestaltet.

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