Geplante Versetzung von Amtsleiterin Sylvia Uehlendahl trifft auf wachsenden Widerstand

Neubesetzung der Chef:innen-Etage beim Dortmunder Tiefbauamt geplant

Portrait von Sylvia Uehlendahl, Leiterin Tiefbauamt Dortmund, bei der Vorstellung des Pilotprojektes für längere Bauwerk-Lebensdauer
Sylvia Uehlendahl leitet seit vielen Jahren das Dortmunder Tiefbauamt Foto: Helmut Sommer für Nordstadtblogger.de

Die geplante Versetzung der Leiterin des Dortmunder Tiefbauamtes, Sylvia Uehlendahl, sorgt für wachsenden Widerstand. Während die Stadtspitze strukturelle Probleme betont und personelle Konsequenzen zumindest andeutet, stellen sich Mitarbeitende, Frauenverbände und Teile der Politik demonstrativ hinter die Amtsleiterin. Sie sehen die Ursachen für Missstände vor allem in politischen Entscheidungen und strukturellen Defiziten und nicht in der Person an der Spitze des Amtes.

Kritik an Leitung des Tiefbauamtes: Prozesse müssen beschleunigt werden

Die Dortmunder Stadtspitze begründet die geplante Umbesetzung mit Defiziten bei der Instandhaltung von Straßen und der Umsetzung von Bauprojekten. So ist in der öffentlichen Debatte von Schlaglöchern, Sanierungsstau und verzögerten Maßnahmen die Rede.

OB Alexander Kalouti Foto: Anja Cord für Nordstadtblogger.de

Konkrete fachliche Vorwürfe gegen die Amtsleitung werden bislang jedoch kaum kommuniziert. Vieles bleibt auf einer allgemeinen Ebene. Eine detaillierte Bewertung einzelner Projekte oder Entscheidungen liegt öffentlich bislang nicht vor.

Bei der Diskussionsveranstaltung „Port+Plus“ am 23. April 2026 im Lensing Media Port wurde das Thema nun öffentlich von Oberbürgermeister Alexander Kalouti aufgegriffen. Man prüfe derzeit, wie Prozesse beschleunigt werden könnten. In letzter Konsequenz müsse man aber auch fragen, „ob es an Strukturen liegt, oder aber auch an Personen“, so der Oberbürgermeister.

„Die Leitung des Tiefbauamtes bleibt seit Jahren hinter den Erwartungen der Bürger zurück“

Innerhalb der Dortmunder Politik wird die Situation unterschiedlich bewertet. Während aus der CDU-Fraktion Kritik an der Leitung des Tiefbauamtes kommt, sehen andere Fraktionen die Verantwortung an anderer Stelle.

Jendrik Suck kritisiert die Leitung des Tiefbauamtes deutlich. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

CDU-Fraktionssprecher Jendrik Suck erklärte: „Die Leitung des Tiefbauamtes bleibt seit Jahren hinter den Erwartungen der Bürger zurück. Deshalb ist es gut, dass jetzt gehandelt wird.“

Katrin Lögering, Fraktionssprecherin der Grünen & Volt vertrat derweil bereits während der „Port+Plus“ Diskussion eine andere Auffassung. Es sei „zu einfach“, die Verantwortung bei der Amtsleiterin zu suchen erklärte Lögering. Diese sei „nicht die richtige Adressatin“ für die Kritik. Vielmehr liege die politische Verantwortung beim zuständigen Dezernat.

Mitarbeiter:innen des Tiefbauamtes stellen sich hinter die Amtsleiterin

Deutliche Unterstützung erhält Uehlendahl aus den Reihen der eigenen Behörde. In einem offenen Brief wenden sich Mitarbeiter.innen des Tiefbauamtes gegen die geplante Abberufung.

Fotos von Sylvia Uehlendahl, Amtsleiterin Tiefbauamt und Baudezernent Arnulf Rybicki im Gespräch beim Pilotprojekt für längere Bauwerks-Lebensdauer
Sylvia Uehlendahl, Amtsleiterin Tiefbauamt und Baudezernent Arnulf Rybicki im Gespräch Foto: Helmut Sommer für Nordstadtblogger.de

„Eine Absetzung unserer Chefin stellt ein äußerst kritisches Signal für unseren Fachbereich dar“, heißt es darin. Es drohe ein „Rückgang des Vertrauens und der Motivationsbereitschaft“ innerhalb der Behörde.

Gerade vor dem Hintergrund bereits durchlaufener Reorganisationsprozesse warnen die Unterzeichner:innen vor erheblichen Risiken für Stabilität und Leistungsfähigkeit. Eine Absetzung würde zu Vertrauensverlust und Unsicherheit führen.

Frauenverbände mahnen zur Vorsicht: „Große Irritation und wachsende Besorgnis“

Auch die Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Frauenverbände stellt sich klar gegen die geplante Versetzung. In einem offenen Brief an OB Kalouti ist von „großer Irritation und wachsender Besorgnis“ die Rede.

Barbara Wenzel am Mikrofon. Hinter ihr zwei Aufsteller zu der AG Dortmunder Frauenverbände.
Barbara Wenzel, Vorsitzende der AG Dortmunder Frauenverbände äußert sich besorgt zur aktuellen Personaldebatte. Foto: Wulf Erdmann

Uehlendahl stehe für „herausragende fachliche Kompetenz, Verlässlichkeit und eine verantwortungsvolle Wahrnehmung ihrer Aufgaben“. Ihre Expertise werde „weit über Dortmund hinaus geschätzt“, sie sei eine „wichtige Botschafterin für die Belange der Stadt“, so die Verbände.

Frauen seien zudem in technischen Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert. Der Verbleib Uehlendahls sei daher auch „ein wichtiges Signal für Gleichstellung, Sichtbarkeit und die Förderung weiblicher Führungskräfte“. Eine Abberufung sende hingegen ein problematisches Zeichen, sowohl in der Verwaltung als auch in der Stadtgesellschaft.

Linke sieht Ursache in jahrelanger Unterfinanzierung und warnt vor Sündenböcken

Deutliche Kritik kommt ebenfalls von der Fraktion Die Linke & Tierschutzpartei. Die Debatte um Uehlendahl sei „nicht gerechtfertigt“. In diesem Zusammenhang spricht die Fraktion von der Auswahl von Sündenböcken. Die Ursachen für den Zustand der Infrastruktur lägen jedoch in den politischen Entscheidungen der vergangenen Jahre begründet.

Utz Kowalewski sieht Versäumnisse bei städtischen Investitionen – und kritisiert die Suche nach einem „Sündenbock“. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

„Der Grund für den schlechten Straßenzustand liegt nicht in der Führung des Amtes, sondern in zu geringer Budgethöhe für die Instandhaltung“, erklärt Utz Kowalewski. Wer über Jahre hinweg weniger Mittel bereitstelle als notwendig, der fahre die Infrastruktur bewusst auf Verschleiß, so Kowalewski.

Die Fraktion verweist dabei auf Entwicklungen seit der Finanzkrise 2009. Damals seien die Instandhaltungsbudgets massiv gekürzt worden. Warnungen aus der Verwaltung habe man damals nicht berücksichtigt.

Auch vergangene Maßnahmen wie Straßenbauprogramme hätten den Verfall allenfalls verlangsamt, aber keine grundlegende Verbesserung gebracht. Der über Jahre entstandene Sanierungsstau wirke bis heute nach und werde zunehmend schwieriger zu bewältigen.

Entscheidung steht noch aus: Wer trägt die Verantwortung für den Zustand der Infrastruktur?

OB Alexander Kalouti hat mit seiner Andeutung außerdem eine rege Debatte angestoßen. Wie es mit der Leitung des Tiefbauamtes weitergeht, ist derzeit offen. Geplant ist ein Gespräch zwischen Oberbürgermeister, Amtsleitung und Personaldezernat, um eine Lösung auszuloten.

Grundsätzlich wäre eine Versetzung möglich, diese müsste jedoch eine gleichwertige Position umfassen. Damit sind auch rechtliche und organisatorische Fragen verbunden. Die Debatte zeigt nicht zuletzt die unterschiedlichen Deutungen darüber, wo die Verantwortung für den Zustand der städtischen Infrastruktur tatsächlich liegt.


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