
Häusliche Gewalt gegen Frauen ist ständig präsent, trotzdem oft unsichtbar. Medien berichten über ausgelastete Frauenhäuser, unterfinanzierte Beratungsstelle, fehlende Auswege für Betroffene und steigende Opferzahlen bei häuslicher Gewalt und Mord an Frauen, Femiziden. Die Gewalt selbst passiert im privaten Raum, hinter verschlossenen Türen. Regisseurin Alina Cyranek will mit dem Film „Fassaden“ zeigen, was Frauen in toxischen Beziehungen erleben, welche Auswirkungen die Gewalt auf ihr Leben hat und wie sie einen Ausweg und Hilfe finden.
Jede dritte Frau wird oder ist Opfer: Die Kollegin, die Freundin, die Cousine oder man selbst
Regisseurin Alina Cyranek hat die Situation hinterfragt: „Ist das, was in der eigenen Wohnung passiert, wirklich Privatsache? Warum taucht das Thema ‚Häusliche Gewalt‘ nur punktuell auf und verschwindet gleich wieder aus den Medien, wenn es uns doch alle angeht?“. Die Tragweite der Zahlen werde einem erst bewusst, wenn man im eigenen Büro, im Restaurant oder auf einer Familienfeier durchzählt: „Jede dritte Frau ist oder wird mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt. Die Kollegin, die Freundin, die Cousine oder man selbst“.

Am 7. Februar ist sie in Dortmund zu Gast und steht nach der Filmvorführung im Roxy-Kino für ein Gespräch bereit (nähere Infos unten). „Ich wollte wissen, welche gesellschaftlichen und politischen Machtstrukturen die Sicherheit von Frauen verhindern oder gar begünstigen“, erklärt die Regisseurin.
Also nahm sie Kontakt zu Menschen auf, die in Berufen arbeiten, in denen sie betroffenen Frauen begegnen: „Polizistinnen und Polizisten, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, Psychologinnen und Rechtsanwältinnen. Auch mit einer Kommunikationswissenschaftlerin habe ich gesprochen, die die Darstellung von Gewalt an Frauen in den Medien in Zeitungsartikeln analysiert hat. Und natürlich habe ich mit betroffenen Frauen gesprochen“.
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Geschichte einer Frau – und eines Systems, das wegschaut
In „Fassaden“ erzählt Sandra Hüller die Geschichte einer Frau, die aus einer langjährigen gewalttätigen Beziehung ausbricht, sowie von einem politischen und gesellschaftlichen System, das lieber wegschaut. Die Erzählung wurde aus vier realen Erfahrungsberichten zu einer Geschichte verdichtet, um die Anonymität der Frauen zu wahren. Alle Ereignisse haben sich tatsächlich so zugetragen, nichts ist erfunden. Den klassisch dokumentarischen Rahmen bilden Experte:inneninterviews, die klar und sachlich die Machtverhältnisse und Beziehungsstrukturen einordnen. Der Film zeigt, welche Machtstrukturen hinter den Fassaden stecken und wie der Staat Frauen unzulänglich schützt.

Ein Tanzpaar erschafft in einer Blackbox Bilder einer Beziehung, hochästhetisch, physisch, poetisch und lässt somit Raum für Vielschichtigkeit und Komplexität solch einer Beziehung. „In der Inszenierung des Körpers und seiner Bewegung habe ich die besten Möglichkeiten gesehen, die eigenen physischen Grenzen, Energien, Gefühle, Gedanken, Vorstellungen, innere Einstellungen und Erinnerungen auszuloten, die ohne Worte in Bewegung „versetzt“ werden konnten“, so Alina Cyranek. Die Rolle der Animation im Film spiegelt den mentalen Zustand der Frau wider: manipuliert, eingegrenzt, verschoben, ausgelöscht, surreal.
Das Problem der betroffenen Frauen ist das gleiche: Sie machen sich für die Gesellschaft aus Angst und Scham unsichtbar und bleiben es oft auch viele Jahre lang. Häusliche Gewalt und die damit verbundenen Statistiken sind brutal, erschütternd, physisch. „Fassaden“ spiegelt all das in seiner Form wider.
- Veranstaltung: Samstag 7. Februar um 19 Uhr, im Roxy-Lichtspielhaus
- Trailer und Informationen zur Veranstaltung
- Informationen zum Film: https://rotzfrech-cinema.com/fassaden/
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!
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