
Traurige Meldung: Der ehemalige Dortmunder Bundestagsabgeordnete Marco Bülow ist tot. 2018 war er nach 26 Jahren untergroßer medialer Aufmerksamkeit aus der SPD ausgetreten, behielt aber zum Verdruss und Ärger seiner Genoss:innen sein Mandat im Bundestag. 19 Jahre war er Mitglied des Bundestages – zuletzt für die „Die Partei“. Nach seiner Zeit als aktiver Berufspolitiker widmete er sich weiter dem Kampf gegen den Einfluss des Lobbyismus auf die Politik.
Immer auf dem linken Flügel der SPD
Bülow wurde 2002 das erste Mal in den Bundestag gewählt. Eher dem linken Flügel der SPD zuneigend, fiel er während den sogenannten Großen Koalitionen (2013 bis 2021) aus CDU/CSU und SPD unter Angela Merkel immer mehr als Abweichler seiner Fraktion auf.

So kritisierte er den „Asylpakt II“, der 2016 maßgeblich auf die Initiative Horst Seehofer (CSU) verabschiedet wurde und eine restriktivere Asylpolitik vorsah, offen und sprach davon, dass seine Partei hier über ein Stöcken der AfD und Seehofer gesprungen sei. ___STEADY_PAYWALL___
Vor dem Bruch mit seiner Partei wurde Bülow Mitglied der linken Sammelgruppe „Aufstehen“, die 2018 unter der Führung von Sahra Wagenknecht (damals noch Die Linke) gegründet wurde. Hier wollte sich Bülow parteiübergreifend für linkere Politik im Bundestag engagieren. Die Bewegung versank 2019 wieder in der Bedeutungslosigkeit.
Spektakulärer Austritt und Kritik an einem „Weiter-So“
Dann am 27. November 2018 der Paukenschlag: Marco Bülow tritt aus der SPD und der SPD-Fraktion aus. Das Mandat gibt er aber nicht zurück, bleibt weiterhin im Bundestag. Ein damals viel-kritisiertes Vorgehen.

Seinen Austritt kommentierte Bülow damals so: „Ich tue dies nach reiflicher Überlegung, ohne Häme, aber ernüchtert und auch traurig. Viele Jahre habe ich mich aufgerieben, habe ich gegen die ,Entsozialdemokratisierung’, gegen hierarchische, intransparente Strukturen, gegen die Orientierungslosigkeit in der SPD angekämpft. Immer wieder mit der Hoffnung, dass sie sich wandelt, dass sich die Basis gegen die Selbstzerstörung wehrt.“
Es habe, trotz aller Wahlniederlagen und politischen Verrenkungen, immer ein „Weiter-So“ gegeben. Die Worte wirken heute geradezu prophetisch, jetzt während der dritten „Großen Koalition“ in den letzten 13 Jahren und einer Talfahrt der SPD-Ergebnisse.
2021 wollte er mit der Unterstützung der Partei „Die Partei“ als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter wieder in den Bundestag einziehen. Eine Mehrheit der Dortmunder:innen entschied sich 2021 für Jens Peick (SPD); Marco Bülow zog sich aus der aktiven Politik zurück.
Gegen Lobbyismus und für eine „permanente Revolte der Demokratie“
In der Folge engagierte sich Marco Bülow im Bundestag und abseits dessen für eine „Sozialwende“. Schon damals kritisierte er die ungeliche Vermögensverteilung in Deutschland. Es könne nicht angehen, dass 10 Prozent der reichsten Deutschen, zwei Drittel des gesamten Vermögens besitzen.

Auch den Lobbyismus sah Bülow als große Gefahr für die Demokratie an, er widmete dem Thema zwei seiner Bücher: „Lobbyland“ und „Korrumpiert“. Ferner kritisierte er steigende Ausgaben in die Rüstung, die aus seiner Sicht im sozialen Bereich fehlen würden
Bei der Buchvorstellung von „Korrumpiert“ im März letzten Jahres plädierte er außerdem für eine „permanente Revolte“ in der bestehenden Demokratie.
„Das Ziel muss eine Kooperative Demokratie sein, die sich nur durch eine Permanente Revolte, ein stetiges Korrektiv verteidigen lässt“, fordert er zuletzt in seinem Buch. Und die Demokratie eben nicht denen überlassen, die aus Bülows Sicht „korrumpiert“ sind,, also große Teile der aktiven Berufspolitik.
Ob er nochmal in die Politik zurückkehre, ließ Bülow im März 2025 noch offen. Diese Woche ist Marco Bülow im Alter von 54 Jahren gestorben.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!
Mehr dazu auf Nordstadtblogger:
Marco Bülow plädiert für „permanente Revolte“ zur Weiterentwicklung unserer Demokratie


Reaktionen
Jens Peick (SPD-MdB)
Gestern hat mich die traurige Nachricht erreicht, dass Marco Bülow – mein Vorgänger als direkt gewählter Abgeordneter – viel zu früh verstorben ist.
Marco war einer der ersten Menschen, mit denen ich nach meinem Eintritt in die SPD im Jahr 2000 Kontakt hatte. Gemeinsam haben wir als Jusos dafür gekämpft, dass er 2002 als junger Mensch unser Bundestagsabgeordneter wird. 19 Jahre lang hat er die Dortmunderinnen und Dortmunder mit großem Engagement im Deutschen Bundestag vertreten.
Wir waren politisch immer nah beieinander und trotzdem nicht immer einer Meinung. Wie es in der Politik so ist.
Marco war sich aber immer treu und hat entschlossen für eine bessere Welt gekämpft. Insbesondere bei seinen Herzensthemen: Eine gerechtere Vermögensverteilung und dem Kampf gegen Lobbyismus. Danke für alles!
Heute sind meine Gedanken bei seiner Familie. Ihr wünsche ich viel Kraft.
Lieber Marco, ruhe in Frieden!
Zum Tod von Marco Bülow erklärt der Vorsitzende von FDP/Bürgerliste, Michael Kauch (PM)
„Mein ehemaliger Kollege als Dortmunder Bundestagsabgeordneter, Marco Bülow, ist mit nur 54 Jahren verstorben. Als junge Abgeordnete waren wir fast zur gleichen Zeit ins Parlament gewählt worden und engagierten uns im gleichen Ausschuss. Marco war ein kluger Kopf und streitbarer Politiker. Inhaltlich hatten wir gemeinsame Themen, aber auch trennende Positionen. Menschlich war es immer ein gutes Miteinander. Nun musste er diese Welt, die er etwas besser machen wollte, zu früh verlassen. Mein Mitgefühl gehört seiner Tochter und allen, die im nahe standen.“
Utz Kowalewski (Die Linke)
Ich bin erschrocken über die heutige Nachricht über den Tod von Marco Bülow. Er war eine der unbeugsamen Persönlichkeiten in der Dortmunder Politik, der für seine Haltung gegen alle Widerstände eingetreten ist. Sein Tod ist ein Verlust. Ruhe in Frieden.
Fatma Karacakurtoglu (Die Linke)
Noch vor ein paar Tagen sagte mir jemand, wie sehr sie sich wünschen würde, dass Marco und ich gemeinsam Politik machen. Heute höre ich, dass Marco Bülow verstorben ist. Das macht mich sehr betroffen.
Marco war unbequem, klar, streitbar und dabei immer seinem Kompass verpflichtet. Einer, der Politik nicht als Karriere verstanden hat, sondern als Verantwortung.
Meine Gedanken sind bei seinen Angehörigen, Freundinnen und Freunden. Ihnen gilt mein aufrichtiges Beileid.
Ruhe in Frieden, Marco.
Martin Sonneborn (Die Partei)
Scheiße, Marco Bülow ist tot. Jung gestorben, mit 54. Ein guter Mensch. Einer der zwei, drei letzten echten Sozialdemokraten. Einer, der sich empörte, gegen Ungerechtigkeiten, Lobbyismus, Überheblichkeiten der politischen Klasse, gegen Dummheit & die Forderung nach Kriegstüchtigkeit. Der sein sicheres und gutdotiertes Mandat aufgab, um sich für die die einfachen Bürger einzusetzen. Warum werden die Arschlöcher so alt, und die Guten sterben zu jung?
SPD Stadtbezirk Dortmund-Mengede
Marco Bülow ist im Alter von nur 54 Jahren verstorben.
Von 2002 bis 2021 vertrat er die Interessen der Menschen in Dortmund und damit auch in unserem Stadtbezirk Mengede im Deutschen Bundestag. In dieser Zeit war er eine engagierte und oft auch unbequeme Stimme – getragen von dem festen Anspruch, Politik im Sinne der Menschen zu gestalten. Sein Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz, für eine lebendige Demokratie und für eine Politik, die dem Gemeinwohl verpflichtet ist, prägte sein politisches Wirken.
Marco verstand es, Menschen zu begeistern und mitzunehmen. In seinen stärksten Momenten strahlte er eine besondere Überzeugungskraft aus, mit der er andere für seine politischen Ziele gewinnen konnte. Dieses innere Leuchten, dieser unbedingte Wille zur Veränderung, begleitete ihn auch über seine Zeit in der SPD hinaus und nach seinem Abschied aus dem Bundestag im Jahr 2021.
Der Kampf für seine Überzeugungen war für ihn nie abgeschlossen. Dafür gebührt ihm Respekt. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freundinnen und Freunden sowie allen, die ihm verbunden waren.