„Mut statt Angst“: Evangelische Kirche Dortmund stärkt Prävention sexualisierter Gewalt

Workshop vermittelt praxisnahe Strategien im sensiblen Umgang

Blick in die Ausstellung
Parallel zur Synodalversammlung zum Thema „Umgang mit sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche“ wurde eine Ausstellung zur ForuM-Studie gezeigt. Foto: Ev. Kirchenkreis / Nicole Schneidmüller-Gaiser

Beim Umgang mit sexualisierter Gewalt gibt es viele Unsicherheiten – sowohl für Betroffene als auch für Helfende. Die Evangelische Kirche im Kirchenkreis Dortmund bot im Rahmen der Synodalversammlung einen Workshop „Mut statt Angst“ an, um Mitarbeitenden praxisnahe Strategien zu vermitteln. 130 Teilnehmende beschäftigten sich unter anderem mit Gesprächsführung, theologischem Umgang mit Schuld und sensibler Gottesdienstgestaltung. Ergänzt wurde die Tagung durch eine Ausstellung zur ForuM-Studie im Reinoldinum.

„Mut statt Angst“ im Umgang mit Betroffenen

„Ich habe Angst, etwas Falsches zu sagen.“ „Muss ich selber herausfinden, ob das stimmt, was mir da erzählt wird?“ „Wie kann ich Distanz wahren, obwohl ich doch eigentlich Nähe anbieten will?“ Aber auch: „Was, wenn ich in einen Loyalitätskonflikt komme, weil ich die Person mag, um die es geht?“ Solche Fragen beschäftigen Menschen, die mit dem sensiblen Thema sexualisierte Gewalt in der Kirche umgehen.

Gesammelte Beiträge an einer Tafel
Wie verhalte ich mich, wenn sich mir ein Kollege oder eine Kollegin anvertraut? Im Workshoo „Mut statt Angst“ bekamen die Teilnehmenden hilfreiche Tipps. Foto: Ev. Kirchenkreis / Nicole Schneidmüller-Gaiser

Es sind ganz konkrete Situationen, die Unsicherheit hervorrufen: Wie sollte ich reagieren, wenn eine Kollegin oder ein Kollege mir von einem erlebten oder beobachteten sexuellen Übergriff berichtet? Wie kann ich Präsenz zeigen, ohne die Situation falsch zu beurteilen oder Verantwortung zu übernehmen, die nicht bei mir liegt?

Im Workshop „Mut statt Angst“, einem von sechs Programmpunkten der Synodalversammlung „Umgang mit sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche“ am Montagabend, versuchte Regine Wittler, eine der Leiterinnen, diese Sorgen zu nehmen: „Bleiben Sie zugewandt, und machen Sie sich klar: Sie müssen weder die Situation analysieren noch entscheiden, was wirklich geschehen ist.“ Sie ergänzt: „Betroffene brauchen keine perfekten Helfer*innen – sie brauchen Menschen, die präsent, ruhig und respektvoll sind. Das reicht.“

Prävention und Aufklärung im Kirchenkreis Dortmund

Seit der Veröffentlichung der ForuM-Studie über sexualisierte Gewalt vor zwei Jahren ist das Thema auch in der Evangelischen Kirche und ihrer Diakonie präsent. Im Kirchenkreis Dortmund schulen die fünf Mitarbeitenden der Präventionsfachstelle fast täglich Haupt-, Neben- und Ehrenamtliche – vom Kindergarten bis zur Frauenhilfe, von der Jugendarbeit bis zum Seniorenkreis.

„Sexuelle Grenzverletzungen können an jedem Ort, zu jeder Zeit passieren. Und sie betreffen leider Menschen jeden Alters und jeden Geschlechts“, sagt Leonie Grüning, ständig stellvertretende Superintendentin.

Gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten des Kirchenkreises, Anna-Lena Schmidt, den Fachfrauen aus der Präventionsfachstelle und Vertreter:innen des Ausschusses für Geschlechtergerechtigkeit initiierte Grüning die Tagung. 130 Menschen aus dem Kirchenkreis nahmen daran teil. Neben dem Workshop boten ein Gespräch mit einem Betroffenen, theologische Reflexionen zum Thema „Schuld“ und Denkanstöße für die Gottesdienstgestaltung weitere Lernmöglichkeiten.

Widerstände ernst nehmen – Schutzkonzepte umsetzen

Nicht alle Menschen sind begeistert davon sich mit Grenzüberschreitungen allgemein oder sich mit der Erstellung eines Schutzkonzeptes zu beschäftigen. „Manchmal erleben wir Widerstände – bei einzelnen Personen, aber auch in Gruppen“, weiß Daniela Abels-Ehrenfried, Leiterin der Präventionsfachstelle, um die Widerstände.

Gesammelte Beiträge an einer Tafel
Best practice – Die Kirchengemeinde Wellinghofen zeigt, wie der Weg hin zu einem Schutzkonzept aussehen kann. Foto: Ev. Kirchenkreis / Nicole Schneidmüller-Gaiser

Der Journalist und Theologe Christoph Fleischmann ergänzte in seinem Impulsreferat: „Dabei helfen zum Beispiel Schutzkonzepte, Regeln einzuhalten.“ Er ermutigt: „Die Institution muss Regeln aufstellen, um Schutzräume zu schaffen, in denen Menschen gar nicht erst in die Situation geraten, wo sie nein sagen müssen.“

Bis Juni 2026 sollen alle evangelischen Gemeinden und Einrichtungen Schutzkonzepte erarbeitet haben. Fleischmann betont: „Man muss sich mit dem Thema selber auseinandersetzen. Mit den eigenen Ängsten und Unsicherheiten.“ Die Moderator:innen Claudia Schirmer und Bertram Althausen führten durch den Abend und fassten abschließend zusammen: „Veränderungen kommen nicht von alleine. „Es braucht Leidensdruck. Eine klare Vision. Und die Entschlossenheit, die ersten Schritte zu gehen.“

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