
In der Nordstadt wird die Veloroute 1 konkreter: In der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord stellte die Verwaltung die Planung für die Teilstücke 1A und 1B vor – und machte deutlich, dass die Stadt noch 2026 bauen will. „Im Jahr 2026, knapp sechs Jahre nach dem Ratsbeschluss zum Masterplan Mobilität, möchten wir die Veloroute in diesem Bereich nun umsetzen“, sagte Max Kumpfer vom Verkehrswendebüro der Stadt Dortmund in der Bezirksvertretung der Innenstadt-Nord.
Einbahnstraßen, Filter und roter Belag – damit der Durchgangsverkehr nicht gewinnt
Die rund 840 Meter lange Verbindung soll künftig den Burgwall mit der Mallinckrodtstraße verbinden – über Leuthardstraße, Krimstraße und Nordstraße. Ziel: Radverkehr sicherer, schneller und attraktiver machen. Kumpfer ordnete den Abschnitt in die Gesamtstrategie ein: „Die Veloroute 1 beginnt am Burgwall, führt durch die Leopoldstraße und die Krimstraße … und dann über die Nordstraße bis zum Nordmarkt.“

Die Grundidee ist bekannt: Im Nebennetz soll die Veloroute Vorrang bekommen. „Velorouten erhalten Vorfahrt im Nebennetz“, erklärte Kumpfer. Gleichzeitig müsse man verhindern, dass die Strecke für Autos zur Abkürzung wird.
„Das macht die Routen allerdings auch für den Kfz-Verkehr attraktiver. Deshalb haben wir die Vorgabe, bei hohen Verkehrsmengen oder starkem Durchgangsverkehr – wie in der Nordstraße – Modalfilter zur Verkehrsberuhigung oder Einbahnstraßen einzurichten, um den Durchgangsverkehr zu reduzieren und die Sicherheit zu erhöhen.“
Ein Kernpunkt ist die Park- und Flächenlogik. „Längsparken ist inzwischen bundesweiter Standard“, so Kumpfer. „Senkrecht- und Schrägparken sind durch die Novelle der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung nicht mehr gewünscht, da sie ein höheres Unfallrisiko bergen.“ Einbahnstraßen sollen helfen, Flächen zu sparen – und Parkraum, soweit möglich, zu erhalten: „Bevor wir Stellplätze entfernen, versuchen wir jedoch zunächst, Einbahnstraßen einzurichten. Dadurch benötigen wir weniger Fahrbahnbreite und können häufig mehr Parkraum erhalten.“
Auch die Rotmarkierung der Fahrradstraße bleibt politisch gewollt: „Es gab den politischen Wunsch, Fahrradstraßen vollflächig rot zu markieren. Dem kommen wir nach, es sei denn, die Straßen befinden sich in einem so schlechten Zustand, dass sie keine rote Decke vertragen.“
Warum kein Diagonalsperrfilter an der Heroldstraße?
„Die Planung ist gut und es wäre schön, wenn sie so umgesetzt wird. Das ist ein Riesenschritt für den Radverkehr in der Nordstadt“, betonte Thomas Oppermann (SPD). „Unsere Bedenken beziehen sich darauf, wie man durchsetzt, dass die Leute nicht auf der Veloroute parken. Wir haben massiven Besuchsverkehr von Menschen, die in der Münsterstraße einkaufen oder ins Restaurant gehen. Das wird ein Riesenproblem und eine Gefährdung für Radfahrer.“

In der Diskussion ging es schnell ins Detail. Timuçin Boldt (Linke) wollte wissen: „Warum hat man sich in der Nordstraße von der Heroldstraße für einen modalen Filter statt für eine Diagonalsperre entschieden?“
Kumpfer begründete das mit der Verkehrsführung: „Der ganze Bereich ist ein bisschen komplex. Mit einer Diagonalsperre hätten wir die Situation, dass der Autoverkehr, der von Süden kommt, nur noch nach links abbiegen kann. Der Autoverkehr von Norden kommend hätte gar nicht die Möglichkeit, Richtung Münsterstraße zu fahren, weil wir hier eine Einbahnstraße haben.“
Eine Diagonalsperre sei nicht unmöglich, aber: „Eine Diagonalsperre hätte wahrscheinlich auch funktioniert, aber das ist ein geringerer Eingriff für den Kfz-Verkehr, so war unsere Einschätzung.“
Tobias Frank, Leiter des Verkehrswendebüros, ergänzte später noch einen Punkt zur Heroldstraße: „Hätten wir eine Diagonalsperre im Bereich der Heroldstraße, hätten wir zwingend eine Fahrtrichtung in die Münsterstraße geschickt. Deswegen haben wir diese Version gewählt.“
Krimstraße: Sanierung offen – weil sie kaum förderfähig ist
Ein weiterer Streitpunkt: der Zustand der Krimstraße. Marko Unterauer (Grüne) schilderte, man habe versucht, die Sanierung „in ein Schnellläuferprogramm der Stadt mit reinzunehmen“. Seine Frage: „Wann wird denn die Krimstraße saniert, damit sie für Radfahrer als schnelle Verbindung nutzbar ist?“

Frank musste bremsen: „Ich wünschte, ich könnte jetzt sagen, wann genau es soweit ist.“ Die Stadt sei in der Haushaltssperre, zudem seien Sanierungen ein eigenes Problem: „Das Problem ist auch, dass Sanierungen im Zuge von Fahrradstraßen nicht förderfähig sind.“
Während die Fahrradstraßen-Maßnahmen selbst zu großen Teilen förderfähig sind („bis zu 80 Prozent“), bleibe die Kommune bei Instandsetzungen stärker allein. „Sprich, wir haben dann einen deutlich größeren Eigenanteil an den Kosten als bei diesen Quermaßnahmen, und den müssen wir erst mal aufbringen.“
Parkdruck und Restaurants: „Wie man das am Ende kontrolliert …“
Thomas Oppermann (SPD) richtete den Blick auf den Alltag rund um Münsterstraße und Nordstraße: „Der andere Aspekt ist der umfangreiche Besuchsverkehr bezüglich der Restaurants an der Nordstraße.“ Seine Sorge: Selbst wenn Regeln gelten, werde zu oft falsch geparkt – und zu selten kontrolliert. „Unser Problem ist die Einschätzung, dass Menschen ihr Auto dort abstellen und der Ordnungsdienst sich nicht in der Lage sieht zu handeln.“

Kumpfer verwies auf eine Mischung aus Halteverboten und Kontrolle – aber ohne falsche Versprechen: „Zum Parken auf der Fahrbahn: Wir werden das in dem Bereich durch absolute Halteverbote verbieten.“
Und zur Durchsetzung: „Wie man das am Ende kontrolliert: Die Kolleginnen und Kollegen in der Verkehrsüberwachung haben leider nicht ausreichend Personal, um ganz Dortmund flächendeckend regelmäßig zu kontrollieren. Vielleicht ändert sich das in der Zukunft.“
Gleichzeitig sollen Ladezonen Druck aus dem System nehmen. Frank sagte dazu: „Deswegen haben wir diese Ladebereiche mit eingeplant, um Liefern, Laden und kurzes Halten zu ermöglichen, ohne die Fahrbahn zu blockieren.“ Die BV votierte dafür, noch zwei weitere Ladezonen einzuplanen, um das Falschparken von Lieferverkehren zu reduzieren.
Zustimmung zur Planung – und Streit über das Tempo
In der politischen Bewertung gingen die Linien weniger entlang der Frage „ob“, sondern vor allem entlang der Frage „wie schnell“ und „wie begleitet“. Dorian Marius Vornweg (CDU) warnte davor, das Teilstück aufzuschieben, wie es die SPD zunächst gefordert hatte: „Im ersten Punkt wird gefordert, die Umsetzung erst nach Erstellung eines Konzeptes anzufangen. Das halte ich für sehr schlecht“, so Vornweg.

Seine Begründung: „Gerade dieses Teilstück schließt die Lücke zum Wall.“ Dies sah der Großteil der Bezirksvertretung so, weshalb die SPD ihren Antrag in den meisten Teilen zurückzog, vor Beginn ein Parkraumkonzept zu entwickeln.
Vornweg verwies auf die Akzeptanzdebatte: „Parkplätze sind ein sensibles Thema. Die Wahrnehmung ist, dass uns durch die Fahrradstraße das Parken weggenommen wird.“
Gleichzeitig müsse man auch klar sagen, was heute schon nicht in Ordnung sei: „Mit einem Kinderwagen durch die Nordstraße zu gehen, ist anstrengend bis unmöglich“, so der CDU-Politiker. Schon jetzt würden bestehende Regelungen – wie das Einhalten von Mindestgehwegbreiten – unterlaufen und nicht sanktioniert.
Kumpfer setzte auf Kommunikation: „Wir haben ein abgestimmtes Kommunikationskonzept. Wir verteilen Flyer in jedem Hauseingang und informieren über das, was wir tun, auch über Parkregelungen.“ Frank betonte dabei ausdrücklich die Linie, die Verwaltung ziehen will: „Besonders die Differenzierung zwischen Parken, das heute schon unzulässig ist, und Veränderungen durch die Veloroute ist wichtig.“
Ampel bleibt – auch wegen Barrierefreiheit

Bei der Querung Nordstraße/ Heroldstraße kam der alte Wunsch nach einem Zebrastreifen wieder auf. Kumpfer erklärte, warum die Ampel bleiben soll: „Das war ein großer Wunsch der Behindertenvertretung, die Ampel zu erhalten. Für blinde oder sehbehinderte Menschen ist ein Zebrastreifen nicht sicher, weil sie keine hörbaren Signale bekommen.“
Herr Meyer vom Tiefbauamt Stadt Dortmund ergänzte zur Ampel: „Die Signalanlage ist im Arbeitsprogramm zur Erneuerung vorgesehen. Sie bleibt bis zur Sanierung funktionsfähig und wird dann inklusive moderner Signale und Akustik erneuert.“
Ratsbeschluss und Ende der Haushaltssperre als Hürden

Für den Bau der Fahrradstraße hat die Stadt Fördermittel nach der Förderrichtlinie Nahmobilität beantragt. Bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten können darüber abgedeckt werden. Darüber hinaus wurden bei zwei weiteren Fördergebern entsprechende Anträge eingereicht.
Nach dem Baubeschluss durch den Rat im Februar und dem Ende der Haushaltssperre soll das Vergabeverfahren für die Arbeiten starten. Die Umsetzung der neuen Fahrradstraße auf der Veloroute 1 ist noch für dieses Jahr vorgesehen.
Hier gibt es den Streckenverlauf als PDF zum Download:
Streckenverlauf Veloroute 1 zwischen Wall und Nordmarkt
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Mehr dazu auf Nordstadtblogger:
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Reaktionen
Veloroute durch die Nordstadt: SPD fordert sichere Umsetzung und kritisiert Ablehnung zentraler Punkte (PM SPD-Fraktion Innenstadt-Nord)
In der Sitzung der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord wurde über den Antrag der SPD-Fraktion zur Umsetzung der Veloroute 1 im Bereich der Nordstraße beraten. Die SPD-Fraktion unterstützt die Ziele der Verkehrswende und den Ausbau sicherer Radinfrastruktur ausdrücklich, fordert jedoch eine sozial ausgewogene und realistische Umsetzung vor Ort.
Hintergrund des Antrags ist die bereits heute stark angespannte Parksituation im Quartier südlich des Nordmarkts. Nach Angaben der Verwaltung stehen dort 163 legale Stellplätze zur Verfügung, gleichzeitig wurden bei Erhebungen nahezu 100 Fälle von Falschparken festgestellt. Durch die Umsetzung der Veloroute 1 würden rund 20 Prozent der Stellplätze entfallen, was den bestehenden Parkdruck weiter erhöhen könnte. Viele Fahrzeuge sind dabei für berufliche Tätigkeiten, Pflegeleistungen oder familiäre Verpflichtungen notwendig und nicht ohne Weiteres verzichtbar.
Vor diesem Hintergrund hatte die SPD-Fraktion beantragt, die Umsetzung der Veloroute in der Nordstraße erst nach Vorlage eines integrierten Parkraum- und Mobilitätskonzepts weiterzuverfolgen. Dieses sollte unter anderem Anwohnerparken, wirksame Maßnahmen gegen Falschparken, die Sicherstellung der Verkehrssicherheit der Veloroute sowie eine abgestimmte Betrachtung weiterer Verkehrsmaßnahmen – etwa im Bereich der Münsterstraße – beinhalten. Zudem sollte die Verwaltung beauftragt werden, die Anwohnenden frühzeitig und transparent in die Planungen einzubeziehen.
Mit Verwunderung nimmt der SPD-Fraktionssprecher Shaban Idrizi zur Kenntnis, dass die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sowie die Partei und Fraktion Die Linke gegen die Punkte 2.4 (Maßnahmen zur Sicherstellung der Funktionsfähigkeit und Verkehrssicherheit der Veloroute, insbesondere im Hinblick auf Falschparken) und 3 (frühzeitige und transparente Beteiligung der Anwohnenden) gestimmt haben.
„Eine Veloroute ist nur dann dauerhaft erfolgreich, wenn sie sicher, frei von Falschparken und von den Menschen im Quartier mitgetragen wird“, erklärt Idrizi. „Dass Maßnahmen zur Verkehrssicherheit und zur Beteiligung der Anwohnenden keine Mehrheit gefunden haben, ist für uns nicht nachvollziehbar.“
Unabhängig vom Abstimmungsergebnis setzt die SPD-Fraktion weiterhin auf den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern und lädt daher am 28. Januar um 18 Uhr, in der Merkez Camii, an der Kielstraße 12 zu einer Anwohneranhörung zur geplanten Veloroute in der Nordstadt ein.
Die SPD-Fraktion wird sich auch weiterhin dafür einsetzen, dass die Verkehrswende in der Nordstadt sicher, sozial ausgewogen und gemeinsam mit den Menschen vor Ort umgesetzt wird.