Der Lippeverband prägt seit 100 Jahren die Wasserwirtschaft in Dortmund

Seit 1926 im Einsatz für renaturierte Gewässer und moderne Infrastruktur

Blick auf das Hochwasserrückhaltebecken
Der Lippeverband kümmerte ich seit 100 Jahren auch und den Hochwasserschutz u.a. mit dem Hochwasserrückhaltebecken in Dortmund-Scharnhorst. Foto: Team Vermessung/EGLV

Der Lippeverband feiert in wenigen Tagen sein 100-jähriges Bestehen. Seit der Gründung im Jahr 1926 übernimmt das öffentlich-rechtliche Unternehmen zentrale Aufgaben der Wasserwirtschaft in der Region. In Dortmund hat der Verband unter anderem Gewässer im Norden der Stadt renaturiert und betreibt die Kläranlage in Scharnhorst. Die Projekte verbinden Hochwasserschutz, Abwasserentsorgung und eine Aufwertung der Stadtquartiere.

100 Jahre Wasserwirtschaft für die Region

Der Erlass des Lippe-Gesetzes trat am 19. Januar 1926 in Kraft und markierte die Geburtsstunde des Lippeverbandes. Seitdem übernimmt das Unternehmen unverzichtbare Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge in der Region. Dazu zählen die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie wasserwirtschaftliche Maßnahmen, die eng mit der städtebaulichen Entwicklung entlang der Gewässer verbunden sind.

Außenansicht der Kläranlage
Die Kläranlage Dortmund-Scharnhorst wird vom Lippeverband betrieben – daher sind ihre Faulbehälter nachts auch grün angestrahlt. Foto: Klaus Baumers/EGLV

Mit der Verzahnung von Wasserwirtschaft und Städtebau verfolgt der Lippeverband gemeinsam mit seinen Mitgliedskommunen das Ziel, die Lebens- und Aufenthaltsqualität für die Bevölkerung in der Region zu verbessern. Der Betrieb moderner Abwasserkanäle, Pumpwerke, Kläranlagen und Hochwasserschutzeinrichtungen bildet dabei den Kern einer sozial-ökologischen Transformation.

„Die Renaturierung von einst technisch überformten Flüssen und Bächen ermöglicht die Rückkehr von blaugrünem Leben in diese Gewässer sowie eine verbesserte Erleb- und Erfahrbarkeit dieser neuen Naherholungsorte für die Menschen. Unser Selbstverständnis als Infrastrukturdienstleister für unsere Mitglieder hat sich in den vergangenen 100 Jahren nicht geändert. Das Wohl der Allgemeinheit steht dabei für uns nach wie vor an erster Stelle“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes.

Vom Schmutzwasserlauf zum Naherholungsort

Die größte und letzte „Köttelbecke“ im Dortmunder Norden ist seit dem Spätsommer 2020 endgültig Geschichte. Der Lippeverband hatte die ökologische Verbesserung am Kirchderner Graben und seinen Nebengewässern Borlandgraben, Böckelbach, Erlenbach, Rüschebrinkgraben sowie am Oberlauf der Körne und am Dahlwiesenbach als Anschlussmaßnahme an das 2010 abgeschlossene Seseke-Programm fertiggestellt. Früher dienten die Gewässer als offene Schmutzwasserläufe.

Blick in den Kirchderner Graben
Wie die Emscher-Gewässer ist auch der Kirchderner Graben vollständig renaturiert worden. Foto: Rupert Oberhäuser/EGLV

Die Bauarbeiten begannen bereits 2010 mit der Verlegung unterirdischer Abwasserkanäle am Knoten Scharnhorst. 2015 konnte schließlich die Abwasserfreiheit des Kirchderner Grabens gefeiert werden. Im Anschluss startete 2016 die Renaturierung der Gewässer. Vier Jahre später war das Ziel – blaue Flüsse mit grünen Ufern – erfolgreich umgesetzt.

„Mit der Abwasserfreiheit des Kirchderner Grabens und seiner Nebengewässer haben wir die Lebens- und Aufenthaltsqualität der Anwohnerinnen und Anwohner enorm gesteigert“, betonte Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes, 2020 zur Fertigstellung der Arbeiten. Naturnahe Flussläufe laden die Bevölkerung dazu ein, sich an den Gewässern aufzuhalten, zu entspannen und die neuen Naherholungsorte zu genießen.

Natur kehrt an die Gewässer im Dortmunder Norden zurück

Im und am Wasser ist zudem Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten entstanden. Aus ehemaligen Meideräumen wurden Gebiete der Naherholung, die von der Bevölkerung zunehmend genutzt werden.

Blick auf renaturierte Emscher
Der Emscher-Umbau prägt das gesamte Ruhrgebiet, Hier: Dortmund Mengede. Archivfoto: Ute Jäger / EGLV

Die Renaturierung hat die Stadtteile Kirchderne und Scharnhorst deutlich aufgewertet. Die Anwohner:innen profitieren besonders: Der Kirchderner Graben fließt buchstäblich an der Haustür vorbei. Statt früherer „Köttelbecken“ befinden sich nun blaue Bäche mit grünen Ufern direkt vor der Haustür. Die Bevölkerung kann diese neuen Naherholungsräume auf dem 1,6 Kilometer langen Fuß- und Radweg am unteren Kirchderner Graben sowie auf einem neuen etwa 600 Meter langen Teilstück am Oberlauf genießen. Die Wege wurden im Rahmen des Projektes „nordwärts“ mit 16.000 Euro gefördert.

Im Zuge der ökologischen Verbesserung hat der Lippeverband die Gewässer aus ihrem Betonkorsett befreit. Die ehemals begradigten Flüsse und Bäche entwickeln sich nun zu abwechslungsreichen, mäandrierenden Gewässertrassen. Neben der Kanalverlegung am Knoten Scharnhorst waren auch weitere Maßnahmen nötig: Das Abwasserpumpwerk Kirchderner Graben und das Gewässerpumpwerk Böckelbach wurden neu gebaut, ebenso das Abwasserpumpwerk Böckelbach und das Gewässerpumpwerk Kirchderner Graben umgebaut. Die Natur kehrt damit sichtbar an die Gewässer zurück.

Umfangreiche Arbeiten sichern Hochwasserschutz und Abwasserreinigung

Die Ausmaße der Arbeiten am Kirchderner Graben und seinen Nebenläufen sind auch heute noch beeindruckend: Insgesamt wurden 300.000 Kubikmeter Boden ausgehoben, 10.400 Meter unterirdische Kanalstrecken verlegt, vier Gewässer unterquert und Stauraum für 7.500 Kubikmeter Niederschlagswasser geschaffen. Für die Abwasserfreiheit und die ökologische Verbesserung der Gewässer im Dortmunder Norden hat der Lippeverband rund 120 Millionen Euro investiert, davon etwa 22 Millionen Euro allein in die Renaturierung.

Blick auf das Hochwasserrückhaltebecken
Das HRB Dortmund-Scharnhorst dient als Schutzanlage bei Starkregen oder anderen Hochwasserereignissen. Foto: Hans Blossey/EGLV

Von zentraler Bedeutung für den Hochwasserschutz ist das Hochwasserrückhaltebecken in Scharnhorst. Es kann maximal 378.000 Kubikmeter Wasser fassen und hat beim Hochwasser im Juli 2021 wesentlich dazu beigetragen, größere Schäden zu verhindern.

Das Wirken des Lippeverbandes ist auch an der Kläranlage Dortmund-Scharnhorst sichtbar, insbesondere nachts an den grün beleuchteten Faulbehältern. Die Anlage reinigt im Jahr 2024 insgesamt 17.665.766 Kubikmeter Abwasser und ist für 190.000 Einwohnerwerte ausgelegt, inklusive Industrieunternehmen. Im Durchschnitt flossen der Kläranlage im Jahr 2023 rund 586 Liter Abwasser pro Sekunde zu.

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