
Oft gibt es zwei sehr gegensätzliche Meinungen: „Wollen die hier nicht langsam mal das Unkraut mähen? Wie sieht das denn hier aus?!“ ist die eine. „Die Wiese hat so schön geblüht – und jetzt macht die Stadt Kahlschlag!“ ist die andere Position. Beides die mal so oder so zu hören. Die Antwort der Stadt ist klar: Ja, das soll so aussehen. „Wildblumenwiese. Hier blüht das Leben“ steht daher auf dem Schild am Wegesrand. Und ja. Es muss auch mal gemäht werden. Zwei Mal im Jahr – sonst blüht hier nichts mehr. Damit das künftig (noch) besser geht, hat das Grünflächenamt seinen Fuhrpark erweitert.
Rund 200 Hektar Fläche sind mittlerweile Wildblumenwiese
Auf vielen öffentlichen Flächen in Dortmund erblühen seit dem Frühjahr wieder „wilde Wiesen“, die zur Artenvielfalt beitragen. Doch nun müssen Mitarbeitende des Grünflächenamts diese Blühwiesen nach und nach mähen. Der Prozess erfolgt nach einem herkömmlichen, alten Verfahren und ist besonders schonend.

Das Ziel des „Saat- und Mähmanagements“: Die Dortmunder:innen sollen auch in den kommenden Jahren Blütenpracht erleben können statt nur hohe Gräser und Büsche auf öffentlichen Flächen.
Um mehr Rasen in Wiese umzuwandeln und zu pflegen, hat das Grünflächenamt seinen Maschinenpark in den vergangenen Jahren erheblich erweitert und umgestellt. Mittlerweile sind ca. 200 Hektar umgewandelt worden.
Mehr als einhundert Flächen, über das Stadtgebiet verteilt, wurden mit einer regionalen Saatgutmischung eingesät. Auf Teilflächen wurden spezielle, ganz unterschiedliche Blühmischungen eingesät, um die Attraktivität der Flächen für die Insekten, aber auch den Augen der Bürger*innen etwas zu bieten.
Balkenmähwerk und Ballenpresse zum Wohl der Insekten in Aktion
Konkret gehen die Mitarbeitenden des Grünflächenamtes zuerst mit einem Balkenmähwerk an die Fläche und schneiden das Gras. Anschließend werden die Flächen mit einem Wender bearbeitet, so dass sich das Schnittgut locker verteilt. Das Wenden stellt sicher, dass sich die Samen der Blühpflanzen verteilen. Das getrocknete sogenannte Mahdgut wird dann mit einem Schwader in Reihe gelegt. Im nächsten Arbeitsgang werden Rundballen gepresst, hierfür wird eine Rundballenpresse eingesetzt.

Bei normaler Wetterlage muss dieses Mähmanagement zweimal im Jahr erfolgen – der erste Schnitt im Juni/Juli, der zweite Schnitt im September/Oktober. Denn: Wenn eine Wiese nur einmal im Jahr gemäht wird oder sogar über Jahre brach liegt, setzen sich die Gräser durch.
Das weiß auch Jürgen Hundorf vom Grünflächenamt. Den hohen Arbeitsaufwand rund um die wilden Wiesen begründet er so: „Blühwiesen sind vom Menschen gemacht. Auf einer allein der Natur überlassenen Wiese setzen sich mittelfristig immer Gräser und Büsche durch. Um also lange etwas von der Blütenpracht zu haben, muss der Mensch die Pflege der Wiese übernehmen.“
Je nach Wiese gibt es unterschiedliche Blüten
Dass Insekten wilde Wiesen gefallen und besondere Arten bei entsprechenden Angeboten sogar den Weg zurück auf städtische Flächen finden, ist inzwischen mehrfach wissenschaftlich bestätigt worden.
Langfristiges Ziel des Grünflächenamtes ist es, ein Mosaik aus verschiedenen Wiesentypen über das gesamte Stadtgebiet zu entwickeln und zu vernetzen.


Reaktionen
Martina Jonas
Zu mähen ist ja richtig.
Warum immer in einer Zeit in der es viele Jungtiere aller Arten gibt? Brut- und Setzzeit, auch bei allen Insekten.
Warum lässt man keine Schafe o.ä weiden. Die verdichten den Boden nicht und er trocknet nicht so aus.
Das sehe ich wo ich lebe ganz extrem. Da liegt teilweise die ober Erdschicht blank. Einfach unfassbar.
Pflege für Dortmunds ökologisch wertvolle Wildblumenwiesen: Das Grünflächenamt beginnt mit der Sommer-Mahd (PM)
Wildblumenwiesen gehören mittlerweile fest zum Dortmunder Stadtbild. Die insgesamt 81 städtischen Wiesen sind hübsch anzuschauen und haben einen großen ökologischen Nutzen. Damit das so bleibt, brauchen sie eine regelmäßige Pflege. Das Grünflächenamt beginnt Mitte Juni mit der Mahd.
Die 81 Wildblumenwiesen, die das Grünflächenamt pflegt, sind über die ganze Stadt verteilt. Spaziergänger*innen finden die Flächen zum Beispiel an der Dorstfelder Allee, an der Marsbruchstraße / Einmündung Gottesacker, nahe den Westfalenhallen oder im Hansemannpark.
Zweimal im Jahr, einmal im Sommer und einmal im Herbst, schneiden die Mitarbeiter*innen des Grünflächenamts die Wiesen zurück. Manchmal reagieren Bürger*innen irritiert auf die Mahd und fragen sich, warum bei einer so naturnahen Wiese überhaupt eingegriffen wird. Die Pflege ist aber wichtig, damit die Flächen sich weiter gut entwickeln können und nicht zuwuchern. Gräser und Büsche würden die Blumen auf Dauer verdrängen. Die Wiesen dienen aber auch als Puffer für Wetterextreme. Sie können bei Starkregen Wasser aufnehmen und bei Hitze das Mikroklima entspannen. Um diese wichtigen Funktionen zu stärken, ist eine gute Pflege unerlässlich.
Kufen schützen kleine Tiere
Weil die Wildblumenwiesen nicht nur für Insekten eine Attraktion sind, geht das Grünflächenamt bei der Mahd sorgsam vor. Um kleine Tiere wie Mäuse und Reptilien zu schützen, halten die Mähwerke einen Abstand von zehn Zentimetern zum Boden ein. Besondere Kufen am Gerät machen es möglich. Rehe halten sich eher selten auf den Flächen – das liegt auch an den vielen Hunden in der Stadt, vor denen die scheuen Tiere sich lieber fernhalten. Kommt es doch einmal vor, werden Rehe spätestens beim Eintreffen der Kolonnen aufgescheucht.
Wenn die Mitarbeiter*innen des Grünflächenamts mit der Mahd einer Wildblumenwiese fertig sind, bleibt das Schnittgut ein paar Tage auf der Fläche liegen, damit es trocknet. Dazu wenden die Mitarbeiter*innen es zwischenzeitlich. Im Anschluss legen die Teams das Schnittgut in lockeren Reihen zusammen. Mit dem so genannten Schwaden wird der nächste Arbeitsschritt vorbereitet: Die Ballenpresse verarbeitet das Schnittgut zu kompakten Ballen, die dann für die Energiegewinnung genutzt werden.
YouTube-Video: Schonende Mahd auf Dortmunds Wildblumenwiesen https://youtu.be/3A797uQKPFA