
Dortmunds Ehrenbürger und Alt-Oberbürgermeister Günter Samtlebe wäre am 25. Februar 100 Jahre alt geworden. Die Stadt erinnert mit einer Festveranstaltung an sein Lebenswerk und seine Verdienste um Dortmund. Von 1973 bis 1999 leitete er die Stadt in Zeiten des wirtschaftlichen Strukturwandels. Samtlebe war als bürgernaher Politiker, Stadtgestalter und „Kümmerer“ beliebt. 2011 starb er im Alter von 85 Jahren.
Jugend und beruflicher Werdegang
Günter Samtlebe wurde am 25. Februar 1926 in Dortmund-Schüren geboren. Seine Jugend war von den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs geprägt, als er mit 17 Jahren zum Kriegsdienst eingezogen wurde.
Erst im Jahr 1983 wurde bekannt, dass Samtlebe ab 1943 Mitglied der Waffen-SS – und zwar der 9. SS-Panzer-Division „Hohenstaufen“ – war. Die Aufstellung der Division wurde Ende 1942 befohlen und das Personal wurde aus früheren Mitgliedern der Hitlerjugend gewonnen.
Nach Kriegsende absolvierte Samtlebe eine Verwaltungsausbildung, arbeitete zunächst als Hüttenarbeiter und wurde später Direktor der Hoesch Stahl AG im Bereich Allgemeine Verwaltung. Bereits 1946 trat er in die SPD ein, 1956 wurde er in den Rat der Stadt Dortmund gewählt. Sein politischer Weg bereitete den Boden für eine lange Amtszeit als Oberbürgermeister.
Fünfmal wiedergewählt: Prägung einer Stadt
Samtlebes über 26 Jahre währende Amtszeit als Oberbürgermeister begann am 12. Februar 1973. Nach fünf Wiederwahlen endete sie am 30. September 1999 mit der Einführung der neuen Kommunalverfassung und der Direktwahl des Oberbürgermeisters – ein Reformschritt, den er selbst unterstützte.

Durch seine Tatkraft, Menschennähe und starke Persönlichkeit verlieh Günter Samtlebe dem Amt des Oberbürgermeisters in Dortmund eine unverwechselbare Prägung und großes Ansehen. Dabei war es sehr populär.
Die Bodenständigkeit der Stadt repräsentierte auch ihr „Erster Bürger“. Die meisten nannten ihren Oberbürgermeister „Günter“. Seine tiefe Dortmunder Verwurzelung zeigt sich in dem Satz: „Auch im nächsten Leben käme ich wieder als Dortmunder zur Welt.“
Verwurzelt in Dortmund und der Montanindustrie
Als Mann aus der Montanindustrie fühlte sich Samtlebe besonders mit den Beschäftigten verbunden. Ein typisches Samtlebe-Zitat über die Logik des Dortmunder Dreiklangs: „Um sieben Millionen Tonnen Kohle zu fördern und sieben Millionen Tonnen Stahl zu erzeugen, brauchte man sieben Millionen Hektoliter Bier.“
Gleichzeitig erkannte er früh die Notwendigkeit des wirtschaftlichen Strukturwandels. Nach der Gründung der Dortmunder Universität setzte er wichtige Impulse für neue wirtschaftliche Perspektiven.
Im Jahr 1980 initiierte Samtlebe die „Dortmund-Konferenz“, die weit über die Stadtgrenzen hinaus als beispielhaft galt. Sie brachte Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung in Dortmund zusammen, um den Strukturwandel der Stadt des Stahls, der Kohle und des Bieres zu einem Zentrum für Forschung, Lehre und Hochtechnologie voranzutreiben.
Europäische Partnerschaften und städtische Impulse
1994 setzte Günter Samtlebe einen weiteren Schwerpunkt in der Stadtentwicklung mit der Einrichtung der City-Runde. Während seiner Amtszeit prägten auch der Bau der Stadtbahn, die fußgängerfreundliche Neugestaltung der Innenstadt und der Neubau des Rathauses am Friedensplatz das Stadtbild. Eine kleine, aber prägnante Randnotiz: Auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin wurde Mitte der Neunziger Jahre das Projekt des „größten Weihnachtsbaumes der Welt“ umgesetzt, das bis heute eine Dortmunder Attraktion ist.

Bereits früh engagierte sich Samtlebe für die Aussöhnung zwischen den Völkern und gilt damit als Vordenker des heutigen Europas. Sein Einsatz zeigte sich nicht nur lokal, sondern auch international in der Pflege von Kontakten und Kooperationen zwischen Städten.
Unter seiner Amtsführung entstanden zahlreiche Städtepartnerschaften, darunter mit Rostow am Don (1977), Buffalo (1978), Netanya (1981), Novi Sad (1982), Zwickau (1992) und Xi’an (1992).
Aus diesen Verbindungen entwickelten sich vielfältige persönliche Begegnungen und Hilfsprojekte, die Samtlebe oft persönlich initiierte oder aktiv unterstützte.
Ehrenbürger und bleibendes Vermächtnis
Auch über Dortmund hinaus war Günter Samtlebe politisch einflussreich. Von 1983 bis 1985 stand er als Präsident an der Spitze des Deutschen Städtetages, dessen Präsidium er von 1980 bis 1999 angehörte. Im Ruhrgebiet gehörte er zu den Mitbegründern des Arbeitskreises der Oberbürgermeister, initiierte 1984 die Initiative „Olympische Spiele im Ruhrgebiet“ und übernahm 1985 für sieben Jahre den Vorsitz des Kuratoriums des Vereins „Pro Ruhrgebiet“.

2002 wurden ihm die Ehrenbürgerrechte der Stadt Dortmund verliehen. Mit seinen Ideen, Projekten und seiner unverwechselbaren Persönlichkeit zählte er zu den bekanntesten und geachtetsten Kommunalpolitiker:innen Deutschlands. Sein Einfluss und Engagement galt stets dem Wohl der Stadt und ihrer Menschen.
Am 7. Juli 2011 starb Alt-Oberbürgermeister Samtlebe im Alter von 85 Jahren. 2015 wurde der Günter-Samtlebe-Platz in der Dortmunder City offiziell benannt und eingeweiht. Die Stadt bewahrt ihm damit ein ehrendes Gedenken.

