
Sie stellen sich gegen Vorurteile, Cybermobbing, Hass im Netz und soziale Isolation. Gemeinsam wollen sie sich Räume zurück erobern und fordern die Älteren zum Zuhören auf. „Honig statt Hass“ heißt das Projekt, dass Jugendliche der „Jugend[kultur]Werkstatt“ (JuKuWe) in Hörde-Clarenberg zusammen erarbeitet und im Dortmunder Medienhafen präsentiert haben. Dabei sind zwei Kurzfilme und ein Social-Media-Kanal entstanden.
„Wenn der Prozess läuft stimmt das Endergebnis“
„Honig statt Hass“, den Titel haben die Jugendlichen selbst entworfen. Es war einer von vielen Vorschlägen. Am Ende wurde demokratisch abgestimmt. Im Film wird erklärt, was sie sich dabei gedacht haben. Man müsse „Honig“ als Metapher sehen. „Hass“ sei ein sehr hartes Wort und „Honig“ stehe für das Gegenteil, sei süß und weich, berichtet eine der Jugendlichen. Man könne Honig auch als ein Werk betrachten, an dem viele mitgearbeitet haben. Auch für die nächste Generation, sagt ein anderer.

Außerdem sei der Slogan kurz und einprägsam, ähnlich wie „Hass und Hetze“, nur eben positiv, so eine weitere Teilnehmerin. Außer den zwei Filmen wurden insgesamt 27 Beiträge für den eigenen Social-Media-Kanal produziert. Auch das Logo wurde selbst erstellt.
„Ich habe nur den Rahmen gesetzt. Mir war der Prozess wichtig. Wenn der Prozess läuft stimmt das Endergebnis“, sagte Sefa Yildiz, Gründer der Kreativ Agentur „Koala & Fox“ und Initiator des ISL (Impact Storytelling Lab) NRW.
„Warum existiert das ISL? Weil extremistische Akteure auf sozialen Medien dominieren“, sagte Yildiz. „Wir müssen es besser machen. Deshalb haben wir uns mit ISL genau das vorgenommen.“ Die Teilnehmer:innen sollten nicht nur informiert werden wie Hate-Speech und Falschinformationen funktionieren, sondern auch die Möglichkeit bekommen ihre eigene Stimme einzusetzen, so Yildiz.
„Pädagogisch wollten wir, dass Jugendliche verstehen wie Algorithmen und Desinformation funktionieren. Und dass sie ein eigenes Medienbewusstsein entwickeln können. Kreativ wollten wir, dass Jugendliche eigene Inhalte umsetzen. Keine Fremdzuschreibungen, keine Bittsteller sondern, dass sie sich wohlfühlen mit dem was sie zu erzählen haben. Und gesellschaftlich wollten wir, dass der digitale und soziale Raum in Dortmund wieder aktiv mitgestaltet wird“, so Yildiz.
Durch Kulturpädagogik mehr Struktur im Alltag
Mathusha Parameswaran von der JuKuWe in Hörde, war maßgeblich an dem Projekt beteiligt. „Wir bieten tagesstrukturierende Maßnahmen für Jugendliche die Probleme mit der Schule haben, die mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, die Mobbing-Erfahrungen gemacht haben, oder unter sozialen Ängsten leiden.
Sie können hier lernen wieder Struktur in ihren Alltag zu bringen. Sie sind dann drei Tage in der Werkstatt und zwei Tage in der Schule und holen ihren Hauptschulabschluss nach Klasse neun nach“, so Parameswaran. An Tagen in der Werkstatt würden sie kulturpädagogisch betreut.

Dazu gehörten Aktivitäten, wie musizieren, töpfern oder auch das Schreiben eines eigenen Buches, sagte sie. Sie spricht sich dafür aus, jungen Menschen mehr zu zutrauen. Ihre Arbeit und die JuKuWe werden ebenfalls in einem der Filme vorgestellt.
Weitere Unterstützung erhielten Yildiz und Parameswaran durch Dunja Schnäbelin von der Landesanstalt für Medien NRW, die das Projekt bereits seit der Antragsphase begleitete. Dazu kamen zwei externe Expert:innen, die im Rahmen des Projekts einen Workshop zum Thema Hate-Speech hielten. Ihre Namen wollten sie aus Gründen des Selbstschutzes aber nicht veröffentlichen.
„Ich bin auch stolz, dass heute viele Leute hier sind, die an dem Projekt teilgenommen haben“, sagte Marco Janiel, Projektleiter der Grünbau gGmbH. Manche hätten aber auch „die faule Ausrede, dass sie heute zur Schule gehen und an ihrer Zukunft arbeiten. Aber das nehmen wir mal als gutes Zeichen“, sagte er mit einem Schmunzeln.
Jugendliche berichten: Angst und Isolation durch Social Media
Nach der eigentlichen Filmpremiere fand eine Diskussions- und Fragerunde statt. Hier kamen auch die Jugendlichen nochmal zu Wort. Sie erklärten dem Publikum, warum sich junge Menschen heute oft allein gelassen fühlten. Die erzwungene Isolation während der Corona-Zeit spiele eine große Rolle. Viele hätten verlernt miteinander zu reden. Oft gehe es nur noch darum, wer gewinne und wer verliere. „Und dann traut man sich vielleicht nicht“, berichtete eine Teilnehmerin. Auch die sozialen Medien hätten dazu beigetragen.

Hier hätten viele Menschen jede Hemmung verloren und Freude daran gefunden „anderen das Leben zur Hölle zu machen“, berichtete eine weitere. „Ich habe selber keine sozialen Medien mehr, weil mich das auch teilweise richtig fertig gemacht hat“, erzählte sie.
Durch das digitale Zeitalter verlerne man echte Kommunikation, „So richtig von Mensch zu Mensch“. Hinzu käme auch die politische Dimension. Die Spaltung in links und rechts beginne schon früh und die Offenheit miteinander zu reden, sei oft gar nicht mehr vorhanden, berichteten die Jugendlichen. Obwohl zu Beginn des einwöchigen Programms nur die Hälfte der Teilnehmer:innen bereit waren auch vor der Kamera zu sprechen, gelang es ihnen Vertrauen zueinander aufzubauen. Gefilmt wurde nur, wer einverstanden war.
„Wir wollen nächstes Jahr weitermachen“
Am meisten habe ihm die gemeinsame Arbeit gefallen, erklärte einer von ihnen. Dass tatsächlich etwas getan wurde und dass sich bemüht wurde das weiter zu verbreiten gebe ihm Hoffnung. „Wir haben viel über den Namen diskutiert und dann hat man gemerkt, okay, da finden wir doch irgendwie eine Mitte. Wenn wir alle zusammen arbeiten“, erklärte ein anderer.
Eine dritte Teilnehmerin erzählte, dass sie sehr berührt war zu sehen, wie sich alle geöffnet haben. Da habe man gemerkt wie viel Motivation dahinter gesteckt habe, obwohl sie zu Beginn eine sehr stille Gruppe gewesen seien.
„Wir wollen nächstes Jahr weitermachen“, sagte Yildiz. Man habe jetzt erste Erfahrungen sammeln können. Das helfe auch bei der Suche nach neuen Trägern. Dabei denkt er nicht nur lokal, sondern bundesweit. Das Impact Storytelling Lab NRW wurde von Koala & Fox entwickelt und gemeinsam mit der GrünBau gGmbH umgesetzt. Gefördert wurde das Projekt von der Landesanstalt für Medien NRW.
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