In Dortmund backen und verkaufen rund 2.010 Profis Brot, Brötchen und Butterkuchen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) appelliert an die Bäckereien in Dortmund diese „Frühaufsteher-Jobs“ attraktiver zu machen und die Arbeitsbedingungen weiter zu verbessern.
Der „Bäckerei-Monitor“ analysiert das Backgewerbe
„Sie müssen früh auf den Beinen sein. Der Wecker rappelt bei vielen schon mitten in der Nacht. Morgenmuffel haben’s da eher schwer“, sagt Torsten Gebehart von der NGG. Allerdings passiere in der Backbranche gerade viel, was die Arbeit in Bäckereien erleichtern könne: „Schafft eine Bäckerei zum Beispiel neue Kühltechnik an, kann der Teig schon am Vortag vorbereitet werden. Morgens wird dann gebacken. Dadurch liegen ein paar Stunden mehr Schlaf drin“, so Torsten Gebehart.
Daher ruft der Geschäftsführer der NGG Dortmund die Bäckereien dazu auf, die Jobs der Branche attraktiver zu machen. Immerhin beklage gut die Hälfte der Beschäftigten im Backgewerbe, oft Überstunden machen zu müssen. Das ist ein Ergebnis des „Bäckerei-Monitors“, den die Hans-Böckler-Stiftung im Auftrag der NGG gemacht hat. Die Gewerkschaft hat dazu zum ersten Mal bundesweit rund 1.400 Beschäftigte im Bäckerhandwerk und in der Brotindustrie befragt. Künftig soll es die Branchen-Analyse einmal pro Jahr geben.
Beim ersten „Bäckerei-Monitor“ haben mehr als acht von zehn Beschäftigten angegeben, dass sie oft Zeitdruck und Stress im Job erleben. Knapp die Hälfte arbeitet mit wenig Pausen. Und 84 Prozent beklagen, dass Personalmangel im eigenen Betrieb für sie zu spürbaren Belastungen führe.
Gebehart: „Ohne Migranten wird das Brotbacken schwierig“
„Nachwuchs ist ein entscheidender Punkt – vor allem für das Bäckerhandwerk“, sagt Torsten Gebehart. Insgesamt gebe es aktuell in den 74 Betrieben des Backgewerbes in Dortmund 130 Auszubildende – vom Bäcker-Azubi bis zur Auszubildenden im Fachverkauf. Die NGG beruft sich bei den Angaben zu Betrieben und Beschäftigten im Backgewerbe auf Zahlen der Arbeitsagentur.

Beim Bäckerei-Nachwuchs sieht die NGG Dortmund einen Trend: Immer häufiger setzten Bäckereien in der Region auf Migranten. „Eines ist klar: Ohne junge Menschen, die als Geflüchtete oder Zuwanderer zu uns kommen, wird das Brotbacken von morgen schwierig“, so Torsten Gebehart. Bereits heute habe bundesweit jeder vierte Azubi im Backgewerbe einen Migrationshintergrund.
Für den Nachwuchs habe die NGG zusammen mit dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks einen wichtigen Anreiz gesetzt: „Das Portemonnaie der Azubis in Bäckereien ist deutlich voller geworden. Zum Ausbildungsstart bekommen sie bereits 1.020 Euro pro Monat. Und im dritten Ausbildungsjahr sind es sogar 1.230 Euro“, so Torsten Gebehart.
Die NGG kündigt an, noch in diesem Jahr mit den Arbeitgebern über eine weitere Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu verhandeln – vor allem in der Brotindustrie: „Wichtig sind bessere Arbeitszeiten. Es geht darum, die Belastungen gerade bei Früh-, Spät- und Nachtschichten besser aufzufangen: Wenn auf sechs Tage Schichtarbeit drei freie Tage folgen, dann lassen sich die Jobs in der Brotindustrie dadurch enorm attraktiver machen“, sagt Torsten Gebehart. Die NGG werde sich unter dem Motto „Backen wir’s“ auch für bessere Löhne stark machen: „Es ist wichtig, dass alle Bäckereien Tariflohn zahlen. Denn wenn der Lohn von heute schon ein Problem ist, dann ist es die Rente von morgen erst recht“, so Gebehart.


Reaktionen
„Laden-Alarm“ für Bäckereien in Dortmund: Ohne Lohn-Plus laufen Bäckermeistern die Verkäuferinnen weg – es gibt 66 Bäckereien mit 2.610 Beschäftigten in Dortmund (PM NGG)
Mehr Brötchen verdienen: Die rund 2.610 Bäckerei-Beschäftigten in Dortmund sollen alle am Monatsende mehr Geld auf dem Lohnzettel haben. Das fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „1 Euro mehr pro Stunde – für jeden Bäcker und auch für jede Verkäuferin. Denn es wird höchste Zeit, dass es für den Verkauf im Laden das gleiche Lohn-Plus gibt wie fürs Backen am Ofen“, sagt Torsten Gebehart von der NGG Dortmund.
In der laufenden Tarifrunde für das Bäckerhandwerk Nordrhein-Westfalen geht es der Gewerkschaft vor allem darum, dass „die Verkaufstresen in den 66 Bäckereien und deren Filialen in Dortmund nicht verwaisen“. Denn die NGG schlägt „Laden-Alarm“: „Mit Billiglöhnen werden es die Bäckereien in Dortmund demnächst nicht mehr schaffen, ihre Ladentheken zu besetzen. Tatsächlich haben die Arbeitgeber für angelernte Verkäuferinnen, für Helfer in Produktion und Verwaltung und für Bedienungen in den Cafés, die frisch dabei sind, einen Stundenlohn angeboten, der gerade einmal 20 Cent über dem gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro liegt. Im nächsten Jahr soll der Abstand zum Mindestlohn dann sogar nur noch 10 Cent betragen. Wenn das ihr Ernst ist, dann laufen den Bäckermeistern die Verkäuferinnen weg“, sagt Torsten Gebehart.
Immerhin sei die Arbeit in Bäckereien kein „08/15-Job“: „Da werden Allroundtalente gebraucht“, so Torsten Gebehart. Brot, Brötchen, süße Teilchen und Kuchen zu verkaufen, erfordere Beratung und oft genug auch „starke Nerven, wenn der Laden zu Stoßzeiten rappelvoll“ sei. „Gerade der Job am Bäckereitresen ist ein Mix aus Ernährungsberatung und Kummerkasten. Es geht um guten Service. Denn an der Ladentheke wird der Umsatz gemacht“, so NGG-Geschäftsführer Gebehart. Fachverkäuferinnen seien früh auf den Beinen. „Zur Arbeit gehört oft auch das Schmieren von Brötchen für den Verkauf auf die Hand. Genauso das Frühstückmachen und das Ausschenken von Kaffee, Tee, Cappuccino & Co.“, so Gebehart.
Der Geschäftsführer der NGG Dortmund appelliert an die Bäckermeister in der Stadt, Druck auf den Bäckerinnungsverband West zu machen. Dieser müsse bei der dritten Verhandlungsrunde in der kommenden Woche (Hinweis f.d. Red.: Dienstag, 17. März) „endlich ein ordentliches Angebot auf den Tisch legen“. „Andernfalls werden mehr und mehr Beschäftigte den Bäckereien in Dortmund den Rücken kehren“, warnt Torsten Gebehart von der Bäckerei-Gewerkschaft. Besonders für den Bäckerei-Nachwuchs sieht der Geschäftsführer schwarz: „Wenn Fachkräfte nach dem Willen der Gegenseite gerade einmal 35 Cent mehr verdienen sollen, hat das eine verheerende Signalwirkung für potenzielle Azubis. So lässt sich kein Zuwachs an Fachkräften gewinnen, der ohnehin schon seit Jahren wegbricht. Das ist nicht tragbar für die Zukunft der Branche.“