Unternehmen beklagen gestiegene Preise und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen

117. Ruhrlagebericht der Industrie- und Handelskammern

Drei Männer präsentieren den Ruhrlagebericht.
IHK zu Dortmund/Stephan Schütze (v. l.): Dr. Fritz Jaeckel (IHK Nord Westfalen) mit Roland Klein und Stefan Schreiber (IHK Dortmund).

Die Wirtschaft im Ruhrgebiet erholt sich nur schleppend. Zwar hat sich die Stimmung unter den Unternehmen etwas verbessert, doch von einem echten Aufschwung kann keine Rede sein. Besonders der Einzelhandel steckt in Schwierigkeiten. Hohe Energiepreise und politische Rahmenbedingungen bereiten den Betrieben weiterhin Sorgen. Beim neuen Ruhrlagebericht in Dortmund forderten Wirtschaftsvertreter deshalb weitreichende Reformen – von niedrigeren Stromsteuern bis hin zu einem flexibleren Kündigungsschutz.

Schwankende Preise durch globale Konflikte belasten Unternehmen

Zusammen mit den Hauptgeschäftsführern der IHK Dortmund und der IHK Nord Westfalen, Stefan Schreiber und Fritz Jaeckel, erläuterte er die aktuellen Zahlen. „Ein deutlich wirtschaftlicher Aufschwung ist derzeit nicht erkennbar. Die Wirtschaft im Ruhrgebiet befindet sich aktuell vielmehr auf einem vorsichtigen Erholungskurs“, erklärte Klein.

IHK zu Dortmund/Stephan Schütze Dortmunds IHK-Präsident Roland Klein

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine, sowie Konflikte im Nahen Osten belasteten die Weltwirtschaft weiterhin erheblich. Die dadurch entstandenen Preisschwankungen auf Energie- und Rohstoffmärkten führten zu erhöhten Kosten und Planungsunsicherheiten, auch für Unternehmen im Ruhrgebiet. An der aktuellen Erhebung nahmen 670 Unternehmen mit insgesamt etwa 79.000 Beschäftigten teil.

Der Ruhrlagebericht ist das Ergebnis einer zweimal im Jahr stattfindenden Umfrage zur Geschäftslage und den Erwartungen von Unternehmen im Ruhrgebiet. Er dient als Indikator für die Konjunktur. Der Klimakonjunkturindex für das Ruhrgebiet kletterte mit einem Wert von 95 und einem Plus von zwei Punkten zwar auf den höchsten Wert der seit Herbst 2026 gemessen wurde, bleibt aber unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten und liegt somit weiter im pessimistischen Bereich.

Der Handel ist bei Geschäftslage und Geschäftserwartungen Schlusslicht

Mit der Geschäftslage waren 75 Prozent der befragten Unternehmen zufrieden. Ein Plus von einem Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn. Besonders zufrieden waren dabei Unternehmen der Dienstleistungsbranche. Nur 16 Prozent bewerteten die Lage als schlecht. In der Industrie waren es 28 Prozent. Das Schlusslicht war der Handel. 36 Prozent der Unternehmen bewerten hier die Lage als schlecht.

IHK zu Dortmund/Stephan Schütze Stefan Schreiber und Fritz Jaeckel

Ein ähnliches Bild zeigten auch die Geschäftserwartungen. 77 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer stabilen Geschäftslage oder eine Verbesserung dieser. Hier führt die Industrie das Ranking an.

Acht von zehn Unternehmen erwarten eine Verbesserung der Lage oder gehen zumindest von stabilen Verhältnissen aus. Ein ähnliches Bild ergibt sich im Dienstleistungsbereich. Der Handel bildet auch hier das Schlusslicht. 31 Prozent der Unternehmen schauen pessimistisch in die Zukunft.

Die Probleme die der Handel habe ließen sich besonders auf E-Commerce und die fehlende Attraktivität des Einzelhandels zurückführen. „Es gibt einige Unternehmen, die in den letzten Jahren das Thema E-Commerce verpasst haben aber vielleicht auch bei der Innenausstattung mehr hätten machen müssen“, erklärte Schreiber.

Hinzu käme die „Kanibalisierung“ des Einzelhandels durch Billigimporte von chinesischen Plattformen wie Shein oder Temu. Diese unterliefen europäische Produktstandards und seien trotz gesetzlicher Maßnahmen weiterhin im Markt, erklärte Jaeckel und ergänzte: „Nach Einschätzung der Kollegen im Handel ist das noch immer nicht ausreichend.“

Lob für Bürokratie-Entlastungspaket Forderung nach Senkung der Stromsteuer

Die am häufigsten genannten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung waren mit jeweils 63 Prozent die Energie- und Rohstoffpreise, sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

„Unternehmen benötigen vor allem verlässliche und marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Planungssicherheit schaffen und Investitionen fördern“, erklärte Klein und kritisierte Maßnahmen wie den Tankrabatt oder einen möglichen Energiepreisdeckel als kurzweilig und unwirtschaftlich.

Luftbild - Blick auf das Containerterminal Dortmund
Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de Die Wettbewerbssituation ist schwierig.

„Langfristig lassen sich Energiepreise nur durch ein größeres Angebot, mehr Wettbewerb und stabile politische Rahmenbedingungen dauerhaft senken“, so Klein. Er adressierte die Bundesregierung und forderte sie auf, die Stromsteuer für Betriebe und Privathaushalte auf das europäische Mindestmaß zu senken. Die dafür nötigen Mittel seien vorhanden.

Erfreut zeigte er sich über das Bürokratie-Entlastungspaket der Landesregierung NRW, das im kommenden Jahr in Kraft tritt. Er bezeichnete es als „einen Schritt in die richtige Richtung“ und hob die Abschaffung von Berichts- und Dokumentationspflichten als zentral hervor. Für Unternehmen bedeute dies „mehr Vertrauen, weniger Kontrolle, schnellere Verfahren und mehr Freiraum für pragmatische Lösungen.“

Flexibilisierung des Kündigungsschutz zur Anpassung an schwächelnde Konjunktur

Großen Reformbedarf sehen die befragten Unternehmen mit Blick auf Sozialversicherungsbeiträge. Zwei Drittel sprachen sich für eine Senkung dieser aus. Knapp die Hälfte gab außerdem an, dass sie sich mehr Flexibilisierung beim Kündigungsschutz wünschen.

„Arbeitsrecht und Tarifrecht sind Themen, die die Arbeitgeberverbände mit den Gewerkschaften aushandeln und nicht die Kammern“, betonte Schreiber und erklärte: „Nichts desto Trotz zeigen unserer Unternehmen aber auf, dass das Thema Flexibilisierung beim Kündigungsschutz sicherlich in Tarifrunden demnächst noch eine Rolle spielen wird.“

Grund hierfür seien Anpassungen an die schwache konjunkturelle Lage. Das zeige sich auch daran, dass der Fachkräftemangel aktuell mit 40 Prozent die geringste Ausprägung im Ranking der Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung einnehme.

Hier gibt es den Bericht als PDF zum Download:

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