
Eine Stadt ohne Ehrenamt würde zwar funktionieren, aber wäre sie denn noch lebenswert? Die Frage beantworten mehr als 150 Gäste im Dortmunder Rathaus mit „Nein!“. Sie würdigten am 25. Juni im Rathaus erneut die vielen Menschen, die sich freiwillig für andere einsetzen. und feierten im Rahmen der Veranstaltung „Engagement anerkennen 2026“ zwanzig nominierte Projekte – von Hausaufgabenhilfe über einen Nachbarschaftstreff bis hin zu einem Podcast.
Sichtbarkeit für eine lebendige Engagementlandschaft in Dortmund
Karola Jaschewski, Geschäftsführerin der „Freiwilligen Agentur zum Ehrenamt“, umriss, worum es an dem Abend ging: „Engagement anerkennen steht für die Sichtbarkeit und Wertschätzung ehrenamtlicher Arbeit.“ Die Agentur ist in Dortmund eine zentrale Anlaufstelle rund ums Ehrenamt.

Sie vermittelt Menschen, die sich engagieren möchten, an Vereine und Einrichtungen, berät Ehrenamtliche wie Organisationen und hilft, das bürgerschaftliche Engagement in der Stadt zu vernetzen.
Ute Mais (CDU), Zweite Bürgermeisterin der Stadt Dortmund, betonte den Wert dieser Arbeit. „Eine Stadt ohne Ehrenamt wäre eine Stadt, die zwar funktioniert, aber nicht lebt“, sagte sie.

Die Engagierten bauten Brücken, öffneten Türen und schüfen Orte, an denen sich Menschen begegneten, statt aneinander vorbeizuleben. Hinter den zwanzig Projekten stünden „20 Geschichten, immer Menschen, fast immer unsichtbar, aber immer wichtig“. ___STEADY_PAYWALL___
Über die Auszeichnungen entschied eine Jury aus Wissenschaft, Wirtschaft, Sport und Medien. Ihr gehörten Emra Ilgün-Birhimeoğlu (FH Dortmund), Maike Vollmer von der BVB-Stiftung „Leuchte auf“, Christian Beisenherz (WDR Dortmund), Lars Hane (Sparkasse Dortmund) und Edzard Bennmann (Signal Iduna Gruppe) an.
Drei erste Preise für Bildung, das Quartier und die Teilhabe
Nominiert waren zwanzig Projekte aus allen Bereichen des Stadtlebens, darunter die „Nummer gegen Kummer“ des Kinderschutzbundes, die „Zoostrolche“ des Fördervereins „Kinder und Zoo“, die „Sprachschule mit Plapagei“ des KLC e.V. und das „Kindertrauerzentrum MÖWE“ der Deutschen Kinderhospiz Dienste.

In der Kategorie „Bildung und Vielfalt“ ging der erste Preis an Cohedo e.V. für deren Hausaufgabenhilfe. Das Angebot richtet sich an Kinder, die zu Hause wenig Unterstützung erhalten, sei es wegen Sprachbarrieren, fehlender Technik oder der beruflichen Situation der Eltern. In enger Kooperation mit der Afrikanischen Community Dortmund (ACoD) schlägt der Verein eine Brücke zwischen den Familien und dem deutschen Bildungssystem und will Kindern, unabhängig von ihrer Herkunft, faire Bildungswege ermöglichen.

In der Kategorie „Vielfalt im Quartier“ setzte sich Ye e.V. durch. Das seit 2025 etablierte Podcast- und Dialogformat „PoFace à l’Actu“ gibt Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur eine sichtbare Stimme und diskutiert Themen wie Identität, Integration und Zusammenleben in einem offenen Rahmen.
In der Kategorie „Gesellschaftliche Teilhabe“ wurde das Projekt „Soziale Teilhabe“ von „Chancengleich in Europa e.V.“ ausgezeichnet. Es fördert Integration, unterstützt Jugendliche aus bildungsfernen Familien, wirkt mit Sprachkursen und Alphabetisierung der Einsamkeit im Alter entgegen und stärkt so die soziale Bindung im Stadtteil.
Ein Geschenk für alle Nominierten des Abends und Aufruf zum Zuhören
Für eine Überraschung sorgte Maike Vollmer. Die Stiftungsmanagerin der BVB-Stiftung „Leuchte auf“ und Zweite Vorsitzende im Förderverein der BVB-Gründerkirche hatte ein Geschenk mitgebracht: Weil sich in diesem Jahr alle Nominierten angestrengt hätten, gebe es 80 zusätzliche Tickets für Bundesligaspiele des BVB, nicht nur für die Erst- und Zweitplatzierten.

In ihrer Laudatio erinnerte Vollmer an ein Projekt, in dem Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung für obdachlose Frauen kochen. Seit mehr als zehn Jahren stärke der Verein Frauen mit dieser Erfahrung, die nun selbst anderen helfen wollten. „Vielfalt ist keine Überforderung, sondern eine Ressource“, sagte Vollmer.
Kritische Töne kamen von Jurymitglied Christian Beisenherz vom WDR Dortmund. Er reagierte auf einen Kommentar in einer großen Boulevardzeitung, dessen Autorin ausgerechnet zwei Bereiche für nicht mehr förderungswürdig hielt: Bildung für Menschen ohne Arbeit und Demokratieförderung. Das mache ihn fassungslos.
„Demokratie beginnt da, wo Menschen einander zuhören“, sagte Beisenherz. Wer in diesen Zeiten nicht mehr zum Dialog bereit sei und einander nicht mehr zuhöre, der könne einpacken.
„Engagement anerkennen“ verstehe sich deshalb nicht nur als Preisverleihung, sondern als Einladung, das vielfältige Engagement in Dortmund sichtbar zu machen und weiter zu stärken.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

