
Emscher-Lippe-Region / Sambia. Jedes Jahr am 22. März wird der Weltwassertag begangen – bereits seit 1993 machen die Vereinten Nationen an diesem Tag auf die Bedeutung der (über)lebenswichtigen Ressource Wasser aufmerksam. Das Motto in 2026 lautet: „Wo Wasser fließt, wächst Gleichberechtigung“. Im Vordergrund stehen dabei der sichere Zugang zu Trinkwasser sowie Sanitärversorgung als Menschenrecht und als Voraussetzung für Geschlechtergerechtigkeit.
Der Wasserkiosk versorgt bis zu 1.500 Menschen
Im Rahmen einer besonderen Kooperation mit der „Lukanga Water Supply and Sanitation Company“ in Sambia haben Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV) gemeinsam mit Gelsenwasser einen Wasserkiosk in dem afrikanischen Land gebaut.

Dieser Wasserkiosk ist in dem Ort Chisamba entstanden und versorgt nun bis zu 1.500 Menschen – diese müssten ohne den Wasserkiosk für Frischwasser weite Wege auf sich nehmen.
Mit der Eröffnung des Wasserkiosks einhergegangen ist auch eine deutliche Senkung des Wasserpreises – für einen Kwatcha (Landeswährung) gibt es nun anstatt 20 Liter die fünffache Menge: 100 Liter!
Für die Gesamtkosten von rund 15.000 Euro für den Bau des Wasserkiosks sowie der erforderlichen Wasserleitungen kommen die Emschergenossenschaft und ihre Tochtergesellschaft Emscher Wassertechnik sowie Gelsenwasser auf.
Partnerschaftlicher Wissens- und Technologietransfer
Chisamba als Ort für den Wasserkiosk wurde bewusst gewählt, da dort die Versorgungsnot besonders groß ist: Zwei Autostunden von Kabwe entfernt und 20 Kilometer abseits der Hauptstraße gelegen, ist Chisamba nur mäßig entwickelt. Die Menschen leben in Lehm- und Bambushütten, die nach und nach durch Ziegelsteinhäuser ersetzt werden sollen. Die Konstruktion des Wasserkiosks hat zirka sechs Wochen in Anspruch genommen. Die Einweihung fand Ende vergangenen Jahres statt, mittlerweile ist der Wasserkiosk voll in Betrieb.

„Im Rahmen der Betreiberpartnerschaft bündeln wir unsere Erfahrung mit neuen Perspektiven – mit dem Ziel, einen Beitrag zur Ver- und Entsorgungssicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit in Sambia zu leisten“, betont Prof. Dr. Frank Obenaus.
„Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, wie durch partnerschaftlichen Wissens- und Technologietransfer verlässliche Trink- und Abwasserversorgung sowie nachhaltige Wasserwirtschaft auch in Regionen mit großen Herausforderungen möglich sind. Für uns ist diese Kooperation mehr als technischer Austausch – sie ist ein konkreter Beitrag zur praktischen Hilfe vor Ort und zu einer nachhaltigen Infrastrukturentwicklung“, so der Vorstand für Wassermanagement und Technik bei Emschergenossenschaft und Lippeverband.
„Bei Wasser zählen die Verfügbarkeit vor Ort und die Qualität. Dieser Wasserkiosk erspart den Menschen lange Wege, um Wasser zu beschaffen und stellt sicher, dass das Wasser auch zum Trinken und Kochen verwendet werden kann. Das alles außerdem zu einem wesentlich günstigeren Preis als vorher! Deshalb macht dieser Wasserkiosk einen großen Unterschied: Er ermöglicht den Einwohner*innen, die gewonnene Zeit z. B. in Schulbildung und wirtschaftliche Aktivitäten zu investieren”, erläutert Gelsenwasser-Vorstand Dr. Dirk Waider. Den Wasserkiosk haben Prof. Dr. Frank Obenaus und Dr. Dirk Waider zur Eröffnung in Sambia gemeinsam besucht.
Die Sambisch-deutsche Kooperation läuft seit 2019

Seit 2019 kooperieren EGLV und Gelsenwasser mit der sambischen Lukanga Water Supply and Sanitation Company. Dieses Versorgungsunternehmen betreut rund 440.000 Menschen in der Region Kabwe mit Trinkwasser und Abwasserentsorgung.
Wie in vielen Regionen des globalen Südens ist auch hier die Infrastruktur in einem schlechten Zustand – viele Leitungen sind marode und undicht, wodurch teilweise mehr als 50 Prozent des Wassers verloren gehen.
Die deutschen Betreiber bringen technisches Fachwissen in die Zusammenarbeit ein – etwa bei der Einführung eines digitalen Leitungskatasters, bei der Wartung und dem Betrieb der Anlagen sowie beim Aufbau eines systematischen technischen Asset-Managements.

Fachleute aus Deutschland und Sambia besuchen sich gegenseitig, um gemeinsam praxisnahe nachhaltige Lösungen zu erarbeiten. Dabei entstehen nicht nur bessere technische Strukturen, sondern auch vertrauensvolle und nachhaltige Partnerschaften zwischen den beteiligten Institutionen. 2024 wurde der Kooperationsvertrag um weitere vier Jahre verlängert.
Die Kooperation ist Teil einer mehrjährigen, vollfinanzierten Pilotphase des Vorhabens „Betreiberplattform zur Stärkung von Partnerschaften kommunaler Unternehmen weltweit”, bei dem sich Wasserwirtschaftsunternehmen aus Deutschland mit ihrem Fachwissen in Partnerschaften einbringen.
Gefördert wird die Kooperation zu 100 Prozent durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), begleitet wird sie zudem von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

