Pflegebedürftige in Nordrhein-Westfalen müssen 2026 erneut tiefer in die Tasche greifen. Das ergeben die neusten Zahlen des Verbands der Ersatzkassen (vdek). Die monatliche Eigenbeteiligung im Pflegeheim steigt im ersten Jahr auf durchschnittlich 3.582 Euro. Trotz steigender Zuschüsse der Pflegekassen bleibt die finanzielle Belastung für viele Betroffene hoch. Der vdek sieht das Land NRW in der Verantwortung, die wachsenden Kosten zu übernehmen: etwa durch die Übernahme von Investitions- und Ausbildungskosten.
Pflegebedürftige müssen 2026 tiefer in die Tasche greifen
Im Vergleich zu Januar 2025 ist die finanzielle Belastung für Pflegebedürftige in Pflegeheimen weiter gestiegen. Im ersten Jahr der Heimunterbringung erhöht sich die monatliche Eigenbeteiligung von 3.312 Euro auf 3.582 Euro. Das sind 270 Euro mehr.
Auch in den folgenden Jahren müssen die Bewohner:innen tiefer in die Tasche greifen. Im zweiten Jahr zahlen sie 3.294 Euro, ein Plus von 236 Euro. Im dritten Jahr liegt der Betrag bei 2.911 Euro, 192 Euro mehr als im Vorjahr. Ab dem vierten Jahr sinkt die Belastung zwar durch höhere Zuschüsse der Pflegekassen auf 2.423 Euro. Trotzdem liegt auch dieser Wert noch 137 Euro über dem Niveau von Januar 2025.
Der monatliche Eigenanteil setzt sich aus drei Teilen zusammen: den Kosten für Unterkunft und Verpflegung, den Investitionskosten für Bau und Instandhaltung sowie dem sogenannten einrichtungseinheitlichen Eigenanteil. Darin enthalten sind vor allem die Ausgaben für Personal und Ausbildung.
Zuschüsse können den Kostenanstieg nicht stoppen
Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung steigen auf 1.307 Euro im Monat. Das sind 57 Euro mehr als im Vorjahr. Die Investitionskosten erhöhen sich auf 646 Euro, ein Plus von 21 Euro. Beide Posten gelten für alle Heimbewohner:innen gleichermaßen.
Anders entwickelt sich der einrichtungseinheitliche Eigenanteil, kurz EEE. Er sinkt mit zunehmender Aufenthaltsdauer. Im ersten Jahr liegt er bei 1.629 Euro. Ab dem vierten Jahr fällt er auf 479 Euro.
Grund dafür sind Zuschüsse der Pflegekassen, die es seit 2022 gibt. Seit 2024 gelten höhere Fördersätze. Im ersten Jahr übernehmen die Kassen 15 Prozent des EEE, im zweiten 30 Prozent, im dritten 50 Prozent und ab dem vierten Jahr 75 Prozent. Menschen, die lange im Pflegeheim leben, werden dadurch spürbar entlastet.
Im Jahr 2024 beliefen sich die bundesweiten Kosten für diese Zuschüsse auf 6,4 Milliarden Euro. Den generellen Anstieg der Eigenbeteiligung konnten sie jedoch nicht stoppen.
Land NRW könnte Pflegebedürftige deutlich entlasten
Für viele Menschen werden die steigenden Kosten zu einem drängenden Problem. In Nordrhein-Westfalen lag die durchschnittliche Rente 2025 laut Rentenatlas der Deutschen Rentenversicherung bei 1.773 Euro im Monat. Damit liegt NRW zwar über dem Bundesdurchschnitt. Für einen Heimplatz reicht das Geld dennoch kaum aus. Besonders groß ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Frauen erhalten im Schnitt nur 1.455 Euro Rente. Männer kommen dagegen auf durchschnittlich 2.005 Euro.
„Hauptgrund bleiben steigende Pflegepersonalkosten“, erklärt Dirk Ruiss, Leiter der vdek-Landesvertretung NRW. Eine faire Bezahlung sei wichtig. Die daraus resultierenden Lohnsteigerungen dürften jedoch nicht allein Pflegebedürftige und ihre Familien belasten. Deshalb müsse an einer nachhaltigen Lösung gearbeitet werden.
Eine deutliche Entlastung wäre möglich, wenn das Land NRW die Kosten für Investitionen und Ausbildung übernehmen würde. Diese liegen eigentlich in seiner Verantwortung. Aktuell zahlen Heimbewohner:innen dafür 646 Euro im Monat für Investitionen und 173 Euro für Ausbildungskosten. Das entspricht einer Entlastung von rund 9.828 Euro im Jahr.
Pflege in NRW bleibt im Bundesvergleich teuer
Im bundesweiten Vergleich liegt Nordrhein-Westfalen bei den Pflegekosten weit oben. Nur Hamburg mit 3.637 Euro und das Saarland mit 3.601 Euro sind im ersten Jahr noch teurer. Günstiger ist die Heimunterbringung dagegen in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Dort liegen die monatlichen Einstiegskosten bei unter 3.000 Euro.
Mit einem Anstieg von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet NRW allerdings eine geringere Steigerungsrate als der Bundesdurchschnitt. Auch die Unterschiede zwischen den Bundesländern fallen insgesamt kleiner aus als noch in den vergangenen Jahren.
„Das ist keine Entwarnung“, macht Ruiss. „Aber es zeigt, dass die Tarifunterschiede zwischen den Bundesländern zunehmend kleiner werden.“ In NRW sei die Tarifbindung in der stationären Pflege traditionell hoch. Andere Bundesländer hätten in den vergangenen Jahren durch gesetzliche Vorgaben deutlich aufgeholt.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!
Mehr dazu auf Nordstadtblogger:
Die Kosten für Pflegeheime steigen immer weiter – Verbände fordern umfassende Pflegereform

