
Dortmund steht vor einer zentralen Weichenstellung für die Schulentwicklung. Bis zum Schuljahr 2027/28 müssen zusätzliche Plätze an weiterführenden Schulen geschaffen werden. Der Rat hat bereits im Oktober beschlossen, den Schulbau am Standort Hacheney voranzutreiben. Nun soll er im Dezember 2025 entscheiden, ob das gesamte Gelände als Bildungscampus genutzt wird oder ob die dort noch stehenden Atriumgebäude erhalten bleiben. Die Verwaltung empfiehlt klar, die komplette Fläche für den Schulbau freizugeben.
Bedarf an Schulraum wächst – Interimsquartier als Schlüsselprojekt
Schuldezernentin Monika Nienaber-Willaredt betont, dass der Bedarf an Schulraum an anderer Stelle nicht mehr zu decken sei. „Es geht um Bedarfe an Schulraum, die können wir nicht durch Anbauten an bestehenden Gebäuden realisieren. Wir wollen in Hacheney ein Interimsquartier im Modulbau für eine sechszügige weiterführende Schule sowie später einen endgültigen Standort auf derselben Fläche errichten.“

Der Plan sieht vor, dass die Schülerinnen und Schüler nach Fertigstellung des Neubaus einfach in das neue Gebäude wechseln. Anschließend soll das Interimsgebäude anderen Schulen dienen, die – so Nienaber-Willaredt – „noch einen gehörigen Sanierungsbedarf haben“.
Auf dem Gelände stehen jedoch weiterhin die früheren Atriumhäuser, für die der Rat einen Prüfauftrag zum möglichen Erhalt beschlossen hat. Eine Wohnnutzung wäre grundsätzlich denkbar, doch aus Sicht der Verwaltung mit erheblichen Nachteilen verbunden. „Die Schulfläche wäre dadurch wesentlich kleiner“, so die Dezernentin.
Hanglage, Verkehrsanbindung und Zeitdruck: Standort bietet Vorteile
Zudem sei der Zugang zu möglichen Wohngebäuden „sehr kompliziert und verkehrstechnisch schwierig, auch bautechnischer Art“. Die Verwaltung plädiert deshalb für einen zusammenhängenden Bildungskomplex, weil ansonsten ein zusätzlicher Ausweichstandort geschaffen werden müsste.

Bis zum Schuljahr 2027/28 muss das Interimsgebäude bereitstehen, damit die ersten Fünftklässler dort sechszügig starten können.
Vor Ort sei der Standort gut erreichbar, da die Stadtbahnhaltestelle Hacheney fußläufig liege. Die Hanglage ermögliche zudem eine effiziente mehrgeschossige Bebauung, ohne benachbarte Wohngebiete zu beeinträchtigen. So lasse sich die Fläche optimal nutzen, ohne zusätzliche Versiegelung auszuweiten, argumentiert die Verwaltung.
Politische Debatten stoppten jahrelang die Entwicklung

Die Stadt wollte die Gebäude schon vor Jahren abreißen und das Gelände für ebenfalls dringend benötigen Wohnungsbau zur Verfügung stellen. Doch passiert war nichts. Nun auch hier eine Rolle rückwärts.
Warum das Gelände nach dem Ende der Nutzung als Erstaufnahmeeinrichtung jahrelang unentwickelt blieb, erklärt Stadtdirektor und Liegenschaftsdezernent Jörg Stüdemann mit Blick auf politische Diskussionen und nicht etwa durch eigene Untätigkeit der Verwaltung: „Es ist hinlänglich bekannt, dass es eine Diskussion über Verkehrslenkung gibt. Verkehrsplaner wollten für ganz Hacheney eine koordinierte Verkehrsplanung über das ehemalige EAE-Gelände hinaus ins Visier nehmen.“

Hinzu sei ein mehrfaches Umschwenken der Politik gekommen: „Zwischen den Ratsfraktionen gab es unterschiedliche Positionierungen: Komplettabriss oder Erhalt der Atriumhäuser. Der Rat hat sich zwei Mal umentschieden“, sagt Stüdemann. Dadurch sei man „ein bisschen hin und her gesprungen zwischen verschiedenen Herangehensweisen“.
Nun aber zeichnet sich eine klare Richtung ab. Die Verwaltung empfiehlt, das Areal vollständig für den Bildungscampus zu nutzen und damit auch den Prüfauftrag zum Erhalt der Atriumsgebäude aufzugeben. In der kommenden Sitzung entscheidet der Rat, ob er diesem Vorschlag folgt oder weiter offenlässt, ob Teile des Bestandsgebäudes erhalten bleiben sollen.
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