NOlympia: Die Kehrseite der Medaille oder: Argumente gegen eine Olympia-Teilnahme

Gegenstimmen zur Olympia-Bewerbung der Region Rhein-Ruhr

Gruppenphoto von Nolympia. Mit Wolfgang Freye, Jörg Detjen, Marianne Süßmuth, Alena Blaß, Paul Azauly und Christoph Harting
Nolympia-Veranstalter:innen: Mit Wolfgang Freye, Jörg Detjen, Marianne Süßmuth, Alena Blaß, Paul Alauzy und Christoph Harting Erik Latos | Nordstadtblogger

Olympia 2036, 2040, 2044 oder doch lieber gar nicht? Vor dieser Entscheidung stehen rund 440.000 Dortmunder:innen. Aus der Politik sind die meisten Parteien für die Bewerbung der Stadt als ein Austragungsort der olympischen Spiele, es gibt aber auch Widerspruch – unter anderem von der Dortmunder Fraktion „Die Linke und Tierschutz“. Diese organisierte am vergangenen Samstag, dem 28.März, eine Informationsveranstaltung zum Thema (N-)Olympia.

Die Kehrseite der Medaille

Auf der Veranstaltung wurde zunächst die Dokumentation „Die Kehrseite der Medaille – Lehren aus einem Kampf“ gezeigt. Diese Doku stellt die Arbeit des Kollektives „Le Revers“ („Die Kehrseite“) vor, welches über ein Jahr lang vor den Olympischen Spielen 2024 in Paris medial auf die negativen Seiten der Olympia aufmerksam machte.

Paul guckt direkt in die Kamera - im Hintergrund das Innere des Rathauses Dortmund
Paul Alauzy – Mitkoordinator für Ärzte der Welt im Kollektiv Le Revers Erik Latos | Nordstadtblogger

Einer der Koordinator:innen des Kollektives ist Paul Alauzy. Er betonte, dass mit olympischen Spielen immer Vertreibungen einher gingen und das auf Kosten eher einkommensschwacher Gruppen. „Noch heute sind die Mieten 30 % höher als vor den Spielen“, erklärte Paul die aktuelle Situation in Paris.

Es werde durch die wechselnden Orte immer wieder ein neues Olympisches Dorf gebaut, die Athlet:innen müssten durchs ganze Land reisen und neue Infrastrutktur für den Sport erbaut. Dies sei laut dem Kollektiv nicht ökologisch: „Es sollte nur einen Ort geben an dem alle Sportler:innen alle vier Jahre zusammen kommen und Olympia abhalten.“

Olympia: Eine Zwickmühle für die deutschen Sportler:innen

Um die Sicht der Sportler:innen zu repräsentieren, war Ex-Olympionik Christoph Harting vor Ort. Dieser gewann 2016 in Rio de Janeiro Gold im Diskuswerfen. Laut Harting werden die Sportler:innen immer wieder von der Politik instrumentalisiert. Diese würden mit einer Olympia-Teilnahme gelockt, die dann Förderungen verspricht. In der Realität werde jedoch das Sportangebot zurückgebaut und die Infrastruktur verrottet.

Christoph Harting schaut direkt in die Kamera. Im Hintergrund sieht man das Innere des Rathauses
Ex-Olympionike Christoph Harting vertritt die Sicht der Sportler:innen bei der Veranstaltung Nolympia Erik Latos | Nordstadtblogger

„Die Sportvereine werden immer mit Notgroschen abgefunden. Wenn es dann um eine Abstimmung für ein Sportgroßereignis geht, dann kommen sie wieder auf die Vereine zu“, schilderte der Goldgewinner die Situation bei den Sportler:innen. Dann versprechen die politischen Akteur:innen, dass alle Probleme im Breiten- und Leistungssport (aber auch der Infrastruktur) durch Events, wie Olympia, gelöst werden, so Harting.

Das bringe die Sportler:innen in eine Zwickmühle. „Durch dieses Versprechen der Politik ist die Frage an einen Sportler, ob er Olympia im eigenen Land haben möchte, fast wie die Frage an einen Alkoholiker in der Bar, ob es dann noch was sein soll“, verglich Harting. Ob dieses Versprechen am Ende nämlich eingehalten werde, ist mehr als fraglich.

Kosten noch nicht ganz klar

Sehr großen Widerstand gegen Olympia in NRW kommt auch aus Köln. Dort hat sich die Gruppe „NOlympia Colonia“ gegründet. Von dieser Gruppe stellte das ehemalige Kölner Stadtratsmitglied Jörg Detjen (DIe Linke) die aktuell zusammengetragenen Informationen vor. Laut ihm wurde in Köln-Chorweiler eine zehnjährige Planung für fünf verschiedene Wohnsiedlungen „in den Müll geschmissen“. Statt circa 3750 Wohnungen für über 10.000 Menschen werde dort nun ein olympisches Dorf errichtet.

Wolfgang Freye zeigt auf seinen eigenen Brief für Bürgerentscheid
Wolfgang Freye, Fraktionsvorsitzender der Linken im RVR, zeigt auf seinen eigenen Brief für Bürgerentscheid Erik Latos | Nordstadtblogger

Auch die Kosten, der Umsatz und damit auch der Gewinn seien unklar. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) rechne laut RVR-Parlamentsmitglied Wolfgang Freye (Die Linke) mit Kosten von einem mittleren einstelligen Milliarden Betrag. Ein für München beauftragtes Gutachten kommt jedoch auf 18 bis 20 Milliarden Euro.

„Außerdem ist zu bedenken, dass der Gewinn nicht der Stadt oder Region gehört, sondern dem International Olympic Committee. Der entscheidet was mit dem Geld passiert“, erklärten Wolfgang Freye und Jörg Detjen.

Allein die Bewerbungskosten für Phase 1, also inklusive des Bürgerentscheides, betrügen schon 10 Millionen Euro. Darauf würden dann 10 bis 20 Millionen Werbungskosten oben draufkommen, falls die Stadt den Zuschlag erhält, und zusätzlich noch Wachstumskosten.

Das Ergebnis nach dieser Informationsveranstaltung aus Sicht der Fraktion ist klar: mit einer Teilnahme sind viele Hoffnungen verbunden, von denen es fraglich ist, ob sie sich wirklich erfüllen.

 

Bürger:innenentscheid per Brief bis zum 19.April

Bis zum 19. April sind die Bürger:innen in Dortmund dazu aufgerufen, über eine mögliche Teilnahme der Rhein-Ruhr an den Olympischen Spielen im Jahr 2036, 2040 oder 2044 abzustimmen.

Konkurrenz dazu gibt es aus Hamburg, Berlin und München. Die bayrische Landeshauptstadt hat bereits letztes Jahr einen Bürgerentscheid durchgeführt. In diesem wurde der Bewerbung mit über 60 % zugestimmt, bei einer Beteiligung von fast 40%.

Seit dem 10.März können die stimmberechtigten Einwohner:innen mit dem von der Post ausgelieferten Brief beim Bürgerentscheid abstimmen. Sollten Dortmunder:innen noch keine Wahkunterlagen zugeschickt bekommen haben, können diese sich hier melden: https://www.dortmund.de/rathaus/lokalpolitik/wahlen/kontakt/

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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