
Depressionen können Menschen jeden Alters treffen und zählen zu den größten Herausforderungen im Gesundheitswesen. Laut einer aktuellen Auswertung der AOK waren im Jahr 2023 rund 74.600 Menschen ab zehn Jahren in Dortmund wegen Depression in ärztlicher Behandlung – das entspricht 13,9 Prozent der Bevölkerung. Das digitale Selbsthilfeprogramm „Familiencoach Depression“ der AOK ist kostenfrei und anonym im Internet nutzbar und wurde nun um ein Modul für peripartalen Depressionen erweitert.
Tipps und Begleitung bei peripartalen Depressionen
Depressionen äußern sich unterschiedlich: Einige Betroffene ziehen sich zurück, andere zeigen Gereiztheit oder Aggression. Je früher eine Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Schon beim Verdacht auf eine Depression sollten Betroffene frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Dabei ist eine genaue Diagnosestellung erforderlich.
Das neue Modul richtet sich speziell an Angehörige von Menschen, die in der Schwangerschaft oder nach der Geburt eines Kindes an einer peripartalen Depression leiden. Laut Studien sind etwa zehn bis 15 Prozent der Mütter, aber auch etwa fünf Prozent der Väter betroffen.
Das Online-Angebot informiert über die Anzeichen der Erkrankung. Dies sind neben allgemeinen Depressionssymptomen auch fehlende Mutter- oder Vatergefühle, das Gefühl der Überforderung in der Elternrolle sowie Ängste, dem Kind zu schaden oder seine Bedürfnisse nicht erfüllen zu können. Diese Beschwerden unterscheiden sich deutlich von der schnell vorübergehenden traurigen Stimmung, die viele Frauen in den ersten Tagen nach der Geburt eines Kindes als „Babyblues“ erleben.
Angehörige unterstützen, ohne sich zu überfordern
Peripartale Depressionen entstehen durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren: Veranlagung, Belastungen im sozialen Umfeld, aber auch Vorerkrankungen, frühere Traumata, massiver Schlafmangel oder Empfindlichkeit für hormonelle Veränderungen können dabei unter anderem eine Rolle spielen.

Die Inhalte des „AOK-Familiencoach“ können Angehörigen dabei helfen, die Erkrankung zu verstehen, den Alltag gemeinsam zu bewältigen und die Betroffenen zu unterstützen, ohne sich selbst zu überfordern.
„Angehörige sind oft die wichtigste Stütze für depressiv Erkrankte. Die Belastung kann aber dazu führen, dass sie sich selbst überfordern und sogar erkranken. Der kostenlose Online-Coach ist eine wertvolle Unterstützung, ersetzt aber natürlich keinen medizinischen Befund“, sagt Jörg Kock, Serviceregionsleiter der AOK.
Informationen und Strategien von Expertinnen per Videos
Das Modul zu peripartaler Depression umfasst mehrere Expertinnen-Videos mit Prof. Elisabeth Schramm, Leiterin der Sektion Psychotherapieforschung in der Psychiatrie des Universitätsklinikums Freiburg, und Anke Rohde, Professorin für Gynäkologische Psychosomatik am Zentrum für Geburtshilfe und Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Bonn.
Darin geht es zum Beispiel um den Umgang mit Schuldgefühlen oder die möglichen Folgen einer peripartalen Depression des Vaters. Videos zeigen konkrete Strategien zum Ansprechen des Problems und zu Unterstützungsmöglichkeiten durch die Angehörigen oder zur Vermeidung von Konflikten durch ein „Überengagement“. Das interaktive Selbsthilfe-Programm ist für Interessierte anonym und kostenfrei nutzbar unter: www.familiencoach-depression.de.

