
„Die Sparkasse Dortmund im Nationalsozialismus“ heißt das neue Buch von Dr. Karl-Peter Ellerbrock, welches jetzt vorgestellt wurde. In dem Buch bereitet der frühere Leiter des Westfälischen Wirtschaftsarchivs auf, wie die Sparkasse von den Nazis gleichgeschaltet und für ihre Zwecke missbraucht wurde und zeigt: Die Aufarbeitung des Nationalsozialismus fängt in vielen Bereichen gerade erst an.
Vom Allgemeinwohl zur Kriegsfinanzierung
Wer Ellerbrocks Studie über die Sparkasse Dortmund im Nationalsozialismus aufschlägt, findet erstmal eine detaillierte Schilderung der Entstehung der Sparkasse Dortmund und wie sie in der Weimarer Republik operierte. Darin erklärt der Autor, die Sparkassen wurden auch gegründet, „um ärmeren Bevölkerungsschichten eine finanzielle Sicherheit zu ermöglichen, die dann von den Nazis im Zweiten Weltkrieg verspielt wurde“, so Ellerbrock bei der Vorstellung seines Bands.
Die Nazis wollten sie in ihre Zwecke mit einspannen, hatten es aber zuerst schwer, in Dortmund Fuß zu fassen. Ein interessanter Aspekt: Die Belegschaft der Dortmunder Sparkasse war 1933 nur in einem geringen Umfang in nationalsozialistischen Organisationen vertreten.
Erst 1935 und erst recht ab 1936, als der linientreue Nazi Erich Henning 1936 Direktor der Sparkasse wurde, trat fast die gesamte Belegschaft in die „Deutsche Arbeitsfront“, der NS-Massenorganisation für Arbeitgeber und -nehmer ein. Ab da regte sich in der Belegschaft auch kein nennenswerter Widerstand gegen die Nazis.
Judenenteignung für NS-Staatsfinanzen und die Kriegskasse
Nach der Machtergreifung begannen die Nazis mit der Entrechtung der Jüdinnen und Juden in Deutschland. Dabei hatten sie es auch auf das jüdische Vermögen abgesehen, das sie gut für ihre Kriegskasse gebrauchen konnten. Um die Vermögen zu beschlagnahmen, passten die Nazis die Gesetzgebung an, um den Raub legitimierten.

So mussten Jüdinnen und Juden zum Beispiel ab 1938 sogenannte „Sühneleistungen gegenüber dem deutschen Volk“ zahlen. Diese Zahlungen, in Dortmund insgesamt 147.625,02 Reichsmark (heute ungefähr 1 Millionen Euro), wurden von der Sparkasse Dortmund dokumentiert und legen offen, „wie routiniert dieser Raub an der jüdischen Bevölkerung vonstatten ging“, erklärt Ellerbrock.
Überlebende Nachkommen, zum Beispiel von den im Rigaer Ghetto getöteten Juden Hugo Cohen, versuchten nach dem Ende der NS-Herrschaft, Wiedergutmachungen und Entschädigungen zu bekommen. „Ob es im weiteren Verlauf bei den hier verhandelten Fällen zu Entschädigungszahlungen kam, kann an dieser Stelle nicht abschließend geklärt werden“, führt Ellerbrock in seinem Buch aus.
Die Aufarbeitung fängt gerade erst an
Mit diesem Buch werde deutlich, so Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) bei der Buchvorstellung, dass „Geschichte niemals offen und zu vielen Zeitpunkten beeinflussbar“ ist. Daraus seien aber auch Lehren für das Hier und Jetzt zu ziehen.

„Jetzt haben wir auch ein genaues Bild der Vergangenheit“, erklärt Dirk Schaufelberger, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Dortmund in seinen einleitenden Worten zur Vorstellung des Buchs.
Er wäre im Vorhinein auch gefragt worden, weshalb es dieses Buch zum jetzigen Zeitpunkt erscheine: „Weil wir die Lehren daraus ziehen müssen und erkennen: Sparkassen hatten und haben schon immer wirtschaftspolitische Bedeutung.“
Die Sparkasse Dortmund ist die erste Sparkasse, die ihre Geschichte im Nationalsozialismus aufarbeitet. „Wir haben da mit diesem Band auch einiges in Gang gesetzt. München, Düsseldorf, Bremen und so weiter wollen jetzt nachziehen“, berichtet Ellerbrock stolz. Das Buch sei demnach ein klares Signal, dass die Aufarbeitung des Nationalsozialismus noch lange nicht vorbei ist.
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