
Seit über dreißig Jahren schon zeigt das Ensemble vom Geierabend, dass Karneval auch in Dortmund funktioniert. So wird auch in diesem Jahr wieder mit einem neuen Programm zu einer „Show voller Ruhrpott-Humor, politischer Spitzen und musikalischer Wucht!“ auf die Zeche Zollern geladen.
Das Programm ist mittlerweile Kult
Nicht nur in und um Dortmund ist der Geierabend bekannt: Seit den Anfängen in den 1990er-Jahren ist der Einzugsbereich merklich gewachsen, sodass sogar Menschen aus den Hochburgen des Karneval, aus Köln und Düsseldorf, nach Dortmund kommen.

„Beim Geierabend ist jeder ‚Jeck‘ willkommen“, heißt es. „Denn mittlerweile ist der messerscharfe Humor des Ensembles über die Grenzen der Region hinaus berühmt! Wer die fünfte Jahreszeit als alternativen Karneval in Ruhrpott erleben will, ist hier genau richtig.“ ___STEADY_PAYWALL___
Im Programm ist manches mittlerweile Kult. Martin Kaysch führt als „Steiger“ wieder durch die Show, eine Band sorgt für die musikalische Begleitung und zu guter Letzt wird nach einer Publikumsentscheidung der „Pannekopp des Jahres“ mit einem rostigen Stahlorden und einem Preisgeld von 111,11 Euro geehrt. Nominiert sind in diesem Jahr zwei Persönlichkeiten – Hendrik Wüst und Bettina Hartmann – und man darf gespannt sein wer von beiden das Rennen macht!
Es darf auch gelacht werden
Im Geierabend kommt unter der Regie von Björn Jung und Joey Porner viel von dem zur Sprache, was die Menschen beschäftigt, was sie amüsiert, besorgt oder ärgert. Die Politik, alltägliche Gewohnheiten und Entgleisungen.

Dabei bestimmt jede Menge Lokalkolorit das Programm. Undenkbares wird gedacht – beispielsweise KI ohne Internet, elektrische Zahnbürsten, die mit Benzin angetrieben werden – was reichlich Anlass dafür bietet, den Alltag und sich selbst zu hinterfragen. Dabei darf herzlich gelacht werden – was sich glücklicherweise aber auch nicht vermeiden lässt.
Zwei Facharbeiter aus Dortmund fabulieren über die Aktivrente, eine der Inflationsrate folgende Erhöhung vom Flaschenpfand wirkt gegen die Altersarmut, ein „New Adult Roman“ wird im Ambiente einer Eckkneipe vorgestellt. Aber es wird auch einiges zum Thema Billigspielzeug und den Importen aus China gesagt, ein „Möbelhaus in Kamen“ ebenso aufs Korn genommen wie der neue Oberbürgermeister von Dortmund.
Die Doktoren, Dick und Vick, bewerben ihre Schönheitschirurgie, mit der sie langweilige Gesichter gekonnt in „Pottfressen“ verwandeln. Das ist herrlich komisch, besonders weil es zeigt, wie weit scheinbar Normales bereits zum Irrsinn mutiert ist.
Bissiger Humor und mitreißende Musik
Humor ist, wenn er wirklich gut ist, eine der schwierigsten Disziplinen im Schauspiel. Das Ensemble kann darin überzeugen, auch wenn einzelne Gags zu überzogen und darum platt wirken. Aber das wird insgesamt voll und ganz aufgewogen. Die Choreografie ist klasse und wird gekonnt präsentiert.

Eine große Leistung von Claudia Lau! Großartig auch der Chanson – von Stefan Götzer geschaffen –, der durch Silvia Holzhäuser mitreißend dargeboten wird. Überhaupt ist die Band umwerfend gut. Jazziges, mitreißend Rhythmisches wirkt so einnehmend, dass es davon durchaus mehr sein könnte. Das Programm würde dadurch eindeutig gewinnen und noch viel besser sein.
Dass man Roman Marczewski ein letztes Mal in der Rolle des „Präsidenten“ erleben soll, stimmt traurig. Das Urgestein des Geierabend verabschiedet sich mit zwei griffigen Gesangseinlagen.
Viele Menschen sind am Zustandekommen vom Geierabend beteiligt. Neben den Darsteller:innen und Musiker:innen noch einige mehr. Beleuchtung, Ton und die schnellen Wechsel von Requisiten und Kulissen funktionieren sehr gut. All das ist eine bemerkenswerte Leistung, ohne die alles andere nichts wäre.
Bei diesem Programm ist es unmöglich, keinen Spaß zu haben. Tiefgründiger, zuweilen herrlich bissiger Humor und mitreißende Musik färben das Grau des Alltags bunt. Das darf man sich nicht entgehen lassen. Aber die diesjährige Spielzeit ist kurz – und die Nachfrage nach Tickets unverändert groß!
Termine und Tickets unter: geierabend.de
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