Von West nach Ost: Die Kunstszene der Stadt öffnet ihre Türen und präsentiert sich vielfältig

Atelierbesuche und geführte Rundgänge ermöglichen Begegnungen

Mia Ter Horst und Joshua Martin zeigen ihre Multimedia Installation „Treppauf, Treppab“  am 11. und 12. Juli in der Ateliergemeinschaft Soester Straße 22 ter Horst

Alle zwei Jahre bieten die Offenen Ateliers die Gelegenheit, die Dortmunder Kunstlandschaft in ihrer ganzen Vielfalt zu erkunden – und die ist durchaus beeindruckend: 2026 beteiligen sich 179 Künstler:innen an 79 Standorten mit insgesamt 127 geöffneten Ateliers. Am 3. und 4. Juli sowie am 11. und 12. Juli haben Interessierte Zeit auf eigene Faust und im Rahmen von geführten Rundgängen einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und die Künstler:innen in „West“ und „Ost“ kennenzulernen.

Interaktive Karte führt durch WEST und OST

Bereits zum siebten Mal finden die stadtweiten Offenen Ateliers Dortmund statt. Kunstschaffende und Galerien aus dem gesamten Stadtgebiet öffnen ihre Arbeitsräume und ermöglichen Besucher.innen einen Einblick in private Ateliers und Werkstätten.

Gestaltung: Jonas Brüggemann und Viola Dessin

79 Standort sind in diesem Jahr dabei und um vielen Menschen den Besuch zu ermöglichen, wurde die Ateliers und Öffnungszeiten gleichmäßig aufgeteilt. Die Frage ist nicht länger „Nordstadt oder City?“, sondern erst West und dann Ost.

Eine große Karte mit Nummerierungen für alle Standorte und den Namen der entsprechenden Künstler:innen kann man sich unter den Arm klemmen, aber auch eine digitale, interaktive Variante für unterwegs gibt es über die schön gestaltete Website (Link am Ende des Textes).

Unterschiedliche Generation, Ausdrucksformen und Sparten

„Ein starkes Signal für die Vielfalt und Qualität der Dortmunder Kunstszene“, sei die Aktion, findet Oberbürgermeister Alexander Kalouti. Und tatsächlich: ob große, etablierte Kunstorte wie das Dortmunder Künstler*innenhaus, kleine neue Ateliergemeinschaften wie „Helle 9“ oder auch versteckte Orte wie „reBorn111“ – das Programm zeigt, wie lebendig die freie Kunstszene der Stadt ist.___STEADY_PAYWALL___

Susanne Weiß bemalt Rasenkantensteine mit Porträts – zu sehen im Atelierhaus Kunstdomäne, Schillerstraße Rita-Maria Schwalgin

Es ist ein Mix unterschiedlicher Generationen, Ausdrucksformen und künstlerische Sparten, die bei den Offene Ateliers aufeinander treffen.

Im Raum ANNELISE (Gneisenaustr. 30) fordern sechs jungen Künstlerinnen „please, give us some space“ und stellen erstmals ihre fotografische Positionen vor.

Nicht weit davon entfernt (Schillerstr. 43A) arbeiten in der „Kunstdomäne“ seit mittlerweile 15 Jahren acht Künstler:innen in einem kleinen Hinterhaus. Vor Kurzem ist Künstlerin Susanne Weiß eingezogen und hat ihre neuen Kolleg:innen und deren verschiedene Techniken auf Rasensteinen „porträtiert“.

Das Dortmunder Künstler:innenhaus ist mit 14 Künstler:innen schon seit Jahre einer der Big Player der Szene und präsentiert u.a. mit dem Duo Lom-of-LaMa oder der Filmemacherin Silke Schönfeld künstlerische Arbeiten, die bereits ausgezeichnet wurden.

Geführte Touren durch die Offenen Ateliers vermitteln Wissen

Wer sich nicht allein auf den Weg machen will, kann an einer kostenfreien geführten Tour teilnehmen. Fachkundige Guides begleiten die Besucher:innen zu ausgewählten Ateliers und Ateliergemeinschaften und vermitteln Einblicke in künstlerische Arbeitsprozesse und die jeweiligen Arbeitsorte.

Wie wäre es mit einem Besuch im Freilicht-Garten hinter dem Atelierhaus Alter Kiosk? Joshua Hoven, 2025

18 geführte Touren mit unterschiedlichen Schwerpunkten und mehr als 70 Stationen stehen auf dem Programm. Sie dauern ein bis zwei Stunden und sind überwiegend zu Fuß möglich.

Pro Tour können etwa 15 bis 20 Personen teilnehmen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Die meisten Touren finden auf Deutsch statt. Zusätzlich werden einige Rundgänge in einfacher Sprache sowie zweisprachige Formate angeboten.

Bekannte Ecken besuchen, geheime Orte entdecken

Nicht nur Ateliers auch ungewöhnliche Orte lassen sich an den beiden Wochenenden entdecken. Hinter dem „Atelierhaus Alter Kiosk“ öffnet sich der verwunschene Freilicht-Garten und an der Bornstraße wird ein seit vielen Jahren leerstehendes, einzigartiges Wohn- und Gewerbeensemble für kurze Zeit zum Showroom.

Leerstand wird Kunstort: „reBorn111“ ist Schauplatz für „Floating Colours“ Presse OAD

Die drei Malerinnen Antje und Sybille Hassinger sowie Andrea Behn präsentieren dort, im „reBorn111“, ihre „Floating Colours“, großformatige abstrakte Gemälde und grafische sowie druckgrafische Werke.

Und manchmal sind auch ganz private Einblicke möglich: Tomasz Thun hat sich „weil zu Hause alles so durcheinander ist“ bei seiner guten Freundin der Künstlerin Gode Klingemann eingeladen. In ihrem Hinterhaus in der Johanna Melzer Straße geht es familiär zu.

Thun zeigt neue Arbeiten in Gotland-Blau, Gode Klingemann ihre Farbarbeiten, Peter Hoffmann präsentiert Projektionen und dazu macht Gerd Schmedes vielleicht Musik.

Der Charme der Offenen Ateliers, er liegt zweifellos in der persönlichen Begegnung. Wer sich darauf einlässt, erhält Einblicke in Räume und Arbeitsweisen, die Künstler:innen erzählen von ihren Ideen und wer möchte, kann natürlich auch Werke erwerben.

Kunsterfahrungen zwischen Abschied und Neubeginn

Während die einen neu starten, wird ein legendärer Kunst-Ort in der City Geschichte. „Alles muss raus“ titeln die Künstlerinnen Pia Bohr und Rosa Fehr-von Ilten. Sie nutzen die Offenen Ateliers zur großen Abschiedsveranstaltung, denn danach wird ihr Werkstatt-Atelier im Hinterhof der Dudenstraße 4 geschlossen.

Die Künstlerinnen Rosa Fehr-von Ilten (r.) und Pia Bohr nutzen die Offenen Ateliers zur großen Abschiedsveranstaltung. Collage unter Verwendung zweier Motive von Melanie Hoessel und Michael Ostermann

Siebzehn Jahre lang fanden in Pia Bohrs Werkstatt Ausstellungen, Lesungen und Kultursalons statt, doch Bohr hat sich nun ausschließlich auf Bronzeplastiken spezialisiert und wird diese Werkstatt aufgeben.

Besucher:innen können Bohrs Holzskulpturen vor Ort zu besonderen Sommerpreisen erwerben und auch Werke aus dem Portfolio ihrer Kollegin Rosa Fehr.

Wer nach dem Rundgang Lust bekommen hat selbst kreativ zu werden, wird hie ebenfalls fündig: Beim Hofkunstmark werden Bilderrahmen, Werkzeuge, Kunstbücher und weitere Objekte nach dem Prinzip „Pay what you want“ („Bezahl, was du möchtest“) angeboten.

Mehr Informationen

  • Website: www.offene-ateliers-dortmund.de
  • Instagram: @offene_ateliers_dortmund

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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