Wirtschaftslage im Ruhrgebiet und in Dortmund bleibt auch zum Jahresbeginn 2026 angespannt

Dortmunder und Ruhr-IHKs berichten auch von Lichtblicken

Eine Frau und zwei Männer der Ruhr-IHKS stellen Lagebericht vor
Stellen den 116. Konjunkturbericht vor (v.l.): Kerstin Groß, Heinz-Herbert Dustmann und Stefan Schreiber Foto: Fenja Horstmann für Nordstadtblogger.de

Die wirtschaftliche Lage im Ruhrgebiet zum Jahresbeginn 2026 bleibt weiter angespannt. Das zeigen die Ergebnisse der gemeinsamen Konjunktur-Umfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) im Ruhrgebiet, die im Januar rund 700 Unternehmen in der Region befragt haben. Neben der weiterhin stagnierenden Wirtschaftsleistung weisen jedoch auch positive Signale auf einen Aufwärtstrend hin. 

Weniger Unternehmen berichten in guter Wirtschaftslage zu sein 

Der Klimakonjunkturindex liegt aktuell bei 93 Punkten. Als Frühindikator bildet der Index die aktuelle Stimmung und die Erwartungen der Unternehmen in der Wirtschaft ab. Der Klimakonjunkturindex legte gegenüber Herbst 2025 zwar um einen Punkt zu, bleibt aber auf dem insgesamt stagnierenden Niveau der vergangenen Jahre.  

Grafik über Geschäftslage nach Wirtschaftsbereichen
Insgesamt bleibt die Geschäftslage der Unternehmen angespannt. Ruhr-IHK

Seit den letzten beiden Konjunkturberichten beobachten die Ruhr IHKs, dass die Wirtschaftslage immer weniger als gut und befriedigend beurteilt wird. Nur 18 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Lage als gut.  

Besonders betroffen sind die Branchen aus Industrie und Handel. Jeweils 30 Prozent der Unternehmen berichten von einer schlechten Lage. Positiver fällt das Bild in der Dienstleistungsbranche aus: Dort bewerten 20 Prozent die wirtschaftliche Lage als schlecht. 

Weltlage übt sich auf Wirtschaft in der Region aus 

„Wir erleben eine Zeit großer Verunsicherungen. Die Weltwirtschaft steht unter massivem Druck durch Kriege, geopolitische Konflikte und eine aggressive Zollpolitik“, so Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der IHK zu Dortmund, und weist damit auf die Gründe der angespannten Wirtschaftslage hin.  

Heinz-Herbert Dustmann im Porträt-Foto.
Präsident der IHK zu Dortmund Dustmann stellt Ruhrlagebericht vor. Foto: Fenja Horstmann für Nordstadtblogger.de

Neben der politischen Lage zählt die Umfrage eine verhaltende Nachfrage aus dem Inland, wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, hohe Arbeits-, Energie- und Rohstoffkosten sowie den Fachkräftemangel zu den Risikofaktoren der Unternehmen.  

So haben neben kleineren Einzelhandelsunternehmen auch eine Reihe von großer Marken Insolvenz anmelden müssen. Davon betroffen sind Esprit, Goertz oder auch erst vor Kurzem der Herrenausstatter Wormland, der seine Filiale in der Dortmunder Innenstadt Ende Januar schloss. 

Lichtblicke weisen auf Aufwärtstrend hin 

Neben den vielen schwierigen Entwicklungen gibt es in der Bewertung der Unternehmen auch Lichtblicke. Vor einem Jahr bewerteten 27 Prozent ihre zukünftige Geschäftslage als schlecht, aktuell sind es 22 Prozent. Außerdem berichten 68 Prozent der Unternehmen von erhöhten beziehungsweise unveränderten Umsätzen. Dies ist ein Anstieg der Werte aus der Herbst-Umfrage 2025. Dort fiel der Wert noch vier Prozentpunkte geringer aus. 

Grafik über Risikofaktoren von wirtschaftlicher Entwicklung
Der Fachkräftemangel, in den Vorjahren häufig an der Spitze der Risikorangliste, wird aktuell seltener genannt – ein Spiegel der derzeit schwächeren Auslastung und Nachfrage. Ruhr-IHK

Auch in einzelnen Branchen zeigt sich eine spürbare Stimmungsaufhellung: In der Gastronomie bewerten 75 Prozent der befragten Betriebe ihre zukünftige Geschäftslage überwiegend als positiv (nach 48 Prozent vor einem halben Jahr). Dies könne auf die Herabsenkung der Mehrwertsteuer (von 19 auf sieben Prozent) zurückzuführen sein, so Dustmann.

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Regionale Unternehmen zeigen Interesse an Rüstungsindustrie 

Dustmann geht ebenfalls auf das erhöhte BIP ein, das mit staatlichen Investitionen insbesondere in die Rüstungsindustrie zusammenhängt. Auch für die Unternehmen im Ruhrgebiet gewinnt die Verteidigungsindustrie zunehmend an Bedeutung. In der Industrie produziert oder liefert jedes siebte Unternehmen (14 Prozent) bereits für die Verteidigungssparte.  

Einerseits stellen sie Produkte her, die zivil als auch militärisch genutzt werden können. Andererseits sind sie als Zulieferer dieser sogenannten „Dual-Use-Produkte“ tätig. Weitere sieben Prozent der Unternehmen geben an, den Einstieg in die Rüstungsbranche zu erwägen.  

Erschließung von Gewerbeflächen bleibt Thema 

Weiterhin ist die Erschließung von Gewerbeflächen ein großes Thema im Ruhrgebiet und speziell in Dortmund. Eine Sonderumfrage hat ergeben, dass für 42 Prozent aller befragten Unternehmen die vorhandenen Flächen nicht für die Ansiedlung und Wachstum von Betrieben ausreichen.  

Stefan Schreiber im Porträt-Foto.
Dortmunder Geschäftsführer der IHK verweist auf die Flächen-Problematik. Foto: Fenja Horstmann für Nordstadtblogger.de

Für Stefan Schreiber, Dortmunder Hauptgeschäftsführer der IHK, ist dies ein sehr hoher Wert. Denn viele Betriebe stellen größere Investitionen und Erweiterungen derzeit zurück. „In den nächsten Jahren erwartet uns somit ein Engpassproblem, was Gewerbeflächen angeht“, betont Schreiber.  

Es komme darauf an, mit Kommunen, Bevölkerung und Unternehmen einen Konsens zu finden und „ein Verständnis miteinander“ zu finden, womit Schreiber die Bürgerinitiativen anspricht, die sich immer wieder gegen den Neubau von Industriegebieten stellen.  

So seien bereits mehrere Unternehmen, wie der Ultraschall-Spezialist Microsonic oder der Dortmunder Traditionsbäcker Citybäcker, wegen fehlender Flächen aus Dortmund abgewandert. Dies führe zu Verlust von Stellen und fehlenden Einnahmen für die Stadt.  


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