
Die Dortmunder Kultur ist 2026 in Bewegung und die Themen sind ernst. In den ersten Ausstellungen und Aktionen des Jahres geht es um die Möglichkeiten der Teilhabe im Stadtraum, unser Konsumverhalten, Technikfolgen und Träume als Form des Widerstands. Und die Szene ist im Umbruch: Es werden Jubiläen gefeiert, Grenzen in Frage gestellt und leitende Postionen neu besetzt.
Kunst im öffentlichen Raum wird Thema im Baukunstarchiv
Das neue Kultur-Jahr beginnt in Dortmund mit einer Intervention im öffentlichen Raum. Der Düsseldorfer Medienkünstler Mischa Kuball installiert unter dem Titel „public prepostion“ (etwa: öffentliche Annäherung) drei Objekte an markanten Orten in der City. Kuball will für die Grenzen zwischen privat und öffentlich sensibilsieren und fragt nach Möglichkeiten der Teilhabe und Mitgestaltung.

Zu sehen sind die Arbeiten ab 7. Januar für circa eine Woche u.a. oberhalb der Katharinentreppe. Danach wandern sie, ergänzt um weitere Elemente, zur Ausstellung ins Baukunstarchiv NRW. Die Eröffnung ist am 15. Januar ab 19 Uhr.
Am 6. März folgt dann ein Symposium zu künstlerischen und sozialen Fragen der Stadtplanung in Zusammenarbeit mit dem Ressort Kunst im öffentlichen Raum der Kulturbetriebe Dortmund.
Jubiläum und Neuausrichtung des Westfälischen Künstlerbundes
Am 11. Januar 2026 eröffnet der Westfälische Künstlerbund Dortmund (WKD) eine neue Ausstellung im Foyer des ehemaligen RWE Towers am Freistuhl. Unter dem Titel „Die ganze Zeit“ feiert er gemeinsam mit der Dortmunder Gruppe sein 70-jähriges Jubiläum. Es wird einen Rückblick geben, aber auch neue Dortmunder Kunst sowie weitere Events, Parties und Aktionen.

Das Jubiläum geht einher mit einer Neuausrichtung des Künstlerbundes, die sich auch personell ausdrückt. Günter Rückert übernimmt den Vorsitz und löst Irmhild Koeniger-Rosenlecher ab, Mathias Schubert wird Geschäftsführer anstelle von Axel M. Mosler.___STEADY_PAYWALL___
Beide wollen neue Wege beschreiten und stehen unter anderem für die Vernetzung von bildender und darstellender Kunst. Performative Präsentationsformen und multimediale Projekte sind geplant.
Von Westen nach Osten und zurück: Kunst verbindet Stadtbezirke
Auch der Verein Kunst und Kultur im Kaiserviertel e.V. feiert Jubiläum. Er wird 40 Jahre alt und startet aus diesem Anlass die Aktion „West – Ost-Art.“ Unter dem Motto „Raus aus dem eigenen Kiez“ ist ein Austausch zwischen Künstler:innen aus dem Kaiserviertel und dem Union-Viertel geplant.

In Zusammenarbeit mit dem Förder-Institut Chaos Karma gibt es zum Auftakt eine Ausstellung mit den „Ost-Künstler:innen“ im Atelier Gold (Vernissage am 6. Februar um 19 Uhr, Fritz-Haeseler-Straße 2).
Im März präsentieren sich dann die Westend-Künstler:innen im Kaiserviertel. In den 2023 eingeführten „Kulturstoppern“ werden Gedichte, aber auch Kunstwerke zu sehen sein, die im Juni zugunsten eines guten Zwecks versteigert werden.
„Künstler*innenhaus“ startet mit Sternchen und Klangkunst
Unter (fast) neuem Namen startet das Künstler*innenhaus Dortmund ins neue Jahr. Über 40 Jahre nach seiner Gründung beschlossen die Mitglieder der Vielfalt und Gleichberechtigung der Geschlechter durch die Namensergänzung und das Gendersternchen Ausdruck zu verleihen.

Am künstlerischen Programm des Hauses ändert das nichts – es ist seit jeher gekennzeichnet durch die Vielfalt und Innovationskraft der Künstler:innen, die im Haus leben, arbeiten oder zu Gast sind.
Noch bis 18. Januar läuft die absolut sehenswerte Ausstellung künstlerischer Arbeiten an der Schnittstelle zu VR- und Gaming-Welten, die 2025 auch Teil des Next Level Festivals war.
Ab 31. Januar gibt es dann „Klangkunst ohne Lautsprecher“. Studierende der Kunsthochschule für Medien Köln erforschen die Entstehung von Klängen durch rein mechanische Prozesse. Kratzen, Streichen, Schlagen – alles ist möglich.
Dortmunder Kunstverein leistet träumerisch Widerstand
Im Februar kommen Besucher:innen beim Dortmunder Kunstverein ins Träumen. Vom 14. Februar bis 17. Mai wird dort „Die Andere Seite der Nacht“ gewürdigt.

Träumen, das ist für die Künstler:innen der Ausstellung auch eine Art Widerstand. Sie wollen mit Malerei, Installation, Textilarbeiten, Videos und Performance der datengenerierten Bilderflut etwas Eigenes, Körperliches entgegensetzen.
Angekündigt ist „eine labyrinthische Installation“, die zum Eintauchen in die Traumwelten der Künstler:innen einlädt.
Die Eröffnung ist zugleich ein Abschied. Rebekka Seubert, künstlerische Leiterin des Kunstvereins, verlässt Dortmund nach sechs Jahren und übernimmt die Leitung des Ludwig Forum Aachen.
HMKV blickt im Jubiläumsjahr weiter nach Osten
2026 feiert der Hartware MedienKunstVerein (HMKV) sein 30-jähriges Jubiläum – und stellt einmal mehr seine Kompetenz in Sachen Analyse gesellschaftlicher und politischer Prozesse unter Beweis.

Der Blick geht wieder nach Osten. Auf die „Genossin Sonne“ (noch bis 18. Januar) folgt ab 14. März „Robotron. Arbeiterklasse und Intelligenz.“
Die Ausstellung mit Werken von 20 Künstler:innen zeigt die Entwicklungen der Industrielandschaft der DDR. Im Mittelpunkt steht das Kombinat „Robotron“, in dessen Geschichte das Kuratorenteam die technischen Möglichkeiten, gesellschaftlichen Hoffnungen, aber auch die politischen und ökonomischen Widersprüche gespiegelt sieht, die schließlich zum Scheitern der DDR führten.
Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt mit der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) Leipzig und läuft auf der Ebene 3 im Dortmunder U.
„Müll. Die weltweiten Wege des Abfalls“ im Museum Ostwall
Auch das Museum Ostwall (MO) widmet sich einem wichtigen und doch eigentlich so gar nicht schönem Thema: dem Müll. Die Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls ist vom 27. März bis 26. Juli 2026 geplant und zeigt rund 50 internationale Kunstwerke des 20. und 21. Jahrhunderts, darunter zwei neu geschaffene Auftragsarbeiten.

Bereits in den 1960er Jahren setzen sich Künstler:innen kritisch mit dem auseinander, was die Gesellschaft für nicht mehr verwertbar hält. Inzwischen ist Müll ein globales Phänomen, denn stetiger Konsum bringt Abfall mit sich, der häufig in anderen Ländern entsorgt wird.
Die weltweiten Wege des Abfalls, die damit verbundenen Abhängigkeiten und ökologischen Folgen sind Thema der Sonderausstellung.
Entsiegelungs-Aktion und Green Culture Aktionstage
Bereits im Vorfeld – und passend zur Ausstellung im MO – greift Künstlerin Folke Köbberling am Dortmunder U zu Hammer und Meißel. Auch ihr geht es um den Stadtraum und um die damit verbundenen Klimafolgen von Städtebau.
Rund um das Dortmunder U gibt es große Straßen und Parkplätze, aber wenig Grün. Der Boden ist versiegelt, so dass kein Wasser versickern und keine Pflanze wachsen kann. Geht es nach der Köbberling, soll sich das ändern!

Unter Anleitung der Künstlerin wird der Asphalt aufgebrochen und durchlässig gemacht. Werkzeug und Schutzkleidung werden vor Ort ausgeliehen. Die Aktion findet am Sonntag, 22. März 2026, von 15:00 bis 18:00 Uhr am Dortmunder U (Hinterausgang, Westseite) statt und ist Teil der Green Culture Aktionstage 2026.
Das Netzwerk von Kulturschaffenden, das sich für Nachhaltigkeit im Kulturbetrieb einsetzt, will auch in diesem Jahr rund um die Earth Hour (28. März) wieder Flagge zeigen. Neben Aktionen in den beteiligten Häusern sollen die Ergebnisse der Umfrage „Nachhaltige Wege zur Kultur“ und ein „Leitfaden für nachhaltige Veranstaltungen“ vorgestellt werden.
Junge Szene, Manifesta 16 Ruhr und Warten aufs Kulturdezernat
Und sonst? Das Museum für Kunst- und Kulturgeschichte hat wieder eine Leiterin und hier ist für das 2. Quartal eine Ausstellung unter dem Titel „Konsum“ geplant.

Gestaltung und Besetzung des Kulturdezernats in Dortmund sind weiterhin offen, aber die Szene hat 2026 dennoch Planungssicherheit. Die finanziellen Mittel für die Kultur sind bislang von Kürzungen verschont geblieben und junge Kulturschaffende gründen neue Vereine, beziehen Leerstände und starten weiterhin mutig Projekte – zum Beispiel das Team des Helle 9, das für Mai seine erste Ausstellung plant.
Und auch von außerhalb der Stadt kommen Impulse. Vom 21. Juni bis 4. Oktober findet die Manifesta 16 Ruhr statt. Nach Standorten in Palermo, Pristina oder auch Barcelona, kommt die internationale Kunstbiennale ins Ruhrgebiet und macht Programm in (ehemaligen) Kirchen. In einem Open Call mit über 200 Bewerbungen konnten sich fünf Dortmunder Projekte durchsetzen und Teil der Biennale werden. Das spricht für die Szene, ihre Qualität und ihr Engagement. Grund genug, optimistisch ins Dortmunder Kulturjahr zu starten.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!
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