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Wirklichkeitsbehauptungen: Ausstellung „Ohne Netz und doppelten Boden“ eröffnet Freitag im Künstlerhaus

Sebastian Bartel, Christoph Westermeier und Christof John vor der Installation Zick Zack (2016) von Katherina Maderthaner.

Sebastian Bartel, Christoph Westermeier und Christof John vor der Installation Zick Zack von Katherina Maderthaner.

Von Leonie Krzistetzko

Auf dem Boden verteilt liegen dreidimensionale, abschüssige Trapeze. Sie sind blau und lassen sich an ihren tiefsten Punkten aneinanderfügen. Im großen Ausstellungssaal des Künstlerhauses markieren sie eigenständige Inseln, ahmen Luftaufnahmen der Erdoberfläche nach. „Ich lasse mich in meinen Arbeiten von Teleskop- und Satellitenbildern inspirieren“, sagt Sebastian Bartel.

KünstlerInnen spielen mit Repräsentationsmechanismen der Wirklichkeit

Künstler Sebastian Bartel zeigt seine Installation Observations are districted to the surface

Sebastian Bartel zeigt seine Installation Observations are districted to the surface.

Der Künstler hat das Konzept zur Ausstellung „Ohne Netz und doppelten Boden. Über die Uneindeutigkeit von Bildern“ entworfen.

Die Ausstellung wird am Freitag, 3. März, um 20 Uhr im Künstlerhaus Dortmund am Sunderweg eröffnet. Neben Katherina Maderthaner, Christoph John und Christoph Westermeier zeigt auch Sebastian Bartel seine Werke.

„Ohne Netz und doppelten Boden“ ist die erste Ausstellung, die in diesem Jahr im Künstlerhaus gezeigt wird. Sie zeigt Werke und Werkgruppen der Künstler, die Wirklichkeit behaupten. Hierbei spielen die Künstler mit Oberflächen, Strukturen und verschiedenen Repräsentationsmechanismen, um ihre Umwelt darzustellen.

Bartels Installation „Observations are districted to the surface“ zeigt Abbildungen von Landschaften, mal in Form von malerischen Objekten, mal als Zeichnungen. Für die Installation wurde die Wand des großen Ausstellungsraums gestrichen. Die Strukturen an der Wand behaupten Bezüge zwischen den einzelnen Werken.

Die neue Ausstellung im Künstlerhaus Dortmund lässt Werke in Dialog treten

„Wir versuchen den Künstlern immer die Freiheit zu geben neue Arbeiten zu entwickeln,“ sagt Elly Valk-Verheijen. Sie hat die Organisation der Ausstellung übernommen. Die Künstlerin ist seit 2000 Mitglied des Künstlerhauses.

„Wir haben schon oft Wände gestrichen, auf- und wieder abgebaut. Die Künstler sollen an sich selbst wachsen können und Erkenntnisse gewinnen“, so Valk-Verheijen.

„Ohne Netz und Doppelten Boden“ gibt den Künstlern ihren eigenen Raum zum präsentieren ihrer Arbeiten, lässt ihre Werke aber auch untereinander in einen Dialog treten. Neben Plätzen, an denen die Werke für sich stehen, sind einige Räume auch wie in einer Gruppenausstellung gestaltet.

„Hier kommunizieren die Arbeiten durch Blickachsen miteinander“, erklärt Christof John. Er lässt sich bei seiner Malerei vor allem von alltäglichen Beobachtungen inspirieren. „Das ist die Spirale der Kunst. Dinge, die man von außen wahrnimmt, nimmt man aufgrund seiner Arbeit wahr“, so John.

Das Spiel mit dem „Schein-Sein“ – Kunst zum Sitzen und Besitzen

Künstler Christoph Westermeier auf seiner Arbeit Ringenberger Marmor

Künstler Christoph Westermeier auf seiner Arbeit Ringenberger Marmor. Fotos: Leonie Krzistetzko

Auch Christoph Westermeier spielt mit der Behauptung von Wirklichkeit, nennt es das „Schein-Sein“. Sein Werk „Körperliche Ertüchtigungen I-VI“ kombiniert Fotografien von urbanen Oberflächenstrukturen mit Aktfotografien extremer, tänzerischer Körper.

Es handelt sich um Torso-Aufnahmen. Die Bildelemente werden mit Metallbügeln miteinander verbunden. In den Aufnahmen der Großstadt sind die urbanen Oberflächen in Spiegelungen zu sehen.

Die Skulpturen „Ringenberger Marmor I“ und „Ringenberger Marmor II“ stellen Ottomanen dar, und behaupten ein bequemes Möbelstück zu sein. Die suggerierte Polsterung besteht aus gemaltem Marmor. Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung sollen Platz nehmen und sich die Werke um sich herum ansehen.

„Ohne Netz und doppelten Boden“: Ausstellung eröffnet am 3. März

Bei der Vernissage am Freitag (3. März 2017) um 20 Uhr  wird es eine Einführung vom Kunsthistoriker Dr. Peter Schmieder geben. Er leitet das Künstlerhaus. Im Anschluss an die Einführung legt ein DJ auf. Alle ausstellenden Künstler werden anwesend sein. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 9. April.

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Ein Gedanke zu “Wirklichkeitsbehauptungen: Ausstellung „Ohne Netz und doppelten Boden“ eröffnet Freitag im Künstlerhaus

  1. KH_DO

    Führung und Flimscreening

    am Freitag, dem 17.03.2017 ab 16.30 Uhr
    im Künstlerhaus Dortmund, Sunderweg 1, 44147 Dortmund
    Der Eintritt ist frei.

    Ab 16.30 Uhr KURATORENFÜHRUNG

    In der Ausstellung „Ohne Netz und doppelten Boden“ sind Werke und Werkgruppen zusammengeführt, die Konstruktion von Wirklichkeit durch Bilder und deren Präsentation verhandeln.

    Mit unterschiedlichen Mitteln widmen sich die KünstlerInnen der Erschließung der sie umgebenden Welt und deren Repräsentationsmechanismen. Der neugierige und beobachtende Blick zeigt sich dabei nicht nur in formalen Aspekten, sondern gerade in der Verknüpfung mit inhaltlichen und historischen Bezügen, die eine komplexe Wissenswelt eröffnen.

    Die gezeigten Bilder und Objekte bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Realität und Fiktion, behaupten Wirklichkeiten und erscheinen als künstlerische Konstruktionen illusionistisch und autonom.
    Die Uneindeutigkeit der Werke lässt dabei eine Vielzahl von Möglichkeiten gleichberechtigt nebeneinander existieren. Hier wird nicht die eine Wahrheit zu Gunsten einer anderen aufgegeben, sondern vielmehr im Sinne des Relativismus die Möglichkeit multipler Wahrheiten in eine visuelle Formensprache übersetzt.

    Ab 17.30 Uhr FILMSCREENING

    Die Filmemacherin Juliane Henrich, Gewinnerin des Querdenkerpreises der Filmfestspiele ‚Blicke‘ in Bochum und nominiert für den ‚Marler Video Award‘ stellt zwei ihrer Filme vor.

    schleifen (6 min, 4K, Deutschland 2014)

    Was ist es, das eine Stelle zum Ort werden lässt? Alte Dörfer werden geschleift, also abgetragen. An anderer Stelle werden sie neu aufgebaut und die Bewohner dorthin umgesiedelt. Die neuen Häuser erinnern nicht an die alten, Kirchen und historische Gebäude finden sich im neuen Ort nicht wieder. Nur die Friedhöfe werden verlegt und die Straßennamen bleiben erhalten – immer mit dem Hinweis „neu“. In langsamen Fahrten durch alte und neue Siedlungen verschränkt der Film Ansichten von etwas, das „Heimat“ sein könnte.

    Aus westlichen Richtungen (61 min, 4K, Deutschland 2016)

    Der Filmessay „Aus westlichen Richtungen“ geht von der kindlichen Frage aus, was „den Westen“ mehr sein lässt, als eine Himmelsrichtung. Und legt dann Spuren davon frei, wie er sich als Gesellschaftsmodell in die bundesrepublikanische Nachkriegsgeschichte und -architektur eingeschrieben hat. (…)
    In den Suchbewegungen des Films pendelt die Erzählerin zwischen Reflexionen über moderne Architektur und Eigentumsverhältnisse zu kleinteiligen Szenen aus der Kindheit und der weitergereichten Erinnerung an ein „eingeklemmtes Westdeutschland“ in der die Zeit der Eltern in einer K-Gruppe der 70er Jahre nachgezeichnet wird.

    Kristallisationspunkt ist immer wieder das Einfamilienhaus – von Adenauer und seinen Zeitgenossen als Bollwerk gegen den Osten angepriesen, schon von Engels als Mittel zur Eindämmung allen Aufbegehrens angeprangert. Trotz seiner Dekonstruktion erscheint der Westen im Film auch als kindlicher Sehnsuchtsort, in dem „alle noch an das gleiche Fernsehprogramm angeschlossen waren.“

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