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Geplante Heizungserneuerungen der Hausverwaltung Altro-Mondo in der Nordstadt und Wickede stoßen auf Widerstand

Das Fredenbaum Carré, Uhlandstr. Ecke Kleiststr., wird von Altro Mondo verwaltet. Fotos (3): Thomas Engel

Anfang Mai diesen Jahres flattert rund 230 MieterInnen in der Dortmunder Nordstadt und in Dortmund-Wickede Post ins Haus. Betroffen sind 90 Wohnungen in Wickede (Herwingweg 2, 4, Molnerweg 2) und 140 Wohnungen in der Nordstadt, gelegen in dem Fredenbaum Carré (Münsterstr. 208-214, Uhlandstr. 155-165, Weber Str. 2-6 sowie Kleiststr. 1-5). Freundlicher Absender ist die Hausverwaltung Altro-Mondo, deren Mehrheitseigentümerin die Deutsche Grundbesitz AG ist. Ab dem 1. August sollten Arbeiten zum Einbau einer zentralen Heizungsanlage beginnen. Eine Mieterhöhung würde dafür nicht anfallen. – Abgesehen vom Dreck, der durch die Installation zu erwarten ist, eine Supersache, könnte man meinen. Leider scheint dem nicht ganz so zu sein, wie der Mieterverein Dortmund nun vermeldet.

Statt Gasetagenheizungen zentrale Wärmeversorgung durch einen noch unbekannten Fremdanbieter

Was nämlich beim ersten Lesen einen tollen Eindruck hinterlässt, hat für die betroffenen MieterInnen mindestens zwei große Haken.

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Zum Einen werden die Wohnungen gegenwärtig noch über Gasetagenheizungen (Gasthermen) mit Warmwasser und Heizwärme versorgt. Viele MieterInnen schätzen diese Möglichkeit, die Heizung nach eigenen Wünschen steuern und Versorger wie Tarif eigenständig auswählen zu können – und schließlich nur für den eigenen Verbrauch bezahlen zu müssen. Mit diesem individuellen Steuerungsmöglichkeiten entstehender Kosten wäre es bei Versorgung durch eine Zentralheizung vorbei.

Zukünftig würde also einheitlich abgerechnet. In diesem Zusammenhang ist bedeutsam, dass das Altro-Mondo-Schreiben nach Auskunft des Dortmunder Mietervereins eine Formulierung enthält, die darauf schließen lässt, dass die neue Heizungsanlage nicht mehr dem Vermieter gehören wird, sondern einem – aktuell noch unbekannten – Wärmelieferanten, der die Wärmeversorgung dann übernimmt.

Heiz- und Warmwasserkosten beinhalten Ausgaben für Installation, Betrieb und Instandhaltung

Bei einer solchen gewerblichen Wärmelieferung (Wärmecontracting) bezahlen die MieterInnen die Errichtungs- und Instandhaltungskosten über den späteren Wärmepreis, betont der Mieterverein.

Das Fredenbaum-Carré vom Fredenbaumpark aus gesehen

Für MieterInnen hätte die Umstellung auf Wärmecontracting in der Vergangenheit häufig zu höheren Warmmieten geführt. Seit 2013 gibt es im Mietrecht (§ 556 c BGB) eine neue Vorschrift, dass bei einer Umstellung auf Wärmecontracting der Wärmepreis nicht höher sein darf, als der durchschnittliche Wärmeverbrauch der drei zurückliegenden Abrechnungsjahre.

„Voraussetzung für eine Umstellung auf Wärmecontracting ist eine Eigenversorgung der Wohnungen durch den Vermieter. Dies ist bei den betreffenden Wohnungen mit den Gasetagenheizungen in den Wohnungen jedoch nicht der Fall“, betont Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mietervereins Dortmund.

„Damit werden die gesetzlichen Anforderungen für eine Umstellung auf Wärmelieferung nicht erfüllt. Zugleich erfüllt das Schreiben der Altro-Mondo auch nicht die gesetzlichen Anforderungen an eine Modernisierungsankündigung. Die Schreiben der Altro-Mondo sind aus unserer Sicht unwirksam“, ergänzt Stücker.

Hausverwaltung Altro-Mondo antwortet nicht auf Widerspruchsschreiben des Mietervereins

Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mietervereins Dortmund (Archivbild)

Hinzukommt, dass Altro-Mondo auf die Widerspruchsschreiben des Mietervereins für eine Reihe von Mieterinnen und Mietern bisher nicht reagiert hat.

„Dies führt zu Verunsicherung bei betroffenen Mietern. Wir appellieren daher an die Verantwortlichen bei DEGAG/Altro-Mondo in der Sache mit uns Kontakt aufzunehmen, die Bauarbeiten nicht zu beginnen und die Situation somit nicht weiter zu eskalieren. Falls die Gasversorgung unterbrochen werden sollte, müssen wir den Mietern in diesem Fall empfehlen eine einstweilige Verfügung beim Amtsgericht Dortmund zu beantragen, um die Arbeiten zu stoppen“, erklärt Rainer Stücker.

Auch eine Anfrage dieser Redaktion in der Angelegenheit blieb bislang ohne Antwort. (*)

Zu zusätzlicher Unsicherheit bei den MieterInnen in Dortmund-Wickede führt eine von DEW21 angekündigte Versorgungssperre für Wasser und Allgemeinstrom für Ende August. Dies teilte DEW21 mit Schreiben vom 29. Juli mit. Hintergrund sind nicht bezahlte Versorgungsrechnungen des Eigentümers der Wohnungen bei DEW21.

Hintergrund: Deutsche Grundbesitz AG und die Hausverwaltung Altro-Mondo

Die Hausverwaltung Altro Mondo ist Teil und 100 prozentige Tochter der Dehne & Krüger Holding GmbH mit Sitz in Hannover. Die wiederum ist zu 88 Prozent an der DEGAG Deutsche Grundbesitz AG beteiligt. Geschäftsführende Gesellschafter der Holding sind Birger Dehne und Dragana Krüger, Vorstand der DEGAG ist Birger Dehne. Die DEGAG wiederum ist Eigner einer ganzen Reihe von Immobilienprojektgesellschaften, unter anderem der DEGAG Kapital GmbH, der DEGAG WOBA GmbH, der DEGAG Premium GmbH sowie den Gesellschaften DEGAG Erste Wohnen GmbH bis DEGAG Zwölfte Wohnen GmbH. Geschäftsführer all dieser Gesellschaften ist Birger Dehne.

Die von der den DEGAG Gesellschaften gehaltenen Immobilien hatten 2017 einen Buchwert von mehr als 300 Millionen Euro. Die Bestände liegen in ganz Deutschland verteilt, ein Schwerpunkt ist der Nordwesten. In NRW verwaltet Altro Mondo unter anderem DEGAG-Bestände in Dortmund, Herne, Castrop-Rauxel, Wuppertal und Duisburg.

Neben dem Erwerb von Mehrfamilienhäusern und Wohnanlagen in gutem, vermieteten Zustand, investiert die DEGAG zusätzlich einen „signifikanten Anteil“ ihres jährlichen Investitionsvolumens in den Erwerb „revitalisierungsbedürftiger Immobilien“ und erweckt die neu erworbenen Objekte „mit gezielten Investitionen aus dem Dornröschenschlaf“, wie es in einem Investorenprospekt aus dem Jahr 2016 heißt, der gezielt nach Kapitalanlegern sucht und ihnen eine Rendite von rund 7 Prozent verspricht.

Die zahlreichen Medienberichte zu Mängeln und drohenden Versorgungssperren, in der Region zuletzt im Juni 2019 in Castrop-Rauxel, haben DEGAG/Altro-Mondo mittlerweile auch zum Thema in der Landespolitik gemacht. Kleine Anfragen an die nordrhein-westfälische Landesregierung und eine von Bauministerin Ina Scharrenbach ins Leben gerufene Arbeitsgruppe aus Ministerium und Vertretern betroffener Kommunen stehen für die vielfachen Probleme von Mieterinnen und Mietern in Städten Nordrhein-Westfalens. (Quelle: Mieterverein Dortmund und Umgebung e.V.)

(*) Nach Veröffentlichung dieses Artikels erhielt die Redaktion am 8. August von einem Rechtsvertreter der Hausverwaltung Altro Mondo eine Mitteilung, in der als Gründe für die Installation einer neuen und zentralen Heizungsanlage deren verbesserte energetische Effizienz sowie eine Erhöhung der Sicherheit für die BewohnerInnen genannt wurden.

Weitere Informationen:

  • Mieterverein Dortmund und Umgebung e.V.; Kampstr. 4 – 44137 Dortmund; Tel:  0231 / 55 76 56-0; Fax 55 76 56-16
  • Homepage; hier:
  • E-Mail; hier:

 

 

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Ein Gedanke zu “Geplante Heizungserneuerungen der Hausverwaltung Altro-Mondo in der Nordstadt und Wickede stoßen auf Widerstand

  1. Mieterverein Dortmund und Umgebung e.V.

    Drohende Versorgungssperre für Altro-Mondo-Mieter in Dortmund-Wickede – Zahlungsrückstände bei DEW21 bisher nicht ausgeglichen

    Ende Juli erhielt die Bewohnerinnen und Bewohner der 90 Wohnungen in Dortmund-Wickede am Herwingweg 2 und 4 sowie am Molnerweg 2 Post von DEW21. Der Eigentümer der Häuser habe Zahlungsrückstände, es drohe die Sperrung der Versorgung mit Frischwasser und Allgemeinstrom zum 26.08.2019. Für die Mieterinnen und Mieter wird es nun Ernst. „Nach Informationen von DEW 21 wurden die ausstehenden Zahlungen bis heute nicht beglichen. Damit droht den Mietern die Sperre der Versorgungsleitungen, so dass Sie ohne Frischwasser und Allgemeinstrom da stehen würden. Das Licht im Treppenhaus und Keller, aber auch die Aufzüge wären außer Betrieb. DEGAG / Altro-Mondo muss seinen Pflichten als Eigentümer nachkommen.“, sage Dr. Tobias Scholz, wohnungspolitischer Sprecher des Mietervereins Dortmund und Umgebung e.V.

    Der Mieterverein hat nun mit DEW21 vereinbart, dass die Versorgung aufrecht erhalten wird, wenn ausreichend Mieter ihre Miete nicht mehr an den Vermieter, sondern an DEW 21 zahlen. Mieter müssen hierfür Abtretungserklärungen gegenüber DEW21 unterzeichnen und den Vermieter schriftlich informieren.

    „Wir haben unsere Vereinsmitglieder in den betreffenden Häusern heute angeschrieben und eine entsprechende Vorgehensweise empfohlen und werden nach Rückmeldung durch die Mieter gegenüber Altro-Mondo aktiv werden. Es ist sehr wichtig, dass sich weitere Mieter anschließen, um die Versorgungssperre zu verhindern.“, sagte Dr. Tobias Scholz.

    Betroffene Mieter können in der Angelegenheit direkt mit DEW21 Kontakt aufnehmen.

    Allgemeine Musterschreiben im Falle drohender Versorgungssperren sind beim Mieterverein Dortmund an der Kampstr. 4 zu den Öffnungszeiten (Mo bis Do: 08.30 Uhr bis 18. Uhr und Fr. 08.30 bis 14 Uhr) und auf http://www.mvdo.de kostenfrei erhältlich.

    Mieter können zudem eine rechtliche Beratung und Vertretung durch die Rechtsberatung des Mietervereins erhalten – hierfür ist jedoch eine Mitgliedschaft bzw. ein Beitritt in den Mieterverein Dortmund erforderlich.

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