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Die Kinos in Dortmund stehen vor einer ungewissen Zukunft – nur zwei Häuser haben derzeit wieder geöffnet

Der Blick aus dem Projektionsraum auf die Leinwand. Foto: sweetSixteen

Der Blick aus dem Projektionsraum auf die Leinwand im sweetSixteen – heute geht es wieder los. Foto: Betreiber

Auch wenn sie es seit dem 30. Mai unter strengen Auflagen dürften, haben in Dortmund bisher die wenigsten Kinos wieder geöffnet. Denn die Corona-Auflagen sorgen für personellen und organisatorischen Mehraufwand und stark limitierte Platzzahlen wegen der Mindestabstände machen den Kinobetreibern das Leben nicht leichter. Ganz abgesehen davon, dass durch den fehlenden bundeseinheitlichen Start viele Verleiher noch keine neuen Filme in die Kinos geben. Außerdem fallen die lukrativen Vermietungen und Events zumeist ins Wasser.

In der Schauburg bleiben im ungünstigsten Fall nur 30 von 159 Plätzen übrig

Die Schauburg ist das älteste Dortmunder Kino. Foto: Schauburg

Die Schauburg in der Brückstraße ist das älteste bestehende Dortmunder Kino. Foto: Schauburg

Am schnellsten am Start war die Schauburg. Das älteste bestehende Kino in der Brückstraße hat seit dem Wochenende wieder geöffnet. Dort gibt es ein vergleichsweise umfangreiches Filmprogramm – mit deutlich eingeschränktem Sitzplatz-Angebot.

Um die Auflagen für Sicherheit und Hygiene einhalten zu können, muss per se jede zweite Reihe frei bleiben. Die Abstände zwischen den Sitzen variiert – wenn es nur Einzelplätze sind, fallen deutlich mehr Plätze weg als bei Paaren oder Familien, erklärt Veranstaltungsleiter Alexander Terzakis. Von den regulär 159 Plätzen im großen Saal bleiben im schlechtesten Fall nur 30 Plätze übrig, bei Partnersitzen wären es 48. Im kleinen Saal mit regulär 101 Plätzen bleiben entsprechend noch weniger übrig.

Reservierungen sind daher per E-Mail möglich und werden dringend empfohlen – bei mehr als drei Personen sind sie sogar verpflichtend, damit das Kino das Platzangebot einplanen kann. Dort hat man sich sehr frühzeitig auf die neue Situation eingestellt und sogar ein Video zur neuen Einlass-Situation online gestellt.

Der Platzanweiser erlebt Dank der Hygiene-Vorschriften eine Renaissance

Die Schauburg hat die Aktion „Cinema4U“ ins Leben gerufen - man kann Privatvorstellungen buchen. Archivfoto: Alex Völkel

Die Schauburg hat die Aktion „Cinema4U“ ins Leben gerufen – man kann Privatvorstellungen für sich und seine Gäste buchen. Archivfoto: Alex Völkel

Dank Corona erlebt der Platzanweiser eine Renaissance – die Besucher*innen werden auf die vorher ausgewählten Plätze geleitet. Der Filmstart in den beiden Sälen findet versetzt statt, damit sich die Gäste in dem kleinen Foyer nicht auf den Füßen stehen. Auch bei den Snacks und der Bezahlung hat sich das Kino etwas einfallen lassen, um die Situation zu entzerren.

Trotz der massiven Einschränkungen war für die Schauburg schnell klar, dass man wieder öffnen will. Denn nicht zu öffnen, hätte noch stärkere wirtschaftliche Folgen bedeutet als die fortgesetzte Schließung. Trotz Öffnung sind noch Beschäftigte in Kurzarbeit.

Die Öffnung ist auch ein Dankeschön an die zahlreichen Kinofans, die sich an den Solidaritätsaktionen beteiligt haben, betont Alexander Terzakis. Mit dem Start ist man „den Umständen entsprechend zufrieden“. Maximal 50 Besucher*innen waren es an Pfingsten pro Tag. Der Neustart muss sich herumsprechen.

Und es bleibt abzuwarten, ob sich die Menschen wieder ins Kino trauen. Wer auf „Nummer sicher“ gehen will, kann mit einem Monat Vorlauf auch seinen eigene Vorstellung buchen. „Cinema4u“ heißt die Aktion, bei der es ab 260 Euro los geht – mit dann bis zu 30 Gästen bei einer Privatvorstellung.

sweetSixteen-Kino im Depot startet am heutigen Donnerstag wieder

„Derzeit gibt es für die Kinos in Deutschland keinen bundeseinheitliche Öffnungstermin, was zur Folge hat, dass viele Filmstarts von den Verleiherfirmen auf einen noch unbekannten Termin in Zukunft und ohne Verbindlichkeit verlegt werden“, erklärt Peter Fotheringham, Betreiber des sweetSixteen-Kinos im Depot. ___STEADY_PAYWALL___

Kino im Depot, Sweet Sixteen Kino Hund Henry nimmt es gelassen

Kino-Hund Henry hat Corona gelassen genommen – anders als sein Herrchen. Archivbild: Klaus Hartmann

„Aktuelles Kinoprogramm zu gestalten mit einer großen Anzahl an attraktiven Filmen – was unser Anspruch ist als Erstspielhaus – ist derzeit also nur eingeschränkt möglich“, so Fotheringham. 

Das sweetSixteen-Kino wird am heutigen Donnerstag (4. Juni) erstmals nach einer über zehnwöchigen Pause wieder öffnen – und das zwar mit deutlich weniger Filmen als man es sonst von den „Sweeties“ gewohnt ist, aber die Filmauswahl ist wie immer einzigartig und ordentlich kuratiert. 

Fotheringham verweist auf die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen, die er und die weiteren Kinos umsetzen: „Wir wollen die Verbreitung des Covid-19-Virus nicht befeuern und müssen daher aufwändige Maßnahmen zur Umsetzung der Infektionsschutzverordnung, zum Schutz des Personals und der Besucher*innen, realisieren, was mit viel Arbeit, hohen Kosten, geringerer Auslastung und einem reduzierten Angebot einhergehen wird.“

Grüne unterstützen Programmkino und freuen sich auf die Wiedereröffnung

Volles Haus im sweetSixteen-Kino. Die Gäste nahmen sichtlich Anteil an den Schicksalen, die in den Filmen offenbart wurden.

Volles Haus im sweetSixteen-Kino. Solche Szenen wird es vorerst nicht mehr geben. Archivbild: Alex Völkel

In Abwägung dieser Ambivalenz – den Kulturort Kino wieder zugänglich zu machen, mit einem nur kleinem Filmangebot umgehen zu müssen und dem Infektionsschutz gerecht zu werden – hat sich das sweetSixteen zu einem eingeschränkten Start entschieden.

Dies bedeutet, weniger Filme, längere Laufzeiten und mehr Abstand – dafür aber die Wiederbelebung des Kinos und die solidarische Unterstützung aller kleinen und unabhängigen Filmverleiher*innen und Filmemacher*innen und somit die Möglichkeit, allen Cineasten wieder einen Ort zu bieten – wenn auch nur eingeschränkt.

Die Dortmunder Grünen möchten ihre Solidarität mit einem Dortmunder Programmkino durch die Buchung einer Sondervorführung zum Ausdruck bringen. „Nach den Sommerferien möchten wir Mitglieder und Interessierte zu einer Vorführung eines Dokumentarfilmes in das sweetSixteen-Kino einladen“, kündigt Julian Jansen, Kreisverbandssprecher der Grünen, an. 

„Das Angebot kleiner Programmkinos, die es in dieser Zeit besonders schwer haben, darf nicht einbrechen“, bekräftigt auch Kreisverbandssprecherin Katja Bender und ergänzt: „Auch durch den Kauf von Gutscheinen, die zu einem späteren Zeitpunkt eingelöst werden, können Kinos unterstützt werden.“

Roxy-Kino bereitet sich auf einen Start vor – Zukunft der Camera ungewiss

Das sweetSixteen ist nicht das einzige Programmkino in der Nordstadt – aber das erste, was wieder an den Start geht. Die Freund*innen des Roxy-Kinos in der Münsterstraße müssen noch  etwas warten: „Aber unsere Wiedereröffnung rückt näher! Aktuell nehmen wir noch kleinere Umbau- und Verbesserungsarbeiten im Kino vor“, verspricht das Team auf seiner Homepage. 

Das Roxy Kino in der Münsterstraße, Foto: Klaus Hartmann/nordstadtblogger.de

Das Roxy-Kino in der Münsterstraße bereitet seine Eröffnung noch vor. Archivfoto: Klaus Hartmann

Der genaue Starttermin steht noch nicht fest. Freuen können sich die Fans schon auf den 2. Juli, dann startet das Roxy den neuen Film von Christian Petzold, „Undine“ mit Berlinale-Gewinnerin Paula Beer. Am 9. Juli folgt „Eine größere Welt“, der neue Film von Fabienne Berthaud („Barfuss auf Nacktschnecken“) mit Cécile de France in der Hauptrolle. Wiedereröffnen wird das Roxy allerdings mit den Filmen „Die perfekte Kandidatin“ und „Die Farbe aus dem All“.

Während das Roxy am Neustart arbeitet, ist davon beim dritten Programm-Kino in der Nordstadt nichts zu hören. Offenbar ist weiter unklar, ob und wie es bei der Camera überhaupt weitergeht. Bereits seit vergangenem Herbst ist das Kino zu – damals noch (so die offizielle Begründung) wegen technischer Probleme mit dem Projektor. 

Dann die traurige Nachricht, dass die Betreiberin überhaupt nicht mehr öffnen und ihr Traditionshaus verkaufen wolle. An der Nachfolge wurde gebastelt – so sollte sich ein Trägerverein für das Kino gründen. Doch dann kam Corona – und von den Plänen war überhaupt nichts mehr zu hören.

Die Filmbühne zur Postkutsche und das Cinestar haben noch keine Starttermine

Premiere des Films über BvB-Gründer Franz Jacobi im Cinestar

Volles Haus bei der Premiere des Films über BVB-Gründer Franz Jacobi im Cinestar. Solche Besuchermassen sind kaum zu bewältigen.

Auch die Filmbühne Zur Postkutsche in Aplerbeck – das letzte Vorort-Kino in Dortmund – hat noch keinen Eröffnungstermin. Damit befindet sich die Postkutsche in prominenter Gesellschaft.

Auch vom größten Kino in Dortmund – dem Cinestar am Hauptbahnhof – gibt es noch keinen Starttermin. Noch nicht mal eine Andeutung des Hauses mit 18 Sälen gibt es auf der Homepage. Anders als Programmkinos hätte das Cinestar auch deutlich größere Probleme mit der Besuchersteuerung. 

Denn während die Programmkinos einen Betrieb mit geringen Auslastungsquoten gewohnt und die großen Säle oft nur spärlich besetzt sind, hat das Blockbuster-Kino oft mit Menschenansammlungen zu kämpfen. Schon in normalen Zeiten gibt es lange Schlangen und drangvolle Enge – in Zeiten von Corona ein No-Go.

 

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